Tierlexikon Wolf

Wölfe galten in Deutschland lange als ausgestorben. Heute lebt der Wolf auch in Europa wieder in freier Wildbahn. Wölfe sind die Urväter der Hunde
Wolf
Wölfe leben heute wieder in fast ganz Deutschland - von Bayern bis Thüringen

Wölfe sind eng verwandt mit Hunden, Kojoten und Füchsen und gehören zur wissenschaftlichen Gattung Canis. Neben dem europäischen Grauwolf (Canis lupus lupus) gibt es Dutzende weitere Unterarten, wie etwa den weißen Polarwolf (Canis lupus arctos) oder den nahezu schwarzen Timberwolf (Canis lupus lycaon).

Allgemeines zum Wolf

Erwachsene Wölfe wiegen 30 bis 50 Kilogramm. Sie sind rund 120 Zentimeter lang und haben eine Schulterhöhe von 60 bis 90 Zentimetern. Grauwölfe haben oft eine helle Färbung an Hals und Beinen. Die Beine sind lang, die Ohren kleiner als bei Hunden und aufgestellt, der Schwanz meist gesenkt.

Was frisst ein Wolf?

Wölfe fressen etwa drei Kilogramm Fleisch pro Tag und ernähren sich hauptsächlich von frei lebenden Huftieren, erzählt uns die Forscherin. Das sind Rothirsche, Rehe und Wildschweine, aber auch Mufflons, Damhirsche und Elche. Als kleiner Leckerbissen werden Feldhasen, Kaninchen, Vögel, Mäuse und andere Kleinsäuger verspeist.

Der Wolf frisst nur junges, unerfahrenes, altes oder schwaches Wild. Die gesunden und reaktionsschnellen Beutetiere überleben, und das ist gut für den Bestand der Beute und das Ökosystem. Der Biologe nennt das "natürliche Auslese": Im Kampf ums Überleben gewinnen die Stärksten.

Wie lebt ein Wolf?

Wölfe leben in der Regel in Rudeln. Nur selten gibt es auch Einzelgänger unter den Wölfen. Normalerweise besteht ein Rudel aus einer Wolfsfamilie: Es sind die Elterntiere mit der nächsten Generation, also ihren Nachkommen. Grauwölfe paaren sich in der Regel im Februar. Nach zwei Monaten bringt das Weibchen vier bis sechs Welpen zur Welt. Die Jungtiere verlassen nach ein bis zwei Jahren das Rudel. Geschlechtsreif werden die Jungen nach etwa zwei Jahren.

Wolf im Wald hinter einem Baumstamm

Ein scheuer Wildwolf im Wald

Ist der Wolf gefährdet?

Heute gelten Wölfe international nicht mehr als bedrohte Art. Lange Zeit wurden Wölfe weltweit gejagt und in Europa galten die Tiere schließlich als ausgestorben. Doch in den 90er Jahren fanden Jäger erste Spuren und Kothaufen, die nicht von einem Hund stammen konnten. Und sie hörten das Heulen der Raubtiere in der Nacht.

Ein paar Jahre später wurden die ersten grauen Gesellen gesichtet und die Wissenschaftler konnten wirklich sicher sein, dass die Wölfe nach Deutschland zurückgekehrt sind. Sie kamen über die polnische Grenze und haben sich auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen niedergelassen. Hier fanden sie noch große Wälder mit hohem Wildreichtum. Da sich die Tiere nicht gestört fühlten, sind sie geblieben.

Wölfe in Deutschland

In Europa leben heute etwa 12.000 bis 18.000 Wölfe in freier Wildbahn. Auch in Deutschland sind die Verwandten des Hundes wieder zu finden. Etwa 57 Wolfsrudel leben nun in Deutschland, zwei Paare und drei erwachsene Einzeltiere zählten Experten in Deutschland im Herbst 2018 – mindestens 121 erwachsene Tiere insgesamt. Dazu noch 211 Welpen. Die Zahlen steigen jährlich.

Deutschland bietet wissenschaftlichen Berechnungen zufolge Platz für etwa 440 Wolfsrudel, wobei die Größe der jeweiligen Territorien von dem verfügbaren Nahrungsangebot abhängt - je mehr Beutetiere auf einer Fläche leben, desto kleiner sind die Wolfsterritorien.

Seit 1990 wird der Wolf in Deutschland streng geschützt und darf nicht mehr geschossen werden. Aus diesem Grund kehrt er langsam wieder in seine alten Jagdgründe zurück. Doch da viele Lebensräume mittlerweile zerstört sind, kann er sich nicht mehr in ganz Deutschland ausbreiten.

In Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern leben inzwischen mehrere Wolfsrudel, auch in Brandenburg und Bayern wurden bereits Wölfe gesichtet.Dazu vermutet man aktuell zwei sesshafte Tiere in Schleswig-Holstein, die wohl von einem Rudel aus Dänemark stammen.

Verspielte Wolfskinder
Tierkinder
Verspielte Wolfskinder
In vielen Märchen spielt der Wolf die Rolle des Bösen. Wer jedoch einmal ein Wolfsbaby und die Fürsorge seiner Familie beobachtet hat, ändert schnell seine Meinung

Das Problem mit dem Wolf in Deutschland

Allein im Jahr 2016 gab es in Deutschland knapp 300 Wolfsangriffe, vor allem auf Schafe und Ziegen. Knapp 1100 Nutztiere wurden dabei getötet. Dennoch: „Dass Wölfe Weidetiere erbeuten, ist die Ausnahme. Zu 99 Prozent ernähren sie sich von Wild“, erklärt Wolfsberater Kenny Kenner.

Für den einzelnen Schäfer aber können schon wenige gerissene Tiere ein Problem sein, denn ihr Beruf macht sie ohnehin nicht reich: Für ein Schaf bekommen sie maximal 35 Euro, der Verkauf von Wolle deckt nicht einmal die Schurkosten. Reißt ein Wolf ihre Tiere, gibt das einigen den Rest. „Da sagen dann manche, sie hören auf“, erzählt Schäfer Jan Tüllmann aus Trebel in Niedersachsen. „Dabei sind Schäfer harte Socken. Man könnte sagen, es sind die letzten Cowboys. Aber wenn morgens eine Schafsmutter vor einem liegt, deren Eingeweide herausgerissen sind, und daneben quakt ihr verletztes Lamm – das geht einem schon nah.“

Besonders erschrocken hat viele Menschen ein Wolfsangriff im Mai 2018: Damals riss ein Wolf im Nordschwarzwald in einer Nacht gleich 32 Schafe auf einmal. „Das passiert, wenn die Schafe zu eng in einem Pferch stehen und nicht ausweichen können“, erklärt Wolfsberater Kenny Kenner. „Dann kommt der Wolf, greift ein Schaf an, sieht – bevor er zu fressen beginnt – direkt das nächste Schaf daneben stehen und greift nochmal an. Das ist sein Beutereflex, er will sich einen Vorrat schaffen."

GEOlino - Wölfe
GEOlino Nr. 03/2019
Wirbel um den Wolf
Längst streifen die Räuber wieder durch unsere Wälder. Das freut nicht jeden...

Wie sieht die Zukunft aus?

Doch mittlerweile gibt es Möglichkeiten, den Wolf fernzuhalten: gute Elektrozäune etwa. Jener, der die Herde im Nordschwarzwald schützen sollte, half jedoch wenig, da er zu einem Bach hin offen war. Wölfe sind gute Schwimmer – der Räuber gelangte problemlos zu seiner Beute. „Der Zaun muss am Boden dicht sein. Denn die Tiere springen nicht einfach über einen Zaun, sie versuchen erst einmal unten durchzukriechen“, erklärt Kenny Kenner.

Bekommen sie dabei einen Stromschlag, sind sie abgeschreckt und erfahren gar nicht erst, dass Schafe gutes und leichtes Fressen sind. Was Beute ist, lernen Welpen von ihren Eltern, und die führen sie gar nicht erst in die Nähe einer Herde, wenn sie wissen, dass der Zaun wehtut. Aber: Kommt ein Tier erst einmal auf den Geschmack, hält es auch kein Zaun mehr auf.

„150 Jahre haben wir keine Wölfe gehabt“, sagt Kenny Kenner. „Weidehalter müssen lernen, den Wolf einzukalkulieren.“ Aber manche empfinden den Aufwand als zu hoch und stellen keine Zäune auf – oder machen es fehlerhaft. So kommt es auch nach Jahren immer wieder zu Rissen. Dabei versuchen viele Bundesländer, Tierhaltern zu helfen: Es gibt Zuschüsse für Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Ist der Zaun fehlerlos aufgestellt und der Wolf hat ihn trotzdem überwunden, gibt es Geld, um tote Schafe zu ersetzen.

Denn tatsächlich gibt es wenige Wölfe, die richtig aufgestellte Schutzzäune überwinden. Machen sie das mehrmals, dürfen sie auch heute schon geschossen werden. Ein entsprechender Antrag wurde Ende Januar in Schleswig-Holstein gestellt, wo ein Wolf sechsmal eine gut geschützte Herde attackierte.

Viele Schäfer und Jäger fordern dennoch, dass man Wölfe generell jagen dürfe wie Rehe oder Wildschweine. Das findet sogar Schäfer Jan Tüllman Quatsch. „Das kann auch nach hinten losgehen. Würde der Vater von den Wölfen in meinem Umkreis ohne Grund geschossen, obwohl er nichts gerissen hat, dann gesellt sich ein neuer Rüde dazu, der weiß, wie Schafe schmecken, sogar weiß, wie man springt. Dann gibt der sein Wissen weiter – und es bildet sich hier eine ganze Springer-Familie.“

Einen 100-prozentigen Schutz vor dem Wolf gibt es nicht. Das weiß Wolfsberater Kenny Kenner, das weiß Schäfer Jan Tüllmann. Doch der Wolf ist zurück, und wir müssen lernen, mit ihm zu leben. Wird das gelingen? „Möglich ist vieles“, sagt Jan Tüllmann. „Aber dafür muss man aufeinander zugehen, alle Seiten hören und mit Leuten reden, die Ahnung von Wölfen haben. Denn einfache Lösungen gibt es nicht.“

Steckbrief: Wolf

  • Name: Wolf
  • Wissenschaftlicher Name: Canis lupus
  • Größe: 120 Zentimeter lang , 60 bis 90 Zentimeter Schulterhöhe
  • Gewicht: 30 bis 50 Kilogramm
  • Lebensdauer: 10 bis 13 Jahre
  • Lebensraum: Grasland und Wälder in Europa, Asien, Nordamerika und Nordafrika
  • Ernährung: Fleischfresser, mittelgroße bis große Säugetiere
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