Tierkinder Verspielte Wolfskinder

In vielen Märchen spielt der Wolf die Rolle des Bösen. Wer jedoch einmal ein Wolfsbaby und die Fürsorge seiner Familie beobachtet hat, ändert schnell seine Meinung

"Wer hat Angst vorm bösen Wolf?" In Märchen und Sagen hat der Wolf die Rolle des Bösewichts. Ob in Disneys "Die drei kleinen Schweinchen" oder im "Rotkäppchen" – der Wolf gilt als Bedrohung. Schon in der griechischen Mythologie wird die Göttin Hekate, eine böse Hexe, stets von Wölfen begleitet.

Wegen seines schlechten Rufes wurde der Wolf lange Zeit gejagt. Viele Bauern hatten Angst, er würde ihre Schafe, Rinder und Schweine reißen. Diese Hetzjagd führte so weit, dass der Wolf bald vom Aussterben bedroht war. Erst seitdem er vor einigen Jahren auf die Liste der geschützten Tiere gesetzt wurde, erholt sich seine Population.

Verspielte Wolfskinder

Die ersten Tage des kleinen Wolfsjungen außerhalb seiner Geburtshöhle

Fürsorgliches Wolfsrudel

Der Wolf ist zwar ein Raubtier, doch tatsächlich ein friedfertiger Geselle, der sich in einem Familienverband am wohlsten fühlt. Dieses sogenannte Rudel besteht zumeist aus den Wolfseltern, die sich zusammen mit ihrem älteren Nachwuchs um die Neugeborenen kümmern. Bis die Kleinen mit zwei Jahren bereit sind, eine eigene Familie zu gründen und sich ein neues Revier suchen, bleiben sie an der Seite der Eltern und unterstützen sie bei der Aufzucht ihrer Geschwister.

Wölfe bekommen einmal im Jahr Nachwuchs. Im späten Winter, wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen den baldigen Frühling ankündigen, treffen sich Rüde und Fähe – so nennt man den männlichen und den weiblichen Wolf. Nach der Paarung dauert die Tragzeit fast drei Monate, in denen die kleinen Wölfe im Bauch der Mutter heranwachsen. Kurz vor der Geburt gräbt sie eine Höhle, in die sie sich zurückzieht. Liebevoll wird die werdende Mutter von ihren Artgenossen versorgt.

Schon bald kommen die winzigen Wolfsbabys, die bei der Geburt nicht größer als ein Meerschweinchen sind, in der Höhle auf die Welt. Sie wiegen gerade einmal 400 Gramm und haben ein weiches, dunkles Fell. Erst nach zwei Wochen öffnen die Kleinen ihre Augen und tapsen zum ersten Mal unter der Erde umher. Auch ihre Zähne brechen jetzt durch – aus den niedlichen Wolfsbabys soll schließlich mal ein Raubtier werden.

Revierverhalten

Nach drei Wochen nimmt der Nachwuchs zunehmend seine Umwelt wahr und verlässt zum ersten Mal die geschützte Geburtshöhle. Doch beim Spielen und Umhertollen bleibt er immer in der Nähe seiner Mutter. Ein angeborener Instinkt veranlasst den jungen Wolf im Kreis zu laufen, so entfernt er sich nie zu sehr von seiner Familie.

Auch die Mutter bleibt stets in ihrem Revier. Alle Wölfe besitzen einen festen Lebensraum, den sie sowohl gegen ihre Artgenossen als auch gegen eindringende Feinde verteidigen. Wie Hunde markieren sie ihr Revier alle paar Meter an Bäumen, Sträuchern und Steinen. Typisch ist auch das hierfür markante Heulen der Wölfe. Es ist ein Warnsignal an Eindringlinge.

Die Größe des Reviers in den Graslandschaften und Wäldern richtet sich dabei nach dem Vorkommen der Beutetiere. Bis zum Alter von zwei Monaten werden die Wolfsjungen von der Mutter mit reichhaltiger Milch gesäugt. Doch ihr Hunger wird immer größer, und schon bald versuchen sie die gefangene Beute aus der Schnauze ihrer Rudelmitglieder zu stibitzen. So werden die Jungen zu Fleischfressern, eine Vorbereitung für den eigenen Jagdinstinkt. Dieser prägt sich im Laufe der Wolfskindheit immer weiter aus. Unbemerkt folgen sie dann dem Geruch großer Säugetiere, um dann blitzschnell Hirsche oder Wildschweine anzugreifen. Die haben schon eher Grund, Angst vor dem bösen Wolf zu haben.


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