Tiere Pinguine: Tauchende Vögel

Der Vogel im Frack ist ein eigenartiger Geselle: Er kann nicht fliegen, obwohl er ein Vogel ist, aber tief tauchen, obwohl er kein Fisch ist. Vorhang auf für den Pinguin!
Pinguine: Tauchende Vögel

Königspinguine (im Bild) sind nach den Kaiserpinguinen die zweitgrößte Pinguinart. Trotzdem schaffen sie nicht mal die Ein-Meter-Marke: Sie erreichen eine Körpergröße von etwa 80 bis 90 Zentimeter

Allesgemeines über Pinguine

Sobald der Winter anbricht, ziehen viele Vögel in den warmen Süden, wo es genügend Futter für sie gibt. Der Pinguin aber lebt das ganze Jahr in kalten Gegenden. Er muss nicht wegfliegen - und könnte es auch gar nicht. Aber warum kann dieser Vogel eigentlich gar nicht fliegen?

Pinguine haben bereits vor vielen tausend Jahren die Fähigkeit zum Fliegen verloren. Sie stammen vermutlich vom Tauchsturmvogel ab. Dieser verwendet seine Flügel sowohl für den Flug in der Luft als auch im Wasser. Pinguine leben am Südpol, der wie eine Insel vom Meer umschlossen ist.

Landraubtiere können ihn nicht erreichen. Deshalb haben Pinguine also an Land keine natürlichen Feinde mehr und müssen auch nicht wegfliegen, um sich in Sicherheit zu bringen. Und das ist der Grund, warum Pinguine das Fliegen verlernt haben: Sie brauchten es nicht mehr.

Flug unter Wasser

Viel wichtiger für die Pinguine ist eine andere Fähigkeit: Sie sind ausgezeichnete Taucher. Bis in eine Tiefe von 100 Metern können die Unterwasserjäger ihre Fisch-Mahlzeit verfolgen. Für den Weg an die Oberfläche haben Pinguine einen tollen Trick: Sie besitzen im Inneren ihres Körpers Luftsäcke, die ihnen das Auftauchen erleichtern.

Im Wasser schlagen sie die Flügel wie ihre flugfähigen Vogelverwandten, sie "fliegen" also durchs Wasser. Zum Schweben in der Luft sind die Flügel der Pinguine aber nicht mehr geeignet.

Pinguine: Tauchende Vögel

Kuscheln gegen die Kälte: Diese Gruppe von ausgewachsenen Kaiserpinguinen mit ihren graugefiederten Jungen hält fest zusammen

Überlebenstricks der Pinguine

Pinguine sind sie von Kopf bis Fuß auf Kälte eingestellt: Barfuß gehen auf Eis, schwimmen im bitterkalten Wasser - wie halten Pinguine das nur aus? Die Füße der Pinguine passen sich stets der Temperatur des Bodens an. Wenn sie also auf Eis stehen, haben sie "eisige" Füße, um nicht anzufrieren. Eine Fettschicht unter der Haut schützt zusätzlich die lebenswichtigen Organe der Pinguine.

Ein besonderer Wärmespeicher ist das Federkleid: Die kurzen Federn halten wärmer als jede dicke Daunenjacke und verhindern zusätzlich, dass der Vogelkörper zu viel Wärme abgibt. Außerdem streichen die Pinguine ihr Federkleid ständig mit Öl aus der Bürzeldrüse ein, damit das Gefieder Wasser abweist. Es bildet so einen wasserdichten Mantel, der die Pinguine vor dem eisigen Wasser ebenso schützt wie vor der Kälte eines Schneesturms.

Das schwarzweiße Federkleid der Pinguine sieht aus wie ein Anzug, weshalb man auch vom "Vogel im Frack" spricht. Das Muster schützt die Pinguine im Wasser vor ihren Feinden: Von unten ist der weiße Bauch gegen den hellen Himmel kaum zu sehen, während der schwarze Rücken von oben gegen den dunklen Meeresgrund schlecht zu erkennen ist.

Lebenstricks der Pinguine

Pinguin

Eine dicke Fettschicht (1) unter der Haut schützt die lebenswichtigen Organe. Eine Lage Daunen (2) und ein Mantel aus dachziegelartig angeordneten Federn (3) verhindern zusätzlich, dass der Vogelkörper zu viel Wärme abgibt.

Ihr Federkleid streichen die Pinguine ständig mit Öl aus der Bürzeldrüse (4) ein, damit das Gefieder Wasser abweist. Allein die Füße sind kalt - mit Absicht: Sie würden sonst am Eis festkleben!

Die Pinguinpatschen werden durch ein ausgeklügeltes Adersystem (5) kühl gehalten. Die Arterien, über die das warme Blut aus dem Körper in die Füße fließt, sind von einem Netz aus Venen umgeben, über die das kalte Blut aus den Füßen in den Körper zurückfließt. So wird das hinaufströmende Blut angewärmt und das hinabströmende abgekühlt.

F(r)isch geangelt

Pinguine: Tauchende Vögel

Was gibt's denn da zu schnabeln? Der Königspinguin und ein Junges tauschen sich aus

Wenn im Winter das Meer am Ufer gefriert, wird der Weg zum Futter für die Pinguine immer weiter. Sind sie einmal dort angekommen, können sie bis zu zehn Kilogramm an Fischen fressen. Das ist mehr, als ihr Magen aufnehmen kann. Pinguine verdauen deshalb sehr schnell, um mehr Platz zu haben. Außerdem können Pinguine ihre Verdauung auch komplett stoppen: So bringen sie das unverdaute Futter zurück zu ihren Jungen, die schon sehnlichst darauf warten.

Bei Kaiserpinguinen, der größten Pinguinart, geht die Mutter nach der Eiablage auf Futtersuche, während der Vater das Ei in seiner Bauchfalte hütet und warmhält. Wenn die Mutter nach etwa zwei Monaten wieder zurückkommt, ist das Junge gerade geschlüpft und sehr hungrig. Nun wandert der Pinguinpapa ans Meer, um nach Fischen zu jagen.

Brutzeit und Nachwuchs

Im Juni ist es besonders kalt, denn da beginnt am Südpol der Winter - und auch die Brutzeit. Bei allen Pinguin-Paaren etwa gleichzeitig. Jedes Weibchen legt ein Ei und kullert es zum Vater. Der nimmt es auf die Füße und stülpt seinen Bauch darüber - als Schutz vor dem eisigen Wind. Während das Männchen brütet, fängt die Mutter Fische im Meer. Wochenlang.

So ist sie auch nicht da, als nach zwei Monaten - pick, pick, pick - das Küken seinen Schnabel in die Eierschale hackt und schlüpft. Warm und kuschelig ist es unter Papas Bauch! Als die Mutter ein paar Tage später rundgefuttert zurückkehrt, wagt sich das Kleine zum ersten Mal an die kalte Luft - und schlüpft dann rasch wieder unter den warmen Bauch. Dann unter den seiner Mutter.

Der Pinguin-Kindergarten

Wusstet ihr, dass auch Pinguinjunge in den Kindergarten gehen? Im Sommer gehen beide Elternteile auf Futtersuche. Der Weg ist jetzt viel kürzer als noch im Winter, weil das Eis geschmolzen und das Meeresufer näher ist. Während die Eltern Futter besorgen, kuscheln sich die Jungen zusammen, um in der antarktischen Kälte nicht zu frieren. Das Pinguin-Junge hat nämlich zunächst noch einen hellgrauen Federnflaum, es bekommt seinen "Frack" erst später.

Warum gibt es am Nordpol keine Pinguine?

Weil sich Pinguine vor Jahrmillionen auf der Südhalbkugel der Erde entwickelt haben. Damals lagen die Erdteile enger beieinander als heute. Als die Landmasse der Antarktis dann in Richtung Südpol driftete, nahm sie die Vorfahren der heutigen Pinguine mit. Pinguine, die versuchsweise von Wissenschaftlern am Nordpol ausgesetzt wurden, kamen auch dort prima zurecht – doch für alle anderen Pinguine ist der Weg dorthin einfach viel zu weit.

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Warum tragen Pinguine einen "Frack"?

Das piekfeine Schwarz-Weiß ist ein perfekter Tarnanzug im Wasser: Für kreisende Raubvögel ist die schwarze Rückenseite der Pinguine kaum von der dunklen Meeresoberfläche zu unterscheiden. Für Haie oder Seelöwen, die unter den Pinguinen schwimmen, hebt sich deren weißer Bauch kaum gegen den hellen Himmel über dem Meer ab.

Warum können Pinguine nicht fliegen?

Pinguine könnten fliegen, wenn sie es beim Anlauf auf ein Tempo von 400 Kilometer pro Stunde brächten. Dann würden ihre Stummelflügel sie tatsächlich in der Luft halten. Das aber schafft kein Pinguin! Ihre Vorfahren hingegen konnten noch fliegen, sie haben es aber spätestens vor 60 Millionen Jahren verlernt.

In ihrem Lebensraum zwischen Meer und Eis brauchen sie auch gar nicht abzuheben. Statt durch die Lüfte zischen Pinguine auf der Jagd nach Fischen durchs Wasser. Felsenpinguine flitzen dabei sogar mit bis zu 40 Kilometer pro Stunde durchs Meer.

Video: So trotzen Tiere der Kälte

Warum haben Pinguine keine Angst vor Menschen?

Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Zum einen sind Pinguine schrecklich neugierig. Und jene, die in der unbesiedelten Antarktis leben, haben auch noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Viele Antarktis-Reisende erzählen außerdem, die leicht kurzsichtigen Vögel hätten die Menschen schlicht für andere – etwas seltsame Pinguine – gehalten.

Warum haben Pinguine kalte Füße?

Mit warmen Füßen würden die Vögel zu viel kostbare Körperwärme an den eisigen Boden abgeben und am Eis kleben bleiben. Das Problem kennt jeder, der schon mal an einem Eiswürfel geleckt hat: Die warme Zunge lässt den Würfel anschmelzen, das Schmelzwasser gefriert wieder, die Zunge klebt am Eis fest. Bei eiskalten Pinguinfüßen kann das nicht passieren.

Brillenpinguin
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Brillenpinguin
Brillenpinguine sind eine der wenigen Pinguinarten, die auch Wärme mögen. Sie bewohnen die Küsten Südafrikas und Namibias.
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