Mancher Opi, manche Omi unter den Grönlandhaien bringt es tatsächlich auf rund 400 Jahre! Sie schwammen also schon durch die arktischen Gewässer, als in Europa der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) tobte. Und vielleicht auch schon, als William Shakespeare (1564–1616) seine Dramen und Komödien auf die Theaterbühnen brachte. Dennoch sind die „Oldies“ für viele Forscher große Unbekannte.
Was also wissen Wissenschaftler über die Geheimnisträger?
1: Wie der Grönlandhai aussieht
Beschrieben wurden Grönlandhaie zum ersten Mal im Jahr 1801. Und da die Meerestiere auch heutzutage immer wieder Fischern als Beifang ins Netz gehen, wissen wir: Ihr Körper gleicht einem Torpedo, ist im Durchschnitt vier bis fünf Meter lang und von einer graubraunen bis olivgrünen Haut umspannt. Die Flossen des Fisches sind verhältnismäßig klein.
2: Wo der Grönlandhai lebt
Vor allem im europäischen Nordmeer und im Nordpolarmeer, vor den Küsten von Grönland, Norwegen, der Inselgruppe Spitzbergen und vor Kanada. Der Grönlandhai mag es kühl, schwimmt am liebsten durch maximal zwölf Grad Celsius kaltes Wasser – und bevorzugt daher tiefere Regionen bis zu 2000 Meter unterhalb der Meeresoberfläche. Kein Wunder, dass Forscher oder Fischer nur sehr selten ein lebendiges Exemplar zu Gesicht bekommen.
3: Dass Grönlandhaie alt werden
Manche, wie gesagt, sogar jahrhundertealt. Das haben Forscher von der Universität Kopenhagen herausgefunden, indem sie 28 verendeten Grönlandhaien, die Fischern ins Netz gegangen waren, die Augenlinse entnahmen. Diese bildet sich bereits im Mutterleib und dient den Wissenschaftlern daher als eine Art Zeitkapsel.
Die Forscher untersuchten die Linse und wendeten dabei die sogenannte Radiokarbonmethode an. Dazu muss man wissen, dass alle Lebewesen, Tiere, Menschen und Pflanzen, ständig Kohlenstoff aufnehmen. Kohlenstoff gibt es in unterschiedlichen Formen, sogenannten Isotopen. Eines heißt etwa C-12, ein anderes C-14.
Stirbt ein Tier, nimmt es kein C-14 mehr auf – das im Körper gespeicherte zerfällt ab jetzt zu Stickstoff. C-12 bleibt dagegen erhalten. Die dänischen Wissenschaftler haben also untersucht, wie sich das Verhältnis aus C-14 zu C-12 im Linsenkern der toten Haie verändert hat – und schlossen daraus auf das ungefähre Alter der Fische.
4: Wie langsam die Haie leben
Und zwar in jeder Hinsicht. Um die Schwimmgeschwindigkeit der Haie zu ermitteln, statteten Forscher einige Tiere vor der Küste Spitzbergens mit Sendern aus. Die Messungen ergaben: Grönlandhaie ziehen im Zeitlupentempo durch die eisigen Gewässer und sparen auf diese Weise Energie. Meist schwimmen sie bloß mit einem guten Kilometer pro Stunde durch die Meere. Nur selten, etwa auf der Jagd, beschleunigen sie – auf Tempo 2,6…
Nicht umsonst bedeutet der lateinische Name somniosus übersetzt „der Träumende“ oder „Schlafende“. Überhaupt läuft der gesamte Organismus der Grönlandhaie auf Sparflamme: Sie wachsen nur ein, höchstens zwei Zentimeter pro Jahr und reifen spät: Mit rund anderthalb Jahrhunderten, also nach 150 Jahren, bekommt ein Weibchen erstmals Nachwuchs!
5: Dass sie Rekorde halten
Na gut: So manche Islandmuschel vergreist am Grund der Meere gut 500 Jahre lang. Tatsächlich aber ist der Grönlandhai das vermutlich weltälteste Wirbeltier. Er schlägt damit sogar den Grönlandwal, der lange Zeit als Rekordhalter galt – mit seinen 200 Jahren Höchstalter neben dem Grönlandhai jedoch geradezu jugendlich erscheint… Übrigens gilt: Je größer ein Grönlandhai, desto älter ist er.
Steckbrief: Der Grönlandhai
- Allgemein: Grönlandhaie, wissenschaftlich Somniosus microcephalus, werden nicht um- sonst auch Eishaie genannt: Sie leben vor allem in den kalten Gewässern des Nordatlantiks.
- Größe und Gewicht: Vier bis fünf Meter misst der torpedoförmige Körper der Grönlandhaie im Durchschnitt, mancher Oldie wächst auf bis zu acht Meter heran. Diese Riesen bringen dann auch mal 2,5 Tonnen auf die Waage.
- Nahrung: Tja, so ganz genau wissen Forscher noch nicht, was Grönlandhaie futtern. Untersuchungen des Mageninhalts verendeter Tiere zeigten, dass sie, obwohl sie wahnsinnig laaaaaaaangsam sind, Fische und Robben erbeuten. Selbst Knochen von Eisbären hatte ein Hai im Bauch. Vielleicht fressen die Räuber Kadaver am Meeresgrund – oder auch schlafende Tiere, die sie überraschen.