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Weimarer Republik 1932 Der Blutsonntag von Altona

Weder Rechts- noch Linksextreme akzeptieren die erste deutsche Demokratie, die aus der Revolution am Ende des Ersten Weltkriegs geboren worden ist. Der Kampf gegen die verhasste Weimarer Republik wütet auch in Hamburg und Altona
Hamburg Altona 1932

In den Gassen der Altonaer Altstadt – einer Hochburg der Arbeiterbewegung – kommt es am 17. Juli 1932 zu einer Straßenschlacht zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten (Polizeistreife am Tatort)

Es ist kurz nach 16 Uhr an diesem 17. Juli 1932, als eine braun uniformierte Kolonne die Altstadt Altonas erreicht, der zu Preußen gehörenden Nachbarkommune Hamburgs. Rund 7000 Mann der nationalsozialistischen „Sturmabteilung“ (SA) singen zum Klang ihrer Marschkapellen Kampflieder. In Altonas Altstadt wohnen vor allem Arbeiter; sozialistische Parolen und rote Fahnen säumen die Gassen. Eine rechtsradikale Demonstration ist hier eine Provokation. Als der Zug in die Kirchenstraße schwenkt, rufen knapp 20 bei einem Pissoir versammelte Kommunisten: „Heil Moskau!“ Und: „Nazi verrecke!“ Die Marschierenden lachen darüber nur.

Vereinzelt wirft jemand eine Flasche, einen Stein. Dann aber befiehlt ein SA-Führer seinen Männern, ihre eisenbesetzten Schulterriemen abzuschnallen und sich so kampfbereit zu machen. Kurz darauf rennen einige Dutzend Braunhemden los.

Als die Kommunisten fliehen, schlagen die SA-Männer mit ihren Riemen kurzerhand auf Unbeteiligte ein, greifen Passanten mit Bierflaschen und Messern an. Polizisten eilen herbei, geben Warnschüsse ab, jagen die Kämpfenden auseinander. Unbeeindruckt marschiert der Zug weiter, Gegendemonstranten formieren sich. Aus Parolen und Liedern werden wechselseitige Beschimpfungen, Wurfgeschosse fliegen.

Die Konfrontation eskaliert in einer Schießerei

Kurz vor 17 Uhr bricht an einer Kreuzung eine Schießerei zwischen den beiden Lagern aus. Zwei SA-Männer sacken tot zu Boden. Es dauert Minuten, bis die berittene Polizei heran ist, dicht gefolgt von Beamten zu Fuß – die nun blind in Richtung der kommunistischen Schützen feuern. Kugeln durchschlagen Fenster, Querschläger sirren durch Wohnungen und Straßen.

Polizisten dringen in Häuser ein, nehmen Verdächtige fest, schießen im Chaos zwei junge Frauen nieder; Jungkommunisten errichten eine Barrikade aus Kohlenwagen. Es ist zwar nur eine Straßenschlacht von vielen – denn der Reichstagswahlkampf des Sommers 1932 ist der blutigste der deutschen Geschichte: Fast täglich fallen die Gegner des jeweils anderen politischen Lagers mit Fäusten, Messern und Pistolen übereinander her. Und doch wird gerade dieser „Altonaer Blutsonntag“, wie man ihn später nennen wird, gravierende Folgen haben. Er wird den Feinden der Republik und des Föderalismus in Deutschland zum Vorwand dienen, das mächtige Preußen zu zerschlagen und damit den größten deutschen Teilstaat.

Der Sonntag in Altona wird so zum dramatischen Höhepunkt im Todeskampf der ersten deutschen Demokratie. Einer Republik, die zerrieben wird zwischen ihren Feinden von rechts und links außen. Deren Verteidiger zu wenige sind und zu unentschlossen. Die zwar ein goldenes Zeitalter der Freiheit markiert – aber es nie vermag, den Deutschen die Einsicht abzuringen, dass Politik aus Kompromissen besteht.

Im Geburtsland der Reformation und des philosophischen Idealismus erscheint solcher Pragmatismus allzu vielen irgendwie schäbig. Als Verrat. Umso mehr, als die Republik ohnehin den Makel trägt, Kind einer Niederlage zu sein.

Kommunisten kämpfen an diesem Sonntag gegen die SA-Schläger der Nationalsozialisten

Altona 1932

Altonaer Jungkommunisten. Während des Reichstagswahlkampfs im Sommer 1932 eskaliert die Gewalt zwischen links und rechts, vor allem an arbeitsfreien Sonntagen

Als der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Philipp Scheidemann am 9. November 1918 auf einen Balkon des Reichstags in Berlin tritt, um die Republik auszurufen, liegen mehr als vier Jahre Krieg hinter den Deutschen – und der ist nun verloren. Die Besatzungen der Kriegsschiffe in Wilhelmshaven und Kiel meutern, überall im Land rebellieren die Arbeiter. Die Heeresleitung hat aufgegeben, der Kaiser flieht. Die vordem so stolze Nation ist gedemütigt. Auch in Hamburg fallen Schüsse. In den ersten Novembertagen entwaffnen Matrosen die Besatzungen der im Hafen liegenden Torpedoboote. Arbeiter solidarisieren sich mit den Soldaten. Der Elbtunnel, der die Arbeiterviertel der Stadt mit den Werften in Steinwerder verbindet, wird besetzt, der Hauptbahnhof, sogar das Rathaus.

Eine Versammlung im Gewerkschaftshaus beschließt einen Forderungskatalog, der von sofortigem Frieden und echter Demokratie bis zur Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter ab dem 21. Geburtstag reicht. Es kommt zu Massenkundgebungen der Arbeiterschaft auf dem Heiligengeistfeld. Senat und Bürgerschaft erklären sich offiziell bereit, der „neuen Zeit“ zu dienen. Ein Arbeiter- und Soldatenrat verhängt ein Ausgangsverbot ab 18 Uhr, aus Furcht vor Schießereien. Die Wahrung der öffentlichen Ordnung ist für alle Beteiligten oberstes Gebot. In Berlin tritt Philipp Scheidemann am 9. November vor die Menge, um nach vorn zu blicken. „Das Morsche“ sei vergangen, ruft er der Monarchie hinterher. Und proklamiert: "Es lebe die deutsche Republik!"

Das Fanal eines neuen Anfangs

Es ist das Fanal eines neuen Anfangs – und eine Absage an die extreme Linke, die eine bolschewistische Revolution entfachen will: Im entscheidenden Moment spricht sich die größte Arbeiterpartei nicht für eine „Diktatur des Proletariats“ aus, sondern für die parlamentarische Demokratie. Und als radikale Linke kurz darauf versuchen, ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen, schlagen SPD und Militär den Putschversuch gemeinsam nieder. So können die Deutschen am 19. Januar 1919 eine verfassunggebende Nationalversammlung wählen. Drei Viertel stimmen für die SPD, das katholische Zentrum oder die linksliberale DDP – entschiedene Verfechter des Parlamentarismus.

Da Berlin unruhig bleibt, tritt die Versammlung im beschaulichen Weimar zusammen. Von der Stadt Goethes wird die Demokratie den Beinamen erhalten: „Weimarer Republik“. Noch im Sommer 1919 verabschieden die Abgeordneten in Weimar die neue Verfassung. Alle Seiten haben Kompromisse machen müssen: Der Linken gehen Sozialfürsorge und Arbeiterrechte nicht weit genug, den Wirtschaftsvertretern hingegen zu weit.

Die Klerikalen wünschen sich mehr Privilegien für die Kirchen, die Säkularen weniger. Skeptiker erinnert die starke Position des Reichspräsidenten an einen „Kaiserersatz“ – Konservative empören sich, dass mit dem Amtsinhaber Friedrich Ebert ein früherer Sattler dem Kaiser nachfolgt. Als die Republik am 14. August August 1919 endgültig ins Leben tritt, löst sie kaum Begeisterung aus. Die demokratische Euphorie ist verflogen.

Stattdessen erwachen die Anhänger der alten Ordnung aus ihrer Lähmung durch Niederlage und Revolution. Paul von Hindenburg, im Krieg Chef der Obersten Heeresleitung, setzt den (unwahren) Mythos in Umlauf, die Armee sei „im Felde unbesiegt“ geblieben – vielmehr von der Revolution, aus der Heimat rücklings „erdolcht“ worden. Viele wollen diese Dolchstoßlegende glauben. Das perfide Schmähwort von den „Novemberverbrechern“ bürgert sich auf der politischen Rechten ein.

Dort finden sich kaisertreue Beamte und antisemitische Studenten, konservative Großgrundbesitzer, deklassierte Adelige, kleinbürgerliche Sozialistenhasser, völkische Sektierer und paramilitärische Abenteurer, die wenig gemein haben – außer ihrer Verachtung für die „undeutsche“ Demokratie und Erbitterung über den „Schandfrieden“ von Versailles. Auf der anderen Seite treiben bald große wirtschaftliche Not und Enttäuschung über die ausgebliebenen Enteignungen Arbeiter in Scharen nach links,
wird die KPD zur Massenpartei.

Wie ein zunächst mildes, dann immer heftigeres Fieber ergreift Inflation die Wirtschaft: Angesichts gigantischer Kriegsschulden und hoher Sozialausgaben druckt die Reichsbank immer neues Geld. Hinzu kommen die Reparationslasten – der Wert der Mark fällt ins Bodenlose. Die Radikalisierung entlädt sich in Arbeiteraufständen, Straßenkämpfen, politischen Morden.

Die Republik am Abgrund

1923 steht die Republik am Abgrund. Franzosen und Belgier besetzen wegen ausstehender Wiedergutmachungen das Ruhrgebiet. Der Preis für einen Laib Brot steigt auf 274 000, später auf drei Millionen Mark. In Thüringen und Sachsen unterdrückt die Armee Arbeiterrevolten. In Hamburg greifen Kommunisten aus dem Kreis um Ernst Thälmann am 23. Oktober mehrere Polizeiwachen im Stadtgebiet gleichzeitig an: Im Chaos der Hyperinflation will die KPD die Macht an sich reißen. Aber bereits am Tag darauf scheitert der Versuch durch den entschlossenen Einsatz der Sicherheitskräfte.

24 Kommunisten, 17 Polizisten und 61 Passanten kommen dabei um. In München probt Adolf Hitler, der Parteiführer der Nationalsozialisten, am 8./9. November einen Umsturz – kann aber gestoppt werden. Der Dollar kostet da bereits rund 630 Milliarden Mark. Und doch gelingt der Regierung die Wende. Geführt von Gustav Stresemann, einem bürgerlichen „Vernunftrepublikaner“, der die Demokratie nicht wirklich liebt, aber zu ihr keine Alternative sieht, wirft sie alle Aufrührer blutig nieder. Das Kabinett sucht einen Ausgleich mit den Alliierten, begegnet der Inflation mit einer Währungsreform und einem Sparkurs. Ab 1924 zieht die Wirtschaft an. Die Sieger mäßigen ihre  Forderungen. Die Extreme verlieren an Zustimmung. Die Republik hat sich durchgepaukt. Aber nur vordergründig.

Linke und Rechte stehen sich in den 20er-Jahren unversöhnlich gegenüber

Denn die Parteien der Mitte stellen nach 1919 nie wieder die Mehrheit. Auch während der zweiten, „goldenen“ Hälfte der 1920er Jahre prägen linke und rechte Rebellen das unversöhnliche Klima. Beide geißeln Kapitalismus und Ausbeutung.

Beide verabscheuen die aus den USA kommende Massenunterhaltung, beide sind von Herzen autoritär. Sie lieben Uniformen, glauben inbrünstig, dass ihr Sieg Freiheit und Gerechtigkeit bringen werde. Treffen sich im Hass auf die Republik. Und da sie Kompromisse zum Verrat erklären, machen sie stabile Mehrheiten nahezu unmöglich. Vor allem das nationale Bürgertum fühlt sich vom Vordringen der „Yankee-Zivilisation“ bedroht. Von „kulturbolschewistischem Schmutz und Schund“, von emanzipierten Arbeitern und ungebundenen Frauen.

Mancher Patriarch sehnt sich nach einem Staat, der autoritär für „Ordnung“ sorgt. Auch deshalb wird bereits 1925 der Weltkriegsmarschall Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt. Im Oktober 1929 kollabieren die Börsenkurse in New York. Panisch ziehen US-Banken Kapital aus dem Ausland ab. Auch aus Deutschland – dessen fragile Wirtschaft binnen Monaten einbricht.

Paul von Hindenburg wird zur Schlüsselfigur

In der nun folgenden Krise wird Paul von Hindenburg zur Schlüsselfigur. Denn die Verfassung gibt dem Reichspräsidenten das Recht, im Fall einer Gefahr mit dem Kabinett zeitweilig am Reichstag vorbeizuregieren. Hindenburg ernennt Heinrich Brüning von der katholischen Zentrumspartei zum Kanzler ohne Mehrheit und ermöglicht mit „Notverordnungen“ eine Sparpolitik, um den Staatshaushalt zu stabilisieren.

Beamtengehälter, Renten, Pensionen und Sozialleistungen werden gekürzt, Abgaben erhöht, Steuern erhoben. Statt den Fall der Wirtschaft mit Mehrausgaben abzubremsen, wollen es Brüning und Hindenburg mit niedrigen Löhnen richten. Millionen stürzen in Arbeitslosigkeit und Elend. Bei Neuwahlen am 14. September 1930 wird Hitlers NSDAP mit 18,3 Prozent zweitstärkste Partei. Auch die KPD gewinnt hinzu. Alle anderen Parteien verlieren Wähler. Noch fast zwei Jahre kann Brüning seine Sparpolitik fortsetzen. Längst hat Deutschland keine parlamentarisch legitimierte Regierung mehr, sondern ein Kabinett von Hindenburgs Gnaden, das die wachsende Not im Land in Kauf nimmt – vor allem, um den Alliierten mit der Drohung eines völligen wirtschaftlichen Zusammenbruchs einen umfassenden Reparationsverzicht abzutrotzen. Derweil setzen immer mehr Menschen ihre letzte Hoffnung auf die Radikalen.

Es sind Kaufleute, Bauern und Handwerker, die ihre Betriebe verloren haben; Beamte, denen die bürgerliche Existenz weggebrochen ist; Arbeitslose, deren Familien mit einer Handvoll Kartoffeln, ein paar Scheiben Brot am Tag auskommen müssen und nun in „Laubenkolonien“ siedeln – Slums am Stadtrand.

Auf den Straßen herrscht massive politische Gewalt

Im Mai 1932 sieht sich Brüning kurz vor dem Ziel. Doch als er auch verschuldeten Großgrundbesitzern die staatliche Unterstützung streichen will, lässt Hindenburg den Reichskanzler fallen und hebt dessen Parteikollegen Franz von Papen ins Amt. Inzwischen herrscht auf den Straßen massive politische Gewalt, terrorisieren kommunistische und SA-Schlägertrupps das Land, verüben Attentate.

Im Wahlkampf des Sommers eskaliert das Chaos weiter. In der ersten Junihälfte kommen in Preußen bei politisch motivierten Scharmützeln drei Menschen um, im Monat darauf steigt die Zahl der Toten bei Demonstrationen und Straßenschlachten fast um das Dreißigfache. Besonders gefährlich sind die Sonntage, an denen die Deutschen frei haben, sich die politischen Gruppierungen in ihren Lokalen treffen und in Rage reden. Für den 17. Juli 1932 hat der zuständige preußische Regierungsbeamte daher fast alle Demonstrationen verboten. Mit einer Ausnahme: dem Aufmarsch der NSDAP in Altona, der Arbeiterhochburg westlich von Hamburg.

Die Gewalt des neuen Regimes

Altona 1932

In einem Schauprozess des NS-Regimes werden vier Arbeiter wegen der Kämpfe am »Altonaer Blutsonntag« zum Tode verurteilt und am 1. August 1933 hingerichtet

Altona, 17. Juli 1932, 18 Uhr. Die Straßenschlachtzwischen Nationalsozialisten und Kommunisten droht sich in der Altstadt festzufressen. Arbeiter haben sich hinter Barrikaden verschanzt. Die Polizei ruft nach Verstärkung aus Hamburg. Als die schließlich anrückt, treiben die Beamten Demonstranten und Anwohner mit Dauerfeuer aus den Straßen, setzen am Ende sogar Panzerwagen ein. Erst nach 20 Uhr klingen die Kämpfe ab. 18 Menschen sind tot, fast 300 verwundet, darunter viele Unbeteiligte, meist getroffen durch verirrte Kugeln.

Drei Tage später nimmt der neue Reichskanzler von Papen die Auseinandersetzungen zum Anlass, sich des größten deutschen Teilstaats zu bemächtigen: Per Notverordnung setzt er am 20. Juli die preußische Regierung unter dem Sozialdemokraten Otto Braun ab und übernimmt ihre Aufgaben selbst. Der deutsche Föderalismus wie die Demokratie sind nun in größter Gefahr.

Das Wahlergebnis vom 31. Juli 1932 trifft die Republik noch härter. Während die Kommunisten leicht gewinnen, Liberale, Sozialdemokraten und Konservative verlieren, wird die NSDAP mit 37,4 Prozent stärkste Partei. Mehr als ein Drittel der Deutschen macht also nicht etwa die SA für die Kämpfe verantwortlich, sondern den zerrissenen Parteienstaat. Hitler aber verspricht, diese Parteien „aus Deutschland hinauszufegen“. Auch Hindenburg ist der parlamentarischen Demokratie überdrüssig. Als Reichskanzler indes kommt Hitler nicht infrage: Der Mann erscheint ihm so ordinär und revoluzzerhaft wie die verhassten Linken. Also ordnet der Reichspräsident abermals Neuwahlen an.

Die NSDAP verliert am 6. November zwar Stimmen, unter anderem an die KPD. Gerade das aber gibt in den konservativen Eliten den Ausschlag dafür, es nun doch mit Hitler zu versuchen. Sie überzeugen den zögernden Reichspräsidenten davon, dass sie den unheimlichen Mann schon werden „einrahmen“ können. Am 30. Januar 1933 vereidigt Hindenburg Hitler als Reichskanzler. Damit ist die erste deutsche Demokratie am Ende. Denn nun verlagert sich die offene Gewalt von der Straße in die Zentralen der Macht. Zuerst wird die Barbarei der Nationalsozialisten Kommunisten, Republikaner und andere Oppositionelle treffen. Bald darauf auch bekennende Christen, Homosexuelle, Behinderte und weitere Minderheiten.

Vor allem aber richtet sich der rassistische Vernichtungswahn der neuen Machthaber gegen Juden. Sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens werden von Nationalsozialisten und ihren Handlangern in den kommenden Jahren ermordet.

Ab 1939 stürzt ein deutscher Angriffskrieg, begonnen mit dem Überfall auf Polen, den europäischen Kontinent in den Abgrund und ergreift fast die ganze Welt, fordert millionenfache Opfer – um schließlich, als sich die Kräfteverhältnisse zu den Alliierten wenden, mit voller Wucht auf Deutschland zurückzuschlagen. Auch auf Hamburg.

Das rote Altona bekommt die Gewalt des neuen Regimes bereits im Sommer 1933 zu spüren. In einem Schauprozess verurteilen die Richter vier Arbeiter wegen angeblicher Verbrechen während des Blutsonntags zum Tode. Das Urteil wird am 1. August 1933 vollstreckt. 1937 verfügen die Nationalsozialisten mit dem sogenannten Groß-Hamburg-Gesetz, dass die preußischen Städte Altona und Wandsbek sowie zahlreiche weitere Nachbargemeinden fortan ein Teil Hamburgs sind. Und damit endet Altonas Selbstständigkeit.

GEO EPOCHE Kollektion Nr. 15 - Hamburg
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