Tierlexikon Fetzenfisch

Dieses zerrupfte Wesen ist ein Fisch. Ein fetziger Fisch! Ein Fetzenfisch eben. Und er sieht nicht umsonst so fetzig aus
Fetzenfisch

Ganz schön fetzig: der Fetzenfisch

Wie Blätter hängen ihm die Lappen vom Leib, vorn, hinten, an den Seiten – überall wuchert das Gestrüpp. Ein Meereszottel, der nach vielem aussieht, nur nicht nach einem Tier. Und genau das ist der Trick! Die "Blätter" sind die Tarnung des Fetzenfischs, der im türkisblauen Ozean vor der Küste Süd- und Westaustraliens lebt.

Der Fetzenfisch

Fetzenfische sind untereinander ausgesprochen friedfertig und leben als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen mit höchstens fünf weiteren Artgenossen zusammen. Auf der Jagd kommt ihm sein fetziges Aussehen aber zu Gute: Schummelt sich der Fetzenfisch dort ins "Gebüsch" oder schaukelt er im Rhythmus des Seegrases um sich herum, entdeckt ihn keiner mehr! Nicht zuletzt, weil er sich auch farblich an seinen Lebensraum angepasst hat: Exemplare in seichteren Gewässern sind grünoder gelblich, in tieferen Regionen dunkelbraun bis dunkelrot. So ist der Fetzenfisch überall perfekt versteckt!

Seine Lieblingsleckerbissen, kleine Krebse, Fischlarven, Schwebegarnelen und Plankton, treiben ihm direkt vors Fischmaul, das an die Nase von Pinocchio erinnert und wie ein Staubsauger funktioniert: Dümpelt ein Happen heran, saugt der Fetzenfisch die Beute flugs in seinen zahnlosen Schnabel und verschlingt ihn.

Biologen nennen die Tarn-Taktik des Fetzenfisches Mimese. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt Nachahmung.

 

Fetzenfisch

Der Fetzenfisch ist vom Aussterben bedroht

Dennoch steht der Große Fetzenfisch auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Vor allem, weil sein ohnehin kleiner Lebensraum schrumpft. Durch Abwasser, das Menschen ins Meer leiten, ändert sich etwa die Chemie des Ozeans. Zudem lagern sich die im Abwasser enthaltenen winzigen Partikel wie eine Staubschicht auf den Seegraswiesen ab und ersticken dadurch das Wachstum der Pflanzen. Für den Fetzenfisch geht damit seine Schutzzone verloren. Nicht zuletzt geraten die Tiere als Beifang in die Schleppnetze der Fischer. Wie viele Große Fetzenfische es heutzutage noch gibt – das kann niemand so genau sagen. Oder auch nur schätzen.

Allgemeines zum Fetzenfisch

Man unterscheidet zwei Arten: den Großen und den Kleinen Fetzenfisch. Beide gehören zur Familie der Seenadeln und sind mit den Seepferdchen verwandt. Große Fetzenfische, wissenschaftlich Phycodurus eques, kommen ausschließlich vor der australischen West- und Südküste vor, in Tiefen von drei bis 50 Meter. Häufig leben die Tiere in der Nähe von Riffen, Seegraswiesen, Tangund Kelpwäldern.

Grösse des Fetzenfischs

Unlogisch, aber wahr: Der Große Fetzenfisch ist mit seinen rund 35 Zentimeter Länge kleiner als der Kleine Fetzenfisch. Dieser misst bis zu 45 Zentimeter. Tiere, die nahe der Küste leben, sind in der Regel kleiner als jene in den tieferen Meeresregionen.

Nachwuchs beim Fetzenfisch

Fetzenfische paaren sich im Winter. Die Männchen haben dann einen leuchtend gelben Schwanz, auf dem die Weibchen 250 bis 300 Eier ablegen. Die Männchen brüten dann die Eier aus und nach etwa acht Wochen schlüpfen die Jung-Fetzenfische – Schwanz voran. Schon nach wenigen Stunden können sie selbstständig schwimmen.

Steckbrief: Fetzenfisch

  • Name: Fetzenfisch
  • Wissenschaftlicher Name: Phycodurus eques
  • Größe: 35 bis 45 Zentimeter Länge
  • Gewicht: wenige Gramm
  • Lebenserwartung: drei bis sechs Jahre
  • Lebensraum: australische West- und Südküste
  • Ernährung: Plankton, Kleinkrebse und Garnelen
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