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Hallo Himmel Das steckt hinter der Morgendämmerung

Hallo Himmel: Das steckt hinter der Morgendämmerung
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Seit dem astronomischen Frühlingsbeginn am 21. März wird es morgens immer früher hell. Warum ist das so? Und was steckt hinter dem Morgengrauen – der Zeit zwischen Tag und Nacht, in der es noch nicht so richtig hell ist?

Unsere GEOlino.de-Rubrik „Hallo Himmel“ entsteht in Zusammenarbeit mit dem Planetarium Hamburg. Hier erklärt euch die Astrophysikerin Dr. Mariana Wagner vom Sternentheater jeden Monat ein aktuelles Himmelsphänomen zum Beobachten, Staunen und Weitererzählen.

Im Osten geht die Sonne auf

Die Erde dreht sich innerhalb von 24 Stunden von Westen nach Osten um ihre geneigte Achse. Aufgrund dieser Drehrichtung geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter. Dabei ist die Seite unseres Planeten, die der Sonne zugewandt ist, die Tagseite. Denn hier ist es hell. Auf der anderen Seite, die der Sonne abgewandt ist, ist Nacht. 

Was ist die Dämmerung?

Die Dämmerung markiert den Übergang zwischen Tag und Nacht. Früh morgens erleben wir die Morgendämmerung oder das Morgengrauen und gegen Abend, ist ja klar, die Abenddämmerung. Zu diesen Zeitpunkten erhellt die Sonne den Himmel, obwohl sie sich unterhalb des Horizonts befindet. Ihre Strahlen werden aber noch (abends) oder schon (morgens) von der Erdatmosphäre reflektiert. Darum ist es halbwegs hell – also dämmrig. 

Die drei Phasen der Dämmerung

Bis zum Sonnenaufgang, wenn die Sonne über den Horizont gestiegen ist, durchläuft die Dämmerung drei Phasen – abends andersherum. Fachleute unterscheiden nach Grad der Dunkelheit in:

Astronomische Dämmerung:

Die Sonne steht 18 bis 12 Grad unter dem Horizont und wir können die meisten Sterne noch gut erkennen. Mit bloßem Auge lässt sich diese Phase eigentlich nicht von der Nacht unterscheiden. Einzig die Astronominnen und Astronomen werden ein wenig gestört, wenn sie zum Beispiel lichtschwache Himmelskörper beobachten und nicht mehr richtig erkennen können. Daher kommt auch der Name astronomische Dämmerung.

Nautische Dämmerung:

Dieser Begriff stammt aus der Seefahrt. Denn Nautik heißt nichts anderes als Schifffahrtskunde. Zur nautischen Dämmerung befindet sich die Sonne 12 bis 6 Grad unter dem Horizont. Bei guten Sichtverhältnissen erkennen Seefahrende nun den Horizont und die helleren Sterne und Planeten. Mit Hilfe eines bestimmten Geräts können sie ihre Position auf See bestimmen, indem sie die Höhe der Himmelskörper über dem Horizont messen.

Übrigens: Wohnt ihr im Norden Deutschlands, zum Beispiel in Hamburg, gibt es im Mai, Juni und Juli Nächte, in denen die nautische Abenddämmerung direkt in die nautische Morgendämmerung übergeht. Dann kommt es gar nicht zur astronomischen Dämmerung!

Die bürgerliche Dämmerung:

Zur bürgerlichen Dämmerung befindet sich die Sonne weniger als 6 Grad unter dem Horizont. Jetzt brauchen wir kein künstliches Licht mehr, um den Weg zu erkennen, oder ein Straßenschild zu lesen. Wir „Bürgerinnen und Bürger“ können unseren Tag beginnen.  Die bürgerliche Dämmerung endet mit dem Sonnenaufgang, bei dem die Sonne über den Horizont tritt. Zum Vergleich: Im Mai erleben wir die bürgerliche Dämmerung gegen fünf Uhr morgens, Ende Dezember ist es erst um halb neun soweit. 

Geneigt um die Sonne

Die Sonne gestaltet nicht nur unseren Tag, sondern auch die Jahreszeiten. Dabei spielt vor allem die Neigung der Erdachse eine besondere Rolle. Seit dem Frühlingsbeginn am 21. März, als Tag und Nacht genau gleich lang waren, ist die Nordhälfte der Erde von Tag zu Tag stärker zur Sonne ausgerichtet. Es wird langsam wärmer und die hellen Stunden des Tages nehmen zu. So beginnt auch die Morgendämmerung immer früher – die Abenddämmerung später.

Dabei ist ihr Verlauf umso ausgeprägter, je weiter wir vom Äquator entfernt sind. An den Polen dauert die Dämmerung sogar mehrere Wochen. Im Sommer wird es während des sogenannten Polartages dort nie ganz dunkel und im Winter während der Polarnacht nicht hell. Stellt euch mal vor, wie das ist: Ein halbes Jahr Sommer und ein halbes Jahr Winter! 

Und auch am Äquator herrschen besondere Spielregeln. Denn hier verläuft die Sonnenbahn fast senkrecht zum Horizont. Es gibt fast keine Dämmerung und die Sonne steht jeden Tag fast gleich lang am Himmel – hier herrscht also ein nie enden wollender Sommer.  

Schon gewusst?

Wenn ihr die Sonne anschaut, während sie grade am Horizont verschwindet, ist sie in Wirklichkeit bereits untergegangen. Das liegt daran, dass die Lichtstrahlen und damit das Bild der Sonne durch die vielen Atmosphärenschichten gebrochen werden und nach unten – also in Richtung zur Erdoberfläche – abgelenkt werden. 

Neugierig auf mehr? In der GEOlino.de-Rubrik „Hallo Kosmos“ klärt Dr. Mariana Wagner alle Fragen rund um Planeten, Monde, Sterne und Galaxien.


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