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54 internationale Forscher um die Fahrtleiterin Antje Boetius vom Alfred-Wegener-Institut erforschen an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern im August und September, was unter dem nicht mehr ewigen Eis der Arktis lebt, treibt und fließt. Biologie, Chemie und Physik des Arktischen Ozeans verändern sich im Zuge im des Klimawandels drastisch. Aber wie wirken diese Faktoren zusammen und welche Prozesse stecken dahinter? Dazu steuern Forscher ein- und mehrjährige Eisschollen sowie offenes Wasser an. Sie wollen diese drei Ökosysteme vergleichen und die Auswirkungen des Meereisrückgangs auf das ganze Ozeansystem bis in die Tiefsee verfolgen.
Ende der Expedition IceArc - Wir sind eingelaufen! (Von Antje Beotius)
Wir sind angekommen - 7:00 in der Früh, Polarstern hat festgemacht an der Pier der Lloyd Werft in Bremerhaven, gegenüber dem AWI Hafenlager. Der Transit zurück ging schneller um als gedacht.
Lebens- und Forschungsraum Meereis
Fünf Tage haben wir gebraucht, von Absetzen des Hoverkraft RH Sabvabaa im Kongsfjord, entlang der spektakulären Szenerie der steilen Berge von Svalbard (Spitzbergen) in der Framstrasse, durch das Europäische Nordmeer an Norwegen vorbei, in die Deutsche Bucht hinein und die Weser hinauf. Ein Rückenwind hat uns angeschoben und die zunehmenden Wellenhöhen fühlten sich gar nicht so schlimm an. Nur einen Tag hat es wegen eines Sturms vor Island merklich geschaukelt, doch inzwischen sind alle an die Schiffsbewegungen gewöhnt.
Foto: Stefan Hendricks, AWI Zum Abschied vom Eis - Eisbären begleiten uns hinaus
Nun haben die 53 Wissenschaftler und Techniker der Expedition IceArc aus 12 verschiedenen Länder, die vor 9 Wochen in Tromso eingestiegen sind, wieder ihre insgesamt 23 Labore und Laborcontainer eingepackt und gesäubert, Hunderte von Kisten in ihre 7 20-Fuß Container eingeladen - alles mit freundlich-eiliger Unterstützung der Mannschaft, die sich mindestens genauso wie wir auf Zuhause freut. Nach über drei Jahren Planung und Vorbereitung und knapp 2 Monaten im Eis ist die Expedition IceArc beendet. 8775 Seemeilen sind wir gedampft, teilte uns der Kapitän bei der Abschlussbesprechung im Konferenzraum der Polarstern mit und wir staunen.
Foto: Martin Schiller Spitzbergen in der Abendsonne
Aber wie unsere erfahrenen Techniker sagen: Nach der Expedition ist vor der Expedition - denn schon wieder werden neue Pläne geschmiedet, was nun als nächstes erforscht werden muss, wo wir soviel Neues gesehen und gelernt haben.
Foto: Carmen David Das stürmische Nordmeer
Eines unserer wichtigsten Ziele war, mehr über die Bedeutung des Meereisrückgangs für das Ökosystem der zentralen Arktis herauszufinden. Das Eis ist ein Lebensraum der Erde, der uns fremd und extrem erscheint, der aber eine unglaubliche Vielfalt von Gesichtern hat und eine noch unglaublichere Vielfalt von Leben beherbergt oder ernährt. Während wir mit Polarstern im Eis waren, um einige der ersten synchronen Messungen zum Wechselspiel Eis-Ozean-Meeresboden durchzuführen, ist das Meereis auf die kleinste Fläche seit Beginn der Satellitenbeobachtung zusammengeschrumpft. Es waren nur eine Hand voll Forschungsschiffe im Eis, um wie wir herauszufinden, was dieses schnelle Schwinden für Konsequenzen haben wird und was die Ursachen sind. Wann überhaupt wieder jemand mit einer Fotokamera in der Tiefsee der zentralen Arktis nachschaut, ob die Seegurken immer noch Meereisalgen fressen, ist noch gar nicht klar - internationale Programme beschäftigen sich noch immer vor allem mit der Frage, ob der schnelle Meereisschwund zunimmt, weniger, mit der Frage was wenn ja.
Foto: Stefan Hendricks, AWI Unsere Forschungsplattform Polarstern hat sich wieder einmal bewährt
Die Änderungen geschehen derzeit also schneller als wir forschen können. Da man nicht in die Zukunft sehen kann, ist aber auch nicht klar, wie zukünftige Generationen Forscher und andere Interessierte auf unsere Zeit und Forschungsergebnisse zurückblicken. Sind einige der Beobachtungen vielleicht die einzigen, die von der „alten" Arktis gemacht wurden, bevor sie sich ganz verändert? Haben wir genug gemessen, geprobt, gefilmt und nachgedacht, über was wir sehen?
Mit diesen Fragen endet der BLOG unserer Reise - wir, die Expeditionsteilnehmer der Polarsternreise ARK27-3 „IceArc" bedanken uns für Ihr Interesse an unseren Erlebnissen und Bildern.
Auf Wiederlesen!
Antje Boetius und das wissenschaftliche Team der Expedition IceArc.
4. Oktober 2012
Lebens- und Forschungsraum MeereisFünf Tage haben wir gebraucht, von Absetzen des Hoverkraft RH Sabvabaa im Kongsfjord, entlang der spektakulären Szenerie der steilen Berge von Svalbard (Spitzbergen) in der Framstrasse, durch das Europäische Nordmeer an Norwegen vorbei, in die Deutsche Bucht hinein und die Weser hinauf. Ein Rückenwind hat uns angeschoben und die zunehmenden Wellenhöhen fühlten sich gar nicht so schlimm an. Nur einen Tag hat es wegen eines Sturms vor Island merklich geschaukelt, doch inzwischen sind alle an die Schiffsbewegungen gewöhnt.
Foto: Stefan Hendricks, AWI Zum Abschied vom Eis - Eisbären begleiten uns hinausNun haben die 53 Wissenschaftler und Techniker der Expedition IceArc aus 12 verschiedenen Länder, die vor 9 Wochen in Tromso eingestiegen sind, wieder ihre insgesamt 23 Labore und Laborcontainer eingepackt und gesäubert, Hunderte von Kisten in ihre 7 20-Fuß Container eingeladen - alles mit freundlich-eiliger Unterstützung der Mannschaft, die sich mindestens genauso wie wir auf Zuhause freut. Nach über drei Jahren Planung und Vorbereitung und knapp 2 Monaten im Eis ist die Expedition IceArc beendet. 8775 Seemeilen sind wir gedampft, teilte uns der Kapitän bei der Abschlussbesprechung im Konferenzraum der Polarstern mit und wir staunen.
Foto: Martin Schiller Spitzbergen in der AbendsonneAber wie unsere erfahrenen Techniker sagen: Nach der Expedition ist vor der Expedition - denn schon wieder werden neue Pläne geschmiedet, was nun als nächstes erforscht werden muss, wo wir soviel Neues gesehen und gelernt haben.
Eines unserer wichtigsten Ziele war, mehr über die Bedeutung des Meereisrückgangs für das Ökosystem der zentralen Arktis herauszufinden. Das Eis ist ein Lebensraum der Erde, der uns fremd und extrem erscheint, der aber eine unglaubliche Vielfalt von Gesichtern hat und eine noch unglaublichere Vielfalt von Leben beherbergt oder ernährt. Während wir mit Polarstern im Eis waren, um einige der ersten synchronen Messungen zum Wechselspiel Eis-Ozean-Meeresboden durchzuführen, ist das Meereis auf die kleinste Fläche seit Beginn der Satellitenbeobachtung zusammengeschrumpft. Es waren nur eine Hand voll Forschungsschiffe im Eis, um wie wir herauszufinden, was dieses schnelle Schwinden für Konsequenzen haben wird und was die Ursachen sind. Wann überhaupt wieder jemand mit einer Fotokamera in der Tiefsee der zentralen Arktis nachschaut, ob die Seegurken immer noch Meereisalgen fressen, ist noch gar nicht klar - internationale Programme beschäftigen sich noch immer vor allem mit der Frage, ob der schnelle Meereisschwund zunimmt, weniger, mit der Frage was wenn ja.
Foto: Stefan Hendricks, AWI Unsere Forschungsplattform Polarstern hat sich wieder einmal bewährtDie Änderungen geschehen derzeit also schneller als wir forschen können. Da man nicht in die Zukunft sehen kann, ist aber auch nicht klar, wie zukünftige Generationen Forscher und andere Interessierte auf unsere Zeit und Forschungsergebnisse zurückblicken. Sind einige der Beobachtungen vielleicht die einzigen, die von der „alten" Arktis gemacht wurden, bevor sie sich ganz verändert? Haben wir genug gemessen, geprobt, gefilmt und nachgedacht, über was wir sehen?
Mit diesen Fragen endet der BLOG unserer Reise - wir, die Expeditionsteilnehmer der Polarsternreise ARK27-3 „IceArc" bedanken uns für Ihr Interesse an unseren Erlebnissen und Bildern.
Auf Wiederlesen!
Antje Boetius und das wissenschaftliche Team der Expedition IceArc.
Schwierige Eisbedingungen bei 83° 43’N - FS Polarstern nimmt das polare Forschungs-Hovercraft RH Sabvabaa Huckepack
(Antje Boetius im Gespräch mit Yngve Kristoffersen, Professor, Nansen Environmental and Remote Sensing Center)
Nach Beendigung unserer Stationsarbeiten bei 84°N und 18°O am Ende des 29.09. sollten wir uns eigentlich auf dem Heimweg nach Bremerhaven machen. Doch es hat uns eine Bitte des Polarforschers Yngve Kristoffersen erreicht, der zeitgleich westlich von uns auf Forschungsexpedition mit dem Luftkissenboot RH Sabvabaa war, ihm Hilfe bei der Rückkehr nach Spitzbergen zu leisten. Im Juli standen wir zuletzt mit ihm in Kontakt, um uns gegenseitig über unsere Routen zu informieren. Neben der FS Polarstern waren in diesem Sommer noch die Eisbrecher Oden (Schweden), Healy (USA) und der chinesische Eisbrecher Xuelong unterwegs. Und eben auch Yngve Kristoffersen auf Sabvabaa im Rahmen der Mission FRAM 2012. Fram ist norwegisch und heißt “Hoffnung” – Sabvabaa, der Name des Hovercraft, ist dagegen Inuit und bedeutet "sanft fließen".
S. Hendricks Wir nähern uns der Position der Sabvabaa, das Boot ist sofort gut zu sehen, als es die Scheinwerfer anmacht
weiterlesen
S. Hendricks Wir nähern uns der Position der Sabvabaa, das Boot ist sofort gut zu sehen, als es die Scheinwerfer anmachtVon Eis Morganas und anderen flüchtigen Erscheinungen - Ausflug auf eine Scholle
(Eva Kirschenmann, Studentin am Fachbereich Geowissenschaften, Universität Bremen)
In der letzten Woche haben wir viele nautische Meilen zurückgelegt. Unser Zeitplan ist eng, vor unserer Rückkehr nach Bremerhaven wollen wir nochmal zu der Eisscholle zurück, mit der diese Fahrt angefangen hatte. Hier müssen wir zum einen die Langzeitmessgeräte wieder einholen, die wir vor 9 Wochen ausgebracht hatten. Zum anderen sind wir an Wiederholungsmessungen interessiert, die uns einen Vergleich zwischen dem Schollenzustand im arktischen Hochsommer zum jetzigen Herbstanfang ermöglichen.
In der letzten Woche haben wir viele nautische Meilen zurückgelegt. Unser Zeitplan ist eng, vor unserer Rückkehr nach Bremerhaven wollen wir nochmal zu der Eisscholle zurück, mit der diese Fahrt angefangen hatte. Hier müssen wir zum einen die Langzeitmessgeräte wieder einholen, die wir vor 9 Wochen ausgebracht hatten. Zum anderen sind wir an Wiederholungsmessungen interessiert, die uns einen Vergleich zwischen dem Schollenzustand im arktischen Hochsommer zum jetzigen Herbstanfang ermöglichen.
Sebastian Albrecht, Fielax Drift der Eisscholle, seitdem auf ihr am 12.08. unsere erste Eisstation stattfandDer Transekt entlang des 50. Längengrades wurde von den Ozeanographen an Bord genutzt, um mithilfe der CTD ein Profil der unterschiedlichen Wassermassen zu erstellen. Doch die Eisarbeiten mussten ruhen, während wir unseren Weg durch wunderschönes mehrjähriges Eis brechen.
Im Kalten fliegt's sich besser (Von Stefan Hendricks, Arbeitsgruppe Meereisphysik, AWI)
Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms der Meereisphysiker hier an Bord ist die großflächige Vermessung der Dicke des Meereises. Mit diesen Daten wollen wir untersuchen, wie dünn das verbleibende Meereis diesen Sommer gewesen ist und wo man noch älteres und dickeres Meereis finden kann. weiterlesen
26. September 2012
Was lebt im Meereis? (Von Anique Stecher, Doktorandin der Universität Konstanz in Kooperation mit dem AWI)
Wenn man an Lebewesen in der Arktis denkt, fallen jedem sofort Eisbären, Robben, Vögel und Wale ein. Aber was ist mit dem Meereis, gibt es auch im Eis Lebewesen? Auf den ersten Blick wirkt das endlos weiße, kalte Meereis leblos, gar lebensfeindlich. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass direkt im Meereis kleinste Algen leben. Aber wie kann das sein? weiterlesen
24. September 2012
Meereis von unten (Von Marcel Nicolaus und Christian Katlein)
Wir sind auf unserer nördlichsten Eisstation angekommen - bei fast 89°Nord und 60°Ost. Weiter kommen wir aus zeitlichen Gründen nicht mehr, zudem hat der arktische Herbst begonnen - die Sonne sinkt hinter den Horizont, die Lufttemperaturen sind schon unter -12°C gerutscht und die Schmelztümpel gefrieren. Etwas geschützt von ihrem Zelt auf dem Eis mit dem Steuerstand unterhalten sich Marcel Nicolaus und Christian Katlein über die Arbeit mit RONIA, dem Untereis-ROV.
Foto: M. Schiller, AWI Abendstimmung bei den ROV Messungen. Bei den Messungen nahe des Nordpols erhebt sich die Sonne nur knapp über den Horizont, so dass auch für die Messungen nur ein kleines Zeitfenster bleibt
Foto: A. Stecher, AWIDie Meereisphysiker Marcel Nicolaus (l) und Christian Katlein (r) mit dem ROV Ronia bei einer Eisstation
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21. September 2012
Foto: M. Schiller, AWI Abendstimmung bei den ROV Messungen. Bei den Messungen nahe des Nordpols erhebt sich die Sonne nur knapp über den Horizont, so dass auch für die Messungen nur ein kleines Zeitfenster bleibt
Foto: A. Stecher, AWIDie Meereisphysiker Marcel Nicolaus (l) und Christian Katlein (r) mit dem ROV Ronia bei einer EisstationTausend Meter unter dem Eis (Von Raquel Somavilla, Ozeanographin am AWI)
Mein Name ist Raquel Somavilla, ich komme aus Spanien und bin Ozeanografin. Ich arbeite seit einigen Jahren am Alfred-Wegener-Institut (AWI) und lebe in Bremerhaven. Ich untersuche die tiefen Wassermassen des Nordpolarmeers und der Grönlandsee.
Foto: Raquel Somavilla, AWI Raquel Somavilla an Bord der FS Polarstern
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19. September 2012
Foto: Raquel Somavilla, AWI Raquel Somavilla an Bord der FS Polarsternweiterlesen
Interview: Ausbildung auf hoher See (Von Christina Bienhold)
Wir sind nun bei 88°N und 60°O angelangt und haben die Forschungsarbeiten an unserer siebten Eisstation wieder aufgenommen - in fast völlig geschlossener Eisdecke. Die Luft ist schon kalt genug, dass die Schmelztümpel auch tagsüber zufrieren. Nur unter dem Eis ist das Wasser noch etwas über dem Gefrierpunkt von Meereis - das heißt, der arktische Sommer ist noch nicht ganz zu Ende. weiterlesen
17. September 2012
Forschen in 4000 Meter Tiefe (Von Janine Felden und Frank Wenzhöfer)
Wir sind auf der Rückreise nach Norden und ab heute auch wieder umgeben von Eis. Es geht weiter nach 88°N, dann nähern wir uns der letzten großen Lander-Station am Nordpol und hoffen, dass die Zeit noch reicht ... für den Einsatz unserer Tiefseelander, die wir heute vorstellen möchten. weiterlesen
14. September 2012
Wie fischt man unter dem Eis? (Von Michiel van Dorssen, Techniker)
Vor wenigen Stunden haben wir unseren durch den Unfall verletzten Kollegen (siehe BLOG vom 10. September) in Kirkenes per Helikopter abgegeben, das Wetter hat gut mitgespielt und so hat er als kleinen Trost noch eine schöne Sicht auf die Nordnorwegische Küste bekommen. Er ist nun zurück nach Deutschland unterwegs, um seinen Armbruch operieren lassen zu können, und wir fahren schnurstracks nach Norden zurück, um auf 88°N und 60°Ost wieder die Stationsarbeiten aufzunehmen. Für den BLOG berichtet heute Michiel van Dorssen aus der Arbeitsgruppe Iceflux, der das einzigartige Untereis-Trawl SUIT entwickelt hat. weiterlesen

