Bermuda-Dreieck: die Legende Auf dem Friedhof des Atlantiks

Im Bermuda-Dreieck vor der Ostküste der USA verschwanden im vergangenen Jahrhundert immer wieder Schiffe und Flugzeuge - angeblich spurlos. So wie jene fünf Flieger, die am 5. Dezember 1945 nicht von einer Trainingsrunde über dem Ozean zurückkehrten. Der Suchmannschaft erging es genauso. Was ist dort draußen im Bermuda-Dreieck geschehen?
Bermuda-Dreieck

Im Bermuda-Dreieck vor der Ostküste Amerikas häufen sich seltsame Unglücksfälle. Manch einer glaubt, Riesenkraken würden dort Jagd auf Schiffe machen

Charles Taylor will an diesem Dezembertag des Jahres 1945 nicht ins Cockpit steigen. "Kann nicht ein anderer Ausbilder die Trainingsrunde übernehmen?", fragt der Fluglehrer im amerikanischen Marinestützpunkt Fort Lauderdale in Florida seine Vorgesetzten. Taylor ist neu hier. Das Flugziel, eine Inselgruppe östlich Floridas, kennt er noch nicht. Doch die Antwort lautet: "Nein!"

Taylor fügt sich. Er bespricht mit seinem Team das Wetter, weist die 13 Männer in den Dreieckskurs ein, den sie über dem Atlantik fliegen sollen, und gibt das Startsignal. Am 5. Dezember 1945, Punkt 14.10 Uhr, heben die fünf Torpedo-Bomber ab. Alles läuft wie geplant! Eine halbe Stunde vor der Landung aber meldet Trainingsflug Nummer 19 Probleme.

Zunächst kommt Taylors Gruppe vom Kurs ab: "Wir können kein Land sehen, ... meine beiden Kompasse sind ausgefallen", funkt der Leutnant besorgt zum Tower. In den nächsten Minuten entbrennt ein Streit zwischen dem Ausbilder und seinen jungen Piloten.

Taylor behauptet, sie würden über dem Golf von Mexiko fliegen und müssten Richtung Osten, um nach Fort Lauderdale zurückzukehren. Die Schüler jedoch wollen Richtung Westen. Ihrer Meinung nach sind sie aufs offene Meer hinausgeflogen und befinden sich nun über dem Atlantik, also östlich Floridas.

Im Zickzackkurs irren die Flieger über den Ozean - bis plötzlich nur noch rätselhafte Wortfetzen den Tower erreichen. "Wir sind nicht sicher, wo Westen ist. Alles ist so anders ... so seltsam ... nicht einmal der Ozean sieht aus, wie er aussehen sollte..." Dann herrscht Stille.

Sofort schickt die Kommandozentrale ein Suchflugzeug los. Als sich das Flugboot vom Typ "Martin Mariner" jedoch dem Punkt nähert, von dem die letzten Funksignale der Bomber stammen, geschieht das Unglaubliche: Die Maschine verschwindet von einer Sekunde auf die andere vom Radar. Nicht mal ein Notsignal kann die Besatzung noch abgeben. Ihre Spur verliert sich in dunkler Nacht - über einem Seegebiet, das zu den sagenumwobensten der Welt zählt! Sein Name: das Bermuda-Dreieck.

Das Bermuda-Dreieck: Wo Schiffe und Flugzeuge verschwinden

"Friedhof des Atlantiks" oder "Todesfalle" wird das Meeresdreieck zwischen Miami, Puerto Rico und der Spitze der Bermuda-Inseln genannt. Denn anscheinend verschlingt der Ozean im Bermudadreieck mehr Menschen als irgendwo sonst. Mindestens 50 Schiffe und 20 Flugzeuge sind im vergangenen Jahrhundert im Bermuda-Dreieck verschollen - die meisten angeblich auf ähnlich mysteriöse Weise wie Taylors Flugstaffel.

So verschwand etwa im März 1918 der Kohlefrachter USS "Cyclops" spurlos, als er auf dem Weg von Barbados nach Norfolk war. Und vom japanischen Frachter "Raifuku Maru" erzählt man sich, dass die Besatzung vor dem Untergang im Bermudadreieck noch einen Hilferuf absetzen konnte: "Gefahr wie Dolch, kommt schnell, wir können nicht mehr fliehen", soll sie angeblich im April 1925 gefunkt haben.

Bermuda-Dreieck auf der Karte

Das sagenumwobene Bermudadreieck erstreckt sich von den Bermuda-Inseln im Norden bis nach Miami im Westen und Puerto Rico im Südosten. Irgendwo hier sind der Fluglehrer Charles Taylor und seine Piloten verschwunden

Mysteriöse Vorkommnisse im Atlantik wecken die Fantasie

Wer oder was den Seeleuten eine solche Todesangst eingejagt hat, darüber kursieren seit 1950 die fantastischsten Ideen. Damals, knapp fünf Jahre nach dem Verschwinden der Fliegerstaffel im Bermudadreieck, hatten zwei amerikanische Tageszeitungen mehrere Artikel über rätselhafte Seeunfälle im "Teufelsdreieck" gedruckt.

Daraufhin brach ein wahres "Bermuda-Fieber" aus: Unzählige selbst ernannte Experten wollten herausgefunden haben, was im "Todesdreieck" wirklich geschehen war. Viele Erklärungen klingen so, als stammten sie aus Science-Fiction-Romanen. Der US-Schriftsteller Charles Berlitz etwa behauptete, Taylor und seine Kollegen seien von Außerirdischen entführt worden. Seine Bücher über das Bermuda-Dreieck verkauften sich über 20 Millionen Mal.

Andere "Fachleute" verdächtigten Monsterkraken: Gigantische Kopffüßer sollen ihre Arme um Fischerboote und Frachter geschlungen und sie in die Tiefe gerissen haben. Eine weitere Gruppe stützt sich auf die Berichte Überlebender, wonach im Bermuda-Dreieck urplötzlich hellgrüne Nebelwolken aufziehen. Von denen soll eine solche Zauberkraft ausgehen, dass Uhren stehen bleiben, Kompasse verrückt spielen und Motoren sich selbst ausschalten.

Diese Geschichten übertrifft nur noch die so genannte "Wurmloch-Theorie": Demnach werden Schiffe und Flugzeuge von einem galaktischen Mega-Staubsauger ins All gesogen.

Schiffswrack in der Tiefsee

Seefahrer müssen im Bermuda-Dreieck vor allem Gewitter und Stürme fürchten. Ein zweites Problem: Der Kompass weicht an einigen Stellen ab

Das Gebiet im Bermuda-Dreieck ist gefürchtet

Einer der wenigen, die diese Hirngespinste hinterfragten, war Lawrence Kusche. Der Bibliothekar aus Arizona wühlte sich durch Archive, sichtete Akten und studierte Gerichts- oder Expertenberichte zu den 50 bekanntesten Unfällen im Bermuda-Dreieck. Sein Ergebnis: Die Horror-Geschichten sind erstunken und erlogen!

Weder Außerirdische noch grüne Nebel sind an den Abstürzen und Untergängen im Bermudadreieck schuld. Kusche fand völlig natürliche Erklärungen: meist eine Kombination aus schlechtem Wetter, technischen Pannen und menschlichem Versagen. Meteorologen und Ozeanographen geben ihm Recht.

Denn das Meeresgebiet zwischen Florida und den Bermuda-Inseln ist gefürchtet wegen seiner Blitzstürme und unvorhersehbaren Gewitter. Eine leichte Brise kann sich hier in Minuten zu einem Unwetter aufblasen.

Wer unvorbereitet auf solche Wirbelstürme trifft, wer ein klappriges Schiff fährt oder explosive Ladung an Bord hat, ist in Lebensgefahr! Ein großes Risiko geht auch von Sandbänken und flachen Küstenstreifen aus. Einmal nicht aufgepasst, läuft ein Frachter hier schnell auf Grund und schlägt leck.

Im Meeresboden des Bermuda-Dreiecks lagern zudem große Gasvorkommen. Wenn sie durch Erdrutsche oder Seebeben freigesetzt werden, steigen zahllose Gasblasen auf. Dieses Blubbern raubt dem Wasser seine Tragfähigkeit, sodass theoretisch selbst Kreuzfahrtschiffe oder Frachter in die Tiefe plumpsen könnten.

Das Verschwinden der Flugzeuge 1945 war also nicht mysteriös

Und auch für das Verschwinden vieler Flugzeuge gibt es eine logische Erklärung: Über dem Bermuda-Dreieck wirbeln die Luftmassen derart durcheinander, dass Strudel oder so genannte Luftlöcher entstehen. In ihnen verliert die Maschine für wenige Sekunden ihren Auftrieb und fällt Hunderte Meter tief. Der Flug wird zur wilden Achterbahnfahrt, bei der die Maschine schnell außer Kontrolle geraten kann.

Das Verschwinden der fünf Torpedo-Bomber im Jahr 1945 war also nicht so mysteriös, wie viele glauben wollen. Leutnant Taylor verlor während des Fluges schlicht und einfach die Orientierung: Er sah unter sich kleine Atlantik-Inseln, die er für die Florida Keys im Golf von Mexiko hielt. Verwirrt drehte er wieder nach Osten ab. Ein fataler Fehler! Denn dieser Kurs führte die Maschinen immer weiter auf den Atlantik hinaus. Dort, mitten über dem Meer, ging ihnen bei Einbruch der Dunkelheit der Treibstoff aus. Alle fünf Bomber stürzten ab.

Das Suchflugzeug dagegen explodierte. Wie der Kapitän eines Tankers später zu Protokoll gab, sah er genau zu jenem Zeitpunkt, als die Maschine vom Radar verschwand, einen Feuerball am Himmel. Kurz darauf sei sein Schiff durch einen großen Ölfilm gefahren.

Vermutlich hatte eines der Crewmitglieder der "Martin Mariner" verbotenerweise an Bord geraucht. Der Flugzeugtyp war seit langem als "fliegender Benzintank" berüchtigt, der leicht Feuer fängt.

Und noch eine Bermuda-Gruselgeschichte hat Lawrence Kusche als Lüge entlarvt: Die Besatzung des japanischen Frachters "Raifuku Maru" meldete nicht etwa Aliens, die das Schiff angriffen. Nein, das Schiff sank im April 1925 während eines schweren Sturmes - weit nördlich des Bermuda-Dreiecks, auf seinem Weg von Boston nach Hamburg. Der Hilferuf an einen herbeigeeilten Frachter hatte tatsächlich gelautet: "Gefahr! Kommt schnell!"

Grün-weißer Leuchtturm an Land
Navigation
Der Weg steht in den Sternen
Schon seit Jahrtausenden fahren die Menschen zur See. Heute vertrauen sie auf technische Instrumente, die sie ans Ziel führen. Doch woran orientierten sie sich, als es diese noch nicht gab? Wir verraten es euch
GEOlino-Newsletter
nach oben