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Wie ein Apotheker versehentlich das Streichholz erfand

Heiß! Ein Streichholz brennt mit 800 Grad Celsius. Allerdings nur für ein paar Sekunden
Heiß! Ein Streichholz brennt mit 800 Grad Celsius. Allerdings nur für ein paar Sekunden
© Shutterstock
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Und nicht eins, nicht zwei, nicht drei, nicht vier, sondern viel mehr zünden wir mit Streichhölzern an. Grund genug, dieser heißen Erfindung nachzuspüren. Achtung: Es folgt eine Geschichte mit Zündstoff

Ein "Ratsch" genügt, schon flammt es auf: Das Streichholz gehört zu den heißesten Erfindungen der Menschheit. Schließlich lässt sich damit Feuer entfachen, blitzschnell und mühelos!

Wie funktioniert ein Streichholz?

Wie das funktioniert? Der Streichholzkopf enthält die chemischen Stoffe Kaliumchlorat und Schwefel. Sie ergeben die sogenannte Zündmasse. Deren Gegenstück ist die Reibefläche auf der Schachtel. Diese besteht aus Glaspulver und rotem Phosphor. Ratschen wir den Streichholzkopf über die Reibefläche, reagiert ein bisschen Phosphor mit dem Kaliumchlorat der Zündmasse. Eine Flamme lodert auf und setzt zuerst den Schwefel, dann das Holz in Brand.

Wer hat das Streichholz erfunden?

Bis der Feuertrick fehlerfrei und wie beschrieben funktionierte, brauchten Erfinder zündende Ideen und eine Menge Glück. Das hatte zum Beispiel der Hamburger Apotheker Hennig Brand im Jahr 1669. Dabei wollte er keine Streichhölzer erfinden. Nein, er träumte davon, aus Urin Gold herzustellen - und verkochte dafür "Pipi" mit Holzkohle. So lange, bis das Wasser aus dem Sud verdampft war und eine weiße Paste übrig blieb. Von Gold keine Spur, aber: Die wachsartige Masse glühte im Dunkeln. Brand hatte Phosphor gewonnen - ein Stoff, ohne den heute kaum ein Streichholz aufflammen würde.

In eine Mixtur aus diesem Phosphor, Schwefel und Kaliumchlorat tauchte der französische Chemiker Charles Sauria im Jahr 1830 ein paar Holzstäbchen. Ein gewagtes Experiment! Saurias Streichhölzer zündeten nämlich bei der kleinsten Reibung von allein. Funken sprühten, schon wenn sie in der Schachtel mit den Köpfen zusammenstießen! Zudem war Brands weißer Phosphor hochgiftig und machte später die Arbeiter in den StreichholzFabriken krank.

Aus diesem Grund ersetzte der Schwede Johan Lundström im Jahr 1855 den weißen Phosphor durch ungiftigen roten. Anders als alle anderen Streichholz-Hersteller rührte Lundström zu dem den Phosphor auch nicht in die Zündmasse, sondern vermengte ihn mit Glaspulver, Kohlenstaub und Leim. Auf Papier gestrichen, ergab dieser Mix eine schwarze Reibefläche. Nur auf ihr ließen sich seine Streichhölzer entzünden. Sicherheits-Zündhölzer werden sie darum genannt. Die Hölzchen sind bis heute ein Verkaufsschlager. Um die 200 Millionen Stück produziert allein der Weltmarktführer Swedish Match - pro Tag!

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