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Gute Frage Sollte Containern erlaubt sein?

Gute Frage: Sollte Containern erlaubt sein?
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Ob trockenes Brot, abgelaufene Konserven, matschige Gurken: Jährlich werfen deutsche Supermärkte rund 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Weil diese oft noch genießbar sind, fischen einige Menschen sie dort wieder heraus. Verbotenerweise! Hier lest ihr die Argumente für und gegen das sogenannte Containern

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Dafür: Vieles ist zu gut für die Tonne!

Aus trockenem Brot kann man Bratlinge machen, und die matschige Gurkenspitze lässt sich abschneiden. Wir müssen aufhören, Lebensmittel wegzuwerfen, weil sie nicht mehr ganz perfekt sind!

Das findet jedenfalls die wachsende Zahl von „Mülltauchern und -taucherinnen“. Sie verabreden sich in sozialen Netzwerken, um abends gemeinsam Supermärkte abzuklappern und deren Müllcontainer zu durchsuchen. Hinterher verbreiten sie Bilder von den leckeren Mahlzeiten, die sie aus ihrer „Beute“ zubereitet haben. Die meisten von ihnen hätten genug Geld, um Essen zu kaufen. Sie containern aus Protest: Wie kann es sein, dass die reichen Länder so viel Essen verschwenden? Schließlich hungern weltweit 690 Millionen Menschen! 

Zudem belastet die Herstellung von all den weggeworfenen Lebensmitteln die Umwelt enorm. In jedem Fall regen die Mülltaucher und -taucherinnen mit ihren Posts dazu an, darüber nachzudenken, wie viele Lebensmittel man eigentlich selbst wegwirft. Und wenn sie online oder in Zeitungen über ihre Erfahrungen berichten, müssen die Supermärkte sich rechtfertigen.

Diese betonen oft, dass sie mit gemeinnützigen Tafeln zusammenarbeiten, die Essen an Bedürftige verteilen. Das ist gut. Und trotzdem landen noch 90 Prozent aller unverkauften Lebensmittel im Abfall. Einige fordern deshalb ein Gesetz, wie es in Frankreich gilt. Das zwingt Supermärkte, sämtliche aussortierten Lebensmittel zu spenden. Zwei Studentinnen sind im Sommer 2020 außerdem bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Das sollte feststellen, dass Containern kein Diebstahl ist. Denn sie sind überzeugt: Wenn jemand etwas in den Müll wirft, kann es genauso gut ein anderer nehmen!

Dagegen: Containern ist Diebstahl

Das Gesetz in Deutschland sagt klar: Was sich auf einem Grundstück befindet, gehört dem Eigentümer oder der Eigentümerin – selbst der Inhalt der Mülltonne! Wenn jemand also verschrumpelte Kohlrabi aus dem Müllcontainer eines Supermarktes „rettet“ – dann hat er oder sie laut Gesetz gestohlen.

Manche Supermarkt-Betreiber finden es gar nicht schlimm, wenn man sich an ihren Containern bedient, und würden nie Anzeige erstatten. Andere jedoch zäunen ihre Mülltonnen ein und stellen Überwachungskameras auf. Um an weggeworfene Lebensmittel heranzukommen, betreten Mülltaucher und -taucherinnen also häufig private Grundstücke, obwohl das nicht erlaubt ist, und manchmal brechen sie sogar Schlösser auf.

All das ist strafbar. Immer wieder kommt es deshalb zu Anzeigen wegen Diebstahls, wie bei den beiden Studentinnen, die vor das Bundesverfassungsgericht gezogen sind. Dieses urteilte übrigens, dass Containern rechtlich gesehen Diebstahl ist – und daher weiterhin verfolgt werden darf.

Natürlich könnten Politiker und Politikerinnen die Gesetze ändern, aber das wollen viele von ihnen nicht. Sie fürchten zum Beispiel, dass neue Probleme entstehen, wenn künftig jedermann Abfall einfach mitnehmen darf. Außerdem halten sie es für gesundheitlich riskant, wenn immer mehr Menschen Lebensmittel aus dem Müllcontainer holen. Das Essen könnte schließlich verdorben oder mit gefährlichen Keimen befallen sein. 

Immerhin hat die Politik ein anderes Ziel gesetzt: Bis 2030 sollen in Deutschland nur noch halb so viele Lebensmittel weggeworfen werden wie im Moment. Hoffentlich gelingt es. Denn Abfall zu vermeiden ist natürlich viel besser, als ihn hinterher wieder aus der Tonne zu fischen. Zumindest darin sind sich alle Beteiligten einig.


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