Tierlexikon Sibirischer Tiger

Sibirische Tiger – auch Armurtieger genannt – sind die größten Katzen der Welt. Sie leben in kalten Gebieten. Auch Schnee kann den zotteligen Großkatzen nichts anhaben
Sibirischer Tiger

Der Sibirische Tiger ist die größte Katze der Welt!

Der Sibirische Tiger: Ein gejagter Jäger

Zentimetertief sinken die Tatzen in den Schnee. Seit Stunden schon streift der Sibirische Tiger durch sein Revier, lauscht jedem Rascheln im Gebüsch, hält Ausschau nach Bewegungen im Dickicht der Bäume. Der Hunger treibt ihn an. Da, endlich! Zwischen den verschneiten Zweigen knabbert ein Sika-Hirsch Rinde von einem Baumstamm. Ein gefundenes Fressen für die Raubkatze!

Beinahe lautlos pirscht sie sich heran, duckt sich dicht zu Boden – um sich schließlich mit einem gewaltigen Satz auf die Beute zu stürzen. Der Tiger tötet sein Opfer mit einem Biss ins Genick und macht sich sofort über den Hirsch her. Denn schon viel zu lange hatte er nichts mehr gefressen. Die meisten seiner Jagdversuche enden erfolglos.

Immer wieder hören oder wittern ihn Beutetiere, wenn er sich anschleicht. Dabei braucht er sechs bis zehn Kilogramm Fleisch pro Tag, um im kalten Winter seiner Heimat – den Wäldern Sibiriens im äußersten Südosten Russlands und in den angrenzenden Regionen Nordkoreas und Chinas – bei Kräften zu bleiben. Er muss sich Fettreserven anfuttern, und da
reicht kein kleiner Snack.

Immerhin ist Panthera tigris altaica, wie er wissenschaftlich heißt, mit bis zu drei Meter Länge von Kopf biszur Schwanzspitze die größte lebende Katze der Welt. Fast den ganzen Tag verbringt der Tiger damit, Beutetiere wie Hirsche, Wildschweine, Elche oder Luchse aufzuspüren. Bis zu 20 Kilometer legt er bei seinen Beutezügen zurück - und ist dabei ständig in Gefahr, selbst zum Opfer zu werden.

Der Sibirische Tiger ist bedroht

Denn der "Herrscher der Taiga", wie das riesige Tier einst genannt wurde, hat einen mächtigen Feind: den Menschen. Immer wieder lauern ihm Wilderer auf. Sie töten die Tiger, um ihre gestreiften Felle als Jagdtrophäen zu verkaufen. Und auch für alle anderen Körperteile des Tieres zahlen Menschen auf dem Schwarzmarkt hohe Preise.

Tigerknochen und -zähne gelten in der traditionellen asiatischen Medizin als Heilmittel, werden noch immer unerlaubt zum Beispiel zu Tabletten verarbeitet. Für etliche arme Menschen in der Region wirkt die Aussicht auf Geschäfte mit toten Tigern darum verlockend.

Und so ist der Sibirische Tiger seit Langem nicht mehr nur gefürchteter Jäger, sondern selbst Gejagter und steht auf der "Roten Liste bedrohter Arten". In den 1940er Jahren soll es weltweit weniger als 40 Sibirische Tiger in freier Wildbahn gegeben haben. Denn auch der Lebensraum der Tiger ist im Laufe der Jahre immer weiter geschrumpft, weil der Mensch Wälder rodete, um Straßen und Siedlungen zu bauen oder Ackerbau zu betreiben.

Sibirischer Tiger im Wasser

Sibirische Tiger mögen an heißen Tagen das Schwimmen

Allgemeines zum Sibirischen Tiger

Der Sibirische Tiger (Panthera tigris altaica) ist ein Säugetier und gehört zur Familie der Katzen (Felidae) in die Unterfamilie der Großkatzen (Pantherinae). Man nennt ihn auch Armurtiger oder Ussuritiger. Weltweit gibt es vier unterschiedliche Tigerarten. Dieser hier ist die größte Katze der Welt.

Diese Raubkatze wird von Kopf bis Schwanz etwa drei Meter lang und bis zu 300 Kilogramm schwer. Das lange, dichte Fell lässt sie noch massiger wirken. Das Fell ist gelblich bis rötlich, an der Unterseite weiß. Die Streifen, die sich über den gesamten Pelz ziehen, sind schwarz oder braun.

Was frisst ein Sibirischer Tiger?

Sibirischer Tiger sind wie alle Raubtiere Fleischfresser. Pro Tag benötigen sie bis zu zehn Kilogramm Nahrung. Dazu zählen Hirsche, Rehe, Elche, Luchse und Wildschweine.

Wie lebt ein Sibirischer Tiger?

Sibirische Tiger sind Einzelgänger. Die Reviere der Männchen sind bis zu 1000 Quadratkilometer groß. Sie werden mit Urin markiert. Nur zur Paarungszeit treffen sich Männchen und Weibchen. Etwa 95 Tage nach der Paarung kommen drei bis sieben Junge zur Welt.

Sie sind anfangs blind und werden allein von der Mutter aufgezogen. Nach vier Jahren verlassen sie die Mutter. Sibirische Tiger leben in kalten Regionen. Sie mögen Wälder mit einem dichten Unterholz. Sie leben heute nur noch im Osten Russlands, im Grenzgebiet zu Nordkorea und China. Diese Tiere können etwa fünfzehn Jahre alt werden.

Sibiritischer Tiger Verbreitungsgebiet

Der Sibirische Tiger streift durch die Wälder im äußersten Südosten Russlands und in den Grenzgebieten zu China und Nordkorea

Sind Sibirische Tiger gefährdet?

Sibirische Tiger sind vom Aussterben bedroht. Sie wurden aufgrund ihrer Felle und Knochen stark bejagt, denn Tigerkochen gelten in China als ein Heilmittel. Außerdem verliert der Tiger seinen Lebensraum und findet immer weniger Nahrung. Zwischenzeitlich gab es nicht einmal mehr 50 Sibirische Tiger.

Noch heute schlagen Holzfäller jährlich unzählige Bäume in den Heimatgebieten des Tigers, häufig ohne Erlaubnis. Die Raubkatze kann nur noch einen kleinen Teil ihres  ursprünglichen Lebensraumes bewohnen. Immerhin: Mittlerweile kommen glücklicherweise wieder mehr der stolzen Raubkatzen in freier Wildbahn vor. Schätzungen zufolge streifen inzwischen wieder mehr als 450 Sibirische Tiger durch die Wälder Sibiriens, weil sich zahlreiche Tierschützer für die bedrohten Raubkatzen einsetzen.

In Anti-Wilderer-Brigaden ziehen sie durch die Landschaft und die umliegenden Dörfer (siehe Interview rechts) und machen Jagd – nicht auf den Tiger, sondern auf dessen Jäger.

Steckbrief: Sibirischer Tiger

  • Name: Sibirischer Tiger
  • Wissenschaftlicher Name: Panthera tigris altaica
  • Größe: 3 Meter lang
  • Gewicht: bis 300 Kilogramm
  • Lebensdauer: bis 15 Jahre
  • Lebensraum: Wälder Ostrusslands
  • Ernährung: Fleischfresser, Hirsche, Rehe, Elche, Luchse, Wildschweine
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