Weltveränderer Sokrates: Der große Denker

Was ist mutig? Und was ist gerecht? Mit seinen hartnäckigen Fragen ärgert Sokrates die Athener vor 2500 Jahren so sehr, dass sie ihn zum Tode verurteilen. Dabei will Sokrates nur eines: die Wahrheit finden. Noch heute eifern Philosophen auf der ganzen Welt dem antiken Denker nach
Sokrates Statue

Sokrates-Statue in Griechenland

Steckbrief: Sokrates

  • Name: Sokrates
  • Lebensdaten:  469 v. Chr. bis 399 v. Chr.
  • Zitat: "Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen."

Sokrates soll einmal gesagt haben: "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Von wegen! Denn Sokrates war ein herausragender Philosoph der Antike, war der Lehrer Platons und beeinflusste so auch maßgeblich die Lehren des berühmten Denkers Aristoteles.

Das Leben und Wirken des Sokrates

Nein, nicht jetzt! Nur eine Stunde noch! Wenigstens ein paar Minuten! Weinend wirft sich Kriton vor seinem Freund auf die Knie und fleht: "Sokrates! Die Sonne ist noch nicht untergegangen! Warte!" Aber der Philosoph schiebt ihn zur Seite. Wieder verlangt er nach dem Diener, der den Becher mit Gift vorbereitet hat. "Ich gewinne nichts, wenn ich später trinke. Ich würde mir lächerlich vorkommen."

Nach einem Urteil des Gerichts muss Sokrates bis zum Sonnenuntergang das Gift der Schierlingspflanze trinken - auf diese Weise werden Verbrecher im alten Griechenland hingerichtet. Ein letztes Mal verabschiedet er sich von seinen Söhnen. Tröstet seine Schüler, seine Freunde. Dann leert er gelassen den Becher.

Im Alter von 70 Jahren stirbt einer der größten Philosophen der Antike - und der wohl rätselhafteste. Keine einzige Zeile hat Sokrates hinterlassen. Aber noch heute ist er für Denker auf der ganzen Welt ein Vorbild.

Wie Sokrates lebte

Sokrates wird 470 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Athen geboren. Er ist nicht gerade eine würdevolle Erscheinung: ein gedrungener Typ mit platter Nase und Glupschaugen. Als Beruf hat er Steinmetz gelernt, allerdings hat er wenig Lust zu arbeiten. Viel lieber spaziert er über die Straßen und Plätze Athens und stellt denen, die ihm über den Weg laufen, merkwürdige Fragen. Von Feldherren will er zum Beispiel wissen, was Mut ist; vom Eseltreiber, wie man richtig handelt; von Kaufleuten, wozu Reichtum gut ist.

Rededuelle sind zu jener Zeit in Athen äußerst beliebt, geradezu ein Volkssport. Das liegt an der Regierungsform. Denn die Athener leben in einer Demokratie: Jeder männliche Bürger kann sich in ein hohes Amt wählen lassen, zum Beispiel Ratsherr werden. Er muss nur seine Mitbürger mit Geschick für sich gewinnen. Überall stehen Männer in ihren Gewändern und tragen hitzige Wortgefechte aus. Ehrgeizige Väter lassen schon ihre Söhne von Sophisten unterrichten. Das sind Sprachlehrer, die einem beibringen, wie man anderen die Worte im Mund herumdrehen kann.

Universität von Athen

Die Universität in Athen bei Nacht, mit den Statuen von Platon (l.) und Sokrates (r.) im Vordergrund

Wie Sokrates die Welt veränderte

Sokrates ist ganz anders. Er redet nicht, weil er nach Macht strebt. Ihn interessiert nur die Wahrheit, zum Beispiel, was Gerechtigkeit ist und was gottlos. Stundenlang kann Sokrates über solche Probleme diskutieren! Er ist ein wahrer "Philosoph" - ein Liebhaber der Weisheit.

Aber wie findet man die Wahrheit heraus? Sokrates hält keine Vorträge, wie das bei Lehrern üblich ist. Stattdessen lässt er die anderen reden. Dann meldet er sich mit Zweifeln, stellt kritische Fragen.

Als einer erklären soll, was Mut ist, antwortet dieser: "Mutige Menschen geben nie auf!" - "Aber Starrsinnige geben doch auch nie auf. Sind die mutig?", fragt Sokrates. Ein paarmal geht die Diskussion so hin und her. Dann stehen Männer, die sich für weise gehalten haben, mit hochrotem Kopf da - und müssen stotternd zugeben, dass sie nicht einmal die einfachsten Dinge begriffen haben! Die Schaulustigen, die zu dem Spektakel strömen, halten sich den Bauch vor Lachen.

Eine peinliche Situation. Für Sokrates aber ist es der erste Schritt auf dem Weg zur Weisheit. Wenn Menschen ihre Unwissenheit einsehen, denken sie von neuem über ein Problem nach. Sie erkennen Lügen und Aberglauben - und wiederholen nicht die Dummheiten, die sie beim Vater, bei Nachbarn oder dem Priester aufgeschnappt haben. Nun können sie sich eine eigene Meinung bilden und richtig handeln. Dass er selbst schlaue Antworten hat, behauptet Sokrates nicht. Er sagt von sich: "Ich weiß, dass ich nichts weiß."

Für die Jugend von Athen wird Sokrates zum Idol

Die Jugend von Athen folgt Sokrates in Scharen. Viele werden seine Schüler. Platon, der berühmteste unter ihnen, schreibt später die Gespräche des Philosophen nieder. Aus diesen "Dialogen" wissen wir heute von Sokrates.

Allerdings macht sich Sokrates auch Feinde. Viele hassen den Quertreiber, weil er sie öffentlich blamiert hat. Oft wird er verspottet oder auf dem Marktplatz angerempelt. Der Komödiendichter Aristophanes schreibt ein Theaterstück, in dem er sich über ihn lustig macht: Sokrates, das sei ein geldgieriger Worteverdreher. Der behaupte sogar, Wolken brächten den Regen, nicht der Gott Zeus. Haha! Die Athener amüsieren sich.

Der Philosoph wird zum Tode verurteilt

Andere klagen Sokrates sogar vor Gericht an. Er sei gottlos und verderbe die Jugend. Werden junge Leute nicht zu Verbrechern, fragen sie, wenn man ihnen so komische Ideen in den Kopf setzt?

Sokrates verteidigt sich mit einer flammenden Rede: Hat er sich nicht um das öffentliche Wohl gekümmert? Ein Festmahl sollten sie ihm spendieren, wie den Siegern der Olympischen Spiele, statt ihn anzuklagen. Lieber werde er sterben, als die Wahrheit zu verraten.

Die Geschworenen sind empört. Mit großer Mehrheit verurteilen sie Sokrates zum Tode. Doch seine Ideen können sie nicht töten. Die sind unsterblich.

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