Alleskönner Leonardo da Vinci: Das Jahrtausend-Genie

Er malt wie kein anderer, studiert die Natur und den menschlichen Körper, denkt sich Kriegs- und Flugmaschinen aus. Leonardo da Vinci, der vor 500 Jahren starb, ist ein Alleskönner – ein wahres Supertalent
Leonardo da Vinci

Selbstporträt von Leonardo da Vinci, 1894

Geduld, bitte! Ich bin noch nicht fertig!“ Leonardo da Vincis Stirn liegt in Falten. Minutenlang stiert er die Frau an, die vor ihm Modell sitzt. Lisa del Giocondo ist der Name der jungen Italienierin. Ihr Ehemann, ein Kaufmann und Seidenhändler aus Florenz, hat ein Gemälde von ihr bei Leonardo in Auftrag gegeben. Darum sitzt sie nun dem Maler gegenüber. Wieder und wieder wandert sein Blick über ihre braunen Locken, ihre Augen – ihr Lächeln. „Das ist es, was sie ausmacht!“ Leonardo greift erneut zum Pinsel. Ein gezielter Schwung mit seiner Linken. Und „Mona Lisa“ lächelt.

Doch fertig ist das Bild nun, um das Jahr 1503, noch lange nicht. Über viele Monate wird ihn seine Mona Lisa noch begleiten, wird er sie durch zarte Pinselstriche immer wieder verändern. Manch einer macht sich lustig über diesen komischen Kauz, der einfach nur malen soll. Doch weil da Vinci zu diesem Zeitpunkt bereits 51 Jahre alt ist, will er Dinge nicht nur einfach wiedergeben, sondern von Grund auf verstehen.

Das Gemälde der Mona Lisa macht Leonardo da Vinci unsterblich

Die Mona Lisa wird zu einem der berühmtesten Bilder der Welt werden – weil es die freundliche Frau so eindringlich abbildet, dass man glaubt, sie sehe einen immerzu an. Es ist nur einer von vielen Geniestreichen seines Lebens…

Mona Lisa

Die Mona Lisa gilt als Leonardo da Vincis berühmtestes Gemälde – und hat ihn als Künstler unsterblich gemacht

Dabei sieht zu Anfang niemand ein Genie in ihm, sondern allein eine Last. Leonardo da Vinci, der am 15. April 1452 zur Welt kommt, ist ein ungewolltes Kind. Seine Mutter Caterina, eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, verlässt ihren Sohn früh. Sein Vater lässt Leonardo bei dessen Großeltern in Florenz zurück und gründet mit einer anderen Frau eine neue Familie.

Leonardo lernt bei Andrea del Verrocchio

Während seine Halbgeschwister Latein, Philosophie, Geschichte studieren dürfen, lernt Leonardo, der „Sohn zweiter Klasse“, nur das Nötigste: Lesen, Schreiben, Rechnen. Doch der Junge will mehr wissen und erfahren. Oft stromert er durch die Umgebung von Florenz, beobachtet Katzen, Vögel, Wolken – und zeichnet! Mehr, genauer und besser als alle anderen.

Als der Vater das Talent seines mittlerweile 17-jährigen Sohnes entdeckt, schickt er ihn in die Lehre beim angesehenen Maler und Bildhauer Andrea del Verrocchio. Dessen Werkstatt ist ein Ort, wie geschaffen für den jungen Leonardo. Denn sein Lehrer ist – wie viele in dieser Zeit – der Ansicht, dass ein Maler nicht nur sein Handwerk beherrschen, sondern in vielen Künsten und der Wissenschaft kundig sein soll. Ein uomo universale müsse er sein, ein „Universalmensch“.

Leonardos Talent spricht sich bald im ganzen Land herum

Und genau darum unterrichtet Verrocchio seine Schüler neben Zeichnen und Bildhauerei auch in Mathematik und Geometrie, erklärt ihnen den Aufbau des menschlichen Körpers. Leonardo saugt alles Wissen auf und hält es in seinem Notizbuch fest. Rasch überflügelt der gelehrige Schüler seinen Lehrer – malt präziser und eindrucksvoller als dieser. Und findet seinen eigenen Stil.

Leonardos Talent spricht sich schnell im ganzen Land, auf dem Kontinent herum. Fürsten aus ganz Europa laden ihn an ihre Höfe ein, etwa nach Mailand – um sich mit dem Künstler und dessen Können zu schmücken. Leonardo malt für sie, schneidert Kostüme. Und übernimmt bald noch wichtigere Aufgaben. Er entwirft Brücken, sogar Waffen und Kriegsmaschinen – dabei verabscheut er eigentlich den Krieg.

Zugleich aber findet er, dass ein jeder die Mittel besitzen müsse, seine Freiheit zu verteidigen – „das Hauptgeschenk“ der Natur. Außerdem will er seine Auftraggeber einfach nur zufriedenstellen. Denn dann lassen sie ihm ausreichend Zeit für seine eigenen Interessen.

Leonardo will die Vorgänge in der Natur begreifen, all die Formen verstehen, die sie erschaffen hat. Stundenlang beobachtet er den Flügelschlag einer Biene. Er beginnt sogar, nachts heimlich Leichen aufzuschneiden, um so Hinweise auf die Funktionsweise des menschlichen Körpers zu bekommen. Denn Lebewesen sind, da ist er sich sicher, perfekte Vorbilder für Erfindungen. An etlichen tüftelt er – und ist damit seiner Zeit oft weit voraus.

Der Traum vom Fliegen

Sein wohl größter Traum aber ist dieser: Er möchte eine Apparatur erfinden, um als erster Mensch fliegen zu können. Auf unzähligen Blättern hält er die „Baupläne“ von Vögeln, Fledermäusen, Insekten fest und leitet daraus technische Konstruktionen ab.

Um das Jahr 1505 ist es schließlich so weit: Am Monte Ceceri, nordöstlich von Florenz, schnallt Leonardo seinem Assistenten Tommaso Masini ein selbst gebautes Flügelpaar um. Und tatsächlich: Tommaso nimmt Anlauf, bewegt die Arme auf und ab – und fliegt! Immerhin ein paar Meter. Dann stürzt er ab und bricht sich dabei sogar ein paar Knochen.

Leonardos Höhenflüge anderer Art aber unterbricht das nicht. Seine letzten Lebensjahre verbringt er in einem Schloss des französischen Königs Franz I. Dort malt und zeichnet er bis kurz vor seinem Tod am 2. Mai 1519.

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