Komponist Robert Schumann: Der große Musiker

Berühmt, männlich und deutsch - von dieser Sorte zählt die Musikgeschichte eine ganze Reihe von Komponisten, darunter auch Robert Schumann. Anders aber als etwa Bach oder Wagner hatte Schumann eine begnadete Pianistin an seiner Seite. Das Künstlerpaar Robert und Clara Schumann gilt als das bekannteste der romantischen Epoche
Robert Schumann

Robert Schumann (1810-1856)

Kurz-Steckbrief: Robert Schumann

  • Name: Robert Schumann
  • Geboren: am 8. Juni 1810 in Zwickau
  • Gestorben: am 29. Juli 1856 in Endenich (heute Bonn)
  • Geschätzt: für Kompositionen großer Musikstücke - Er gilt heute als einer der bedeutendsten Komponisten der Romantik
  • Wichtigste Werke: Klaviermusik wie "Kinderszenen", "Papillons“ und "Carnaval", Liederzyklen wie "Dichterliebe" und "Liederkreis", Orchesterwerke wie "Frühlingssinfonie" oder "Rheinische Sinfonie"

Clara und Robert Schumann: Eine Liebe mit Hindernissen

"Ich spiele morgen Punkt 11 Uhr das Ada»Adagio aus Chopins Variationen und werde dabei sehr stark an Sie denken. Nun die Bitte, dass Sie dasselbe tun möchten, dass wir uns geistig sehen und treffen." (Robert Schumann)

Was für eine romantische Liebeserklärung! Weil Robert Schumann seine geliebte Clara nicht treffen darf, begegnen sie sich in Gedanken. Und als Verbindung dient ihnen - die Musik! Claras Vater, Friedrich Wieck, selbst Musiker und zugleich Musiklehrer der beiden, verbietet jedes noch so kurze Treffen. Er möchte Clara nicht hergeben. Schließlich ist das 13-jährige Mädchen weit mehr als seine Tochter: Er betrachtet sie als sein musikalisches Kunstwerk.

Von Robert hält er hingegen nicht viel. Das Verbot stellt die beiden Verliebten auf eine harte Probe. Jahrelang. Fast nie können sie einander sehen, selten gelingt es ihnen, sich auch nur Briefe zu senden. Doch eines bleibt ihnen: Die Musik bindet sie fest aneinander.

Robert Schumann findet früh seine Liebe zur Musik

Robert Schumann kommt vor genau 200 Jahren, am 8. Juni 1810, in der Stadt Zwickau in Sachsen zur Welt. Schon als kleiner Junge zieht ihn die Kunst fast magisch an, und er hat keinen anderen Wunsch als den, Klavier zu spielen. In der Kunst, das spürt er, liegt sein Talent, sein Genius. Roberts Vater erfüllt ihm den Wunsch, kauft einen Flügel und beauftragt den Organisten der Zwickauer Marienkirche, seinen Sohn zu unterrichten.

Folge ich meinem Genius, so weist er mich zur Kunst.
(Robert Schumann)

Robert ist selig! In jedem angeschlagenen Ton schwingen seine Gefühle, oft traurig, sehnsüchtig, manchmal schwärmerisch. Dennoch kann sich Robert lange nicht entscheiden, welche Kunst er mehr liebt - Musik oder Literatur. Genauso leidenschaftlich schreibt er. Was ihn bewegt, vertraut er seinem Tagebuch an, das er sein ganzes Leben lang führen wird; bringt es in Theaterstücken und Gedichten zum Ausdruck.

Robert und Clara Schumann lernen sich beim Klavierunterricht kennen

Die neun Jahre jüngere Clara dagegen spürt von frühester Kindheit an: Töne sind ihre Sprache, Noten ihre Schrift. Sie lernt auffällig spät, erste Worte und Sätze zu sprechen. Das Mädchen wird am 13. September 1819 in Leipzig geboren und lebt nach der Scheidung der Eltern bei seinem Vater. Als es Claras kleinen Fingern gerade so gelingt, die Tasten des Flügels zu drücken, gibt ihr der Vater erste Klavierstunden. Jeden Tag übt sie Tonleitern, lernt bald Stücke. Mit elf Jahren gibt sie ihr erstes Konzert.

In denselben Wochen lernt sie Robert kennen. Der ist nach abgebrochenem Studium nach Leipzig ins Haus der Familie Wieck eingezogen - als Schüler des Hausherrn. Robert ist beeindruckt vom Spiel des jungen Mädchens, den schnellen Läufen, den komplizierten Akkorden. Manchmal musizieren die beiden gemeinsam, spielen vierhändig auf dem Klavier, und ab und zu liest Robert Clara Gute-Nacht-Geschichten vor.

Sie ist ja noch ein Kind. Robert genießt diese heiteren Momente. Denn sonst fühlt er sich selten richtig wohl und zufrieden. Mal übt er wie besessen, dann durchzecht er wieder die Nächte in Kneipen und verbringt anschließend ganze Tage deprimiert im Bett.

Qualen der fürchterlichsten Melancholie. Eine fixe Idee, wahnsinnig zu werden, hat mich gepackt.
(Robert Schumann)

Robert kennt kein Maß. Er dehnt seine Finger aufs Äußerste, damit er ihre Unabhängigkeit voneinander verbessern und Akkorde noch besser greifen kann. Dafür baut er extra eine Apparatur, mit der er seine Finger dehnen kann. Flinker und geschmeidiger sollen sie werden. Doch der Schüler treibt es zu weit, er verletzt sich. Ein Finger wird steif und bleibt es zeitlebens.

Robert beschließt, ein großer Komponist zu werden

Der 22-Jährige macht sich Vorwürfe. Allerdings - um sich Musik auszudenken, muss man sie nicht perfekt spielen können. Robert beschließt, ein großer Komponist zu werden und eine richtige Sinfonie zu schreiben. Außerdem gründet er die "Neue Zeitschrift für Musik", in der er die Werke anderer Künstler bespricht, sie kritisiert und lobt. Kritisieren tut auch Friedrich Wieck - und zwar Robert. Dafür, dass dieser ganze Nächte durchmacht, hat der Lehrer kein Fünkchen Verständnis. Schließlich zieht Robert aus.

Aber Clara fehlt ihm. Der inzwischen 13-Jährigen schreibt Robert Schumann Briefe, immer häufiger. Irgendwann steht das Wörtchen "Liebe" auf dem Papier. Und Clara? Das Mädchen bewundert den Komponisten schon lange. Der pure Gedanke, er könnte sie lieben, lässt sie erröten.

Verlass mich nicht, du einziges Mädchen. Ich klammere mich an dir fest; gibst du nach, so ist es um mich geschehen.
(Robert Schumann)

Zwei Jahre vergehen, bis sie einander näher kommen: Clara feiert viele Erfolge als Pianistin. Nun reist sie nach Zwickau, Roberts Geburtsort, wo sie ein Konzert geben soll. Ihr Vater ist diesmal nicht dabei.

Im Jahr 1840 lässt sich das Künstlerpaar trauen

Dafür ist Robert ihr gefolgt - heimlich. Sie treffen sich, und zum ersten Mal, seit sie sich kennen, wagt es Robert und gibt Clara einen Kuss. "Ich vergess es nie, dieses Küssen. Du warst gar zu hold an jenem Abend", schreibt Robert Schumann später in sein Tagebuch. Nie mehr wollen sich die beiden trennen. Doch Friedrich Wieck verbietet eine Hochzeit.

Erst 1840, fünf Jahre nach dem ersten Kuss, notiert Robert: "Glücklicher Tag und Ende des Kampfes." Die beiden haben sich endlich trauen lassen - auch gegen den Willen des Vaters.

Hat man Frau und Kinder, so muss man ja an die Zukunft denken.
(Robert Schumann)

Der zügellose Künstler Robert verwandelt sich in den folgenden Jahren in einen rechtschaffenen Ehemann. Komponierte er früher nach Lust und Laune schwärmerische Lieder und lebendige Klavierstückchen, sitzt er nun regelmäßig am Schreibtisch oder am Klavier, fast wie ein Beamter. Punkt für Punkt, Note für Note schreibt er große Orchester-Sinfonien, Streichquartette und ein Bühnenstück nieder.

Er muss Geld verdienen. Schließlich bleibt Clara kaum mehr Zeit, Konzerte zu geben und damit etwas zur Haushaltskasse beizutragen. Sie muss sich um ihre Kinder kümmern. Sieben werden es am Ende sein. Das erste, Marie, bekommt sie mit 22 Jahren. Robert beschenkt das Mädchen bald mit Musik. "Die ersten Stücke im Album schrieb ich für unser ältestes Kind zu seinem Geburtstag", notiert er im Tagebuch. Gemeint sind jene Stücke, die er schließlich gesammelt als "Album für die Jugend" veröffentlicht.

Clara überlebt Robert Schumann um 40 Jahre

Doch dann beginnt eine schlimme Zeit. Kurz nach seinem 43. Geburtstag erleidet Robert einen Schlaganfall. Als es ihm etwas besser geht, listet er seine Werke auf, als erwarte er zu sterben. Nur einmal noch blitzt sein Lebensmut auf: Der junge Komponist Johannes Brahms besucht das Künstlerpaar.

Clara Schumann

Clara Schumann (1819-1896)

"Ein Genius", notiert Robert, und Clara schwärmt: "Das ist wieder mal einer, der kommt wie eigens von Gott gesandt!" Wie sehr sie den jungen Freund bald brauchen wird! Er unterstützt sie während der wohl schwersten Zeit ihres Lebens.

Denn bald darauf geschieht die Katastrophe: Robert möchte sich umbringen und stürzt sich wie von Sinnen in den Rhein.

Unfähig für alles, sonderbare Sprechorganschwäche.
(Robert Schumann)

Doch er wird gerettet und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Zwei Jahre später, kurz vor seinem Tod im Juli 1856, besucht Clara ihren Mann dort noch einmal: "Er lächelte mich an und schlang mit großer Anstrengung seinen Arm um mich - nie werde ich das vergessen." Clara überlebt Robert um 40 Jahre. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1896 gibt sie Konzerte, reist auf Tourneen um die Welt. Geheiratet hat sie nie wieder.

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