GEOlino Nr. 05/05 - Auf großer Fahrt Seite 1 von 1


Text von Christina Schneider

Im Krankenhaus der Koalas

In einem australischen Krankenhaus werden besondere Patienten gepflegt: Koalas! Tierärzte und freiwillige Helfer kümmern sich um die Knirpse, wenn sie verletzt oder krank sind. Vor allem die immer hungrigen Koala-Babys halten ihre Pfleger auf Trab. Doch die Arbeit ist sehr wichtig: Koalas sind vom Aussterben bedroht


Leibspeise: Blätterbrei mit Eukalyptusgeschmack

Der Kleine hat Glück gehabt. "007", wie sie ihn hier getauft haben, ist gerade einmal sechs Wochen alt. Die ersten struppigen Haare sprießen auf seinem Kopf. Und er schreit nach Futter. Schon naht der Zimmerservice: Blätter-Matsch, mit dem Teelöffel serviert. Ein normaler Koala-Säugling liegt im Beutel seiner Mutter und wird von ihr versorgt. Doch die Mutter von 007 ist tot. Weshalb Pfleger im Moggil-Koala-Krankenhaus der australischen Stadt Brisbane den Winzling aufpäppeln.


Manche Koalas sind so geschwächt, dass sie mit einer Spritze ernährt werden müssen (Foto von: Bermes/laif)
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Manche Koalas sind so geschwächt, dass sie mit einer Spritze ernährt werden müssen

Gefährliches Pflaster für kleine Beutler

Mit 007 und den anderen Patienten haben sie rund um die Uhr zu tun. Fast täglich werden verletzte Beuteltiere abgegeben, große wie kleine. Manche sind von Autos angefahren worden, als sie eine Straße überquerten. Andere wurden von streunenden Hunden gebissen. Oder sie haben eine Bindehaut- oder Blasenentzündung, besonders häufige Koala-Krankheiten.


Koalas sind vom Aussterben bedroht

Zuerst kommt jeder Kranke in die Notaufnahme. Dort entscheiden Tierärzte, ob überhaupt geholfen werden kann. Sie geben selbst schwierige Fälle nicht so leicht auf, denn Australiens Maskottchen sind vom Aussterben bedroht. Von einst etwa zehn Millionen leben nur noch rund 10.000 Tiere auf dem Kontinent.


Nicht jeder wird wieder gesund

Trotz all der Mühe von Ärzten und Pflegern haben viele schwer verletzte Koalas keine Chance. Um ihnen weitere Schmerzen zu ersparen, werden sie eingeschläfert. Die anderen werden gepflegt. Erst wenn ein Koalas ganz gesund ist, wird er wieder in freier Wildbahn ausgesetzt. Gut, dass die faulen Koalabären rund 18 Stunden am Tag schlafen - so wird ihnen nicht so rasch langweilig.


Schafwolle statt Mamas Beutel

Je jünger ein Koala ist, desto schwieriger die Arbeit der Pfleger. Die ersten sieben Monate seines Lebens verbringt ein Koala-Baby nämlich im kuscheligen Beutel der Mutter. Flauschige Schafwolle muss im Krankenhaus dieses mollige Gefühl ersetzen. Die noch haarlosen Koala-Waisen werden mit der Flasche gefüttert, die Kleinsten gar mit einer Pipette. Alle zwei Stunden wollen sie trinken, Tag und Nacht - keine leichte Aufgabe.


Aufbruch in die Freiheit

Erst mit etwa 14 Monaten kommen die Koalas zurück in die Wildnis. Wie Mary, die schon so fit ist, dass sie außerhalb des Krankenhauses in einem großen Käfig auf einem Eukalyptusbaum sitzen kann. Die Pfleger fassen sie nur noch selten an - damit sie den Kontakt zu den Menschen möglichst vergisst. Bald bringt man sie hinaus in den australischen Busch. Was alle Pfleger freut: Die Arbeit hat sich gelohnt!


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