Tierlexikon Luchs

Die Luchse waren bei uns ausgestorben. Doch nun streunen die Wildkatzen wieder durch manche Wälder. Forscher überwachen die scheuen Tiere dabei genau.
Liegender Luchs

Luchs liegen gern erhöht - so haben die Katzen alles im Blick

Einige Menschen können es nicht begreifen: Warum dürfen Raubkatzen, die so groß sind wie ein Schäferhund, durch deutsche Wälder streifen? Doch Tierschützer freuen sich darüber, dass seit knapp 20 Jahren in einigen Gebieten wieder Luchse heimisch sind.

Vor 200 Jahren waren die letzten frei lebenden Tiere von Jägern nämlich fast ausgerottet worden. Die Natur hat die schleichenden Jäger nun zurückbekommen. Diese ernähren sich vor allem von mittelgroßen Huftieren. Das ärgert manche Waldbesitzer. Sie wollen selbst bestimmen, wie viele Rehe und Hirsche in ihrer Gegend leben.

Aber Luchse sind Wildtiere und holen sich ihre Beute, wo sie gerade unterwegs sind. Dennoch sagen Forscher, dass Luchse zu einem gesunden Wald gehören. Mit Sendern und Fotofallen
überwachen sie die Tiere und erhalten so Informationen darüber, ob die Katzen Nachwuchs bekommen und ob es ihnen gut geht. Die Wissenschaftler wissen zudem, dass ein Luchs von sich aus niemals einen Menschen angreifen würde. Denn dazu sind die Katzen viel zu scheu.

Allgemeines über den Luchs

Der Eurasische Luchs, Lynx lynx, gilt nach Braunbär und Wolf als drittgrößtes Raubtier Europas. In Deutschland kommen die Tiere bisher im Harz, im Schwarzwald, im Pfälzer Wald und im Nordosten Bayerns vor.

Körperbau: Größe und Gewicht eines Luchses

Mit 60 Zentimetern Schulterhöhe sind die Raubkatzen etwa so groß wie Schäferhunde. Die Tiere wiegen im Durchschnitt 20 Kilogramm. können aber auch bis zu 30 Kilogramm auf die Waage bringen. Damit ist der Luchs ein Rekordhalter: Er ist die größte Katze Europas. Dabei streunert er nicht nur in den Wäldern Europas, sondern auch Asiens – was ihm dem Namen Eurasischer Luchs einbringt.

Luchse haben lange, kräftige Beine. Mit ihnen können sie sehr gut auf Bäume klettern. Liebend gern dösen sie aber auch einfach auf Ästen - von dort haben die Luchse alles im Blick. Die Wildkatzen tragen zudem einen Bart und haben schwarze Haarpinsel auf den Ohren.

Luchs

Der Luchs gilt als drittgrößtes Raubtier Europas

Nahrung: Was frisst ein Luchs?

Sobald die Dämmerung einsetzt, geht der Luchs auf Jagd. Die feinen Haarpinsel an ihren spitzen Ohren unterstützen das ausgezeichnete Gehör der Wildkatzen. Auf bis zu 500 Meter Entfernung kann der Luchs so seine Beute aufspüren.

Wie alle nachtaktiven Katzen sieht der Luchs im Dunkeln besonders gut. Seine gelbbraunen Augen sind extrem lichtempfindlich und ermöglichen dem Luchs auch nachts einen scharfen Blick. Seine Sehkraft ist sechsmal besser als unsere.

Ein Luchs benötigt etwa ein bis zwei Kilogramm Fleisch pro Tag und jagt vor allem Rehe und Rotwild. Bleibt große Beute aus, stellt der Luchs kleineren Tieren wie Füchsen, Hasen, Mäusen oder Vögeln nach.

Der Luchs in Deutschland

Luchse benötigen sehr viel Platz, damit sie umherstreifen und genügend Beute finden können. Naturschützer haben die Luchse in Deutschland deshalb in großen Waldgebieten angesiedelt.

Verbreitungskarte der Luchse in Deutschland

Der Harz (1) bietet ihnen viele abgeschiedene Flächen. Im Pfälzer Wald (2) und im Schwarzwald (3) werden immer wieder die Spuren einzelner Luchse gesichtet. Im Bayerischen Wald (4) gibt es wie im Harz ein großes Luchs-Projekt. Es hilft den Tieren, endlich wieder richtig heimisch zu werden.

Fortpflanzung und Nachwuchs bei den Luchsen

Wie eure Hauskatze stromert auch der Luchs am liebsten als Einzelgänger durch die Wälder und Moore. Nur von Februar bis April sucht er den Kontakt zu seinen Artgenossen, denn in diesen Monaten ist Ranzzeit. So wird die Paarungszeit der Wildkatzen genannt. Der Name leitet sich von den sogenannten Ranzrufen, also langgezogenen Lauten, ab, die die Katzen auf der Suche nach einem Partner ausstoßen.

Haben sich zwei Luchse gefunden, hält sich das Männchen mehrere Tage in der Nähe seiner Partnerin auf und verteidigt sie gegenüber etwaigen Konkurrenten. Doch seine Beschützerrolle lebt er nur kurz aus, denn nach der Paarung verlässt er das Weibchen schnell wieder.

Luchs

Ein Luchsjunges auf der Pirsch

Sie hingegen zieht sich in eine Felshöhle zurück, um dort zweieinhalb Monate später bis zu fünf Junge zur Welt zu bringen. Die Kleinen haben bei der Geburt bereits ein flauschiges Fell. In den ersten fünf Monaten werden die Kleinen gesäugt. Doch ihr Hunger ist so groß, dass sie schon nach vier Wochen von den Beutetieren naschen, die ihre Mutter fängt.

Bis zum kommenden Frühjahr bleiben die kleinen Luchse bei ihrer Mutter. In dieser Zeit spielen und raufen sie mit ihren Geschwistern – und erkunden die Wälder, in denen sie sich bald ein eigenes Revier suchen. Dabei müssen sie sich vor allem vor Braunbären und Wölfen in acht nehmen.

Neben diesen natürlichen Feinden sind Luchse besonders durch den Menschen gefährdet, da unsere Straßen häufig durch den Lebensraum der scheuen Wildkatzen führen. Nachdem Luchse lange Zeit gejagt wurden, hat der Versuch, die Tiere vermehrt auszuwildern, ihrem Aussterben erfolgreich entgegen gewirkt. Heute leben weltweit wieder mehr als 50.000 Exemplare dieser faszinierenden Wildkatze.

Ein Luchs auf großer Reise
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