Es war einmal eine Tierart...


Nur schwer lassen sich ausgestorbene Tierarten anhand ihrer Skelette und anderer Spuren rekonstruieren. Wie sahen die Arten damals aus? Wo und vor allem wie lebten sie eigentlich? Ein Buch hat jetzt die aufregendsten Exemplare zusammengestellt

Jährlich veröffentlicht die Weltnaturschutzorganisation IUCN eine Rote Liste gefährdeter Arten - auch dieses Jahr sind die Zahlen erschreckend: Jedes vierte Säugetier, 13 Prozent der Vögel, knapp die Hälfte aller Amphibien und unzählige Bäume sind vom Aussterben bedroht. Insgesamt wurden rund 63.000 Tier- und Pflanzenarten untersucht, 19.000 stehen nun auf der Liste - fast jede dritte Art ist also vom Aussterben bedroht!

Für die katastrophale Situation der Natur ist in den meisten Fällen der Mensch verantwortlich: Klimawandel, Abholzung, unermüdliches Jagen - viele Faktoren tragen dazu bei, dass sich die Bestände immer weiter verringern und schließlich ganze Arten aussterben. So erging es zum Beispiel den Tretretretres: Um 1700 starben die auf Madagaskar beheimateten Lemuren, eine Affenart, aus. Kurz nachdem der Mensch sich in ihrem Gebiet angesiedelt hatte. Dasselbe Schicksal ereilte den Europäischen Löwen, den Dodos (einer Vogelart) und den Glyptodonen (einem Riesengürteltier) - und vielen unzähligen anderen Tieren.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass 99 Prozent aller Tierarten, die jemals auf der Erde lebten, bereits ausgestorben sind. Parallel entstehen aber natürlich auch neue Arten, die uns zum Staunen bringen. Die ausgestorbenen Tiere allerdings bleiben für immer verloren, und nur noch anhand von Skeletten und anderer Funde können wir etwas über ihr Aussehen und ihre Lebensweise erfahren. Genau das haben Hélène Rajcak und Damien Laverdunt gemacht. In ihrem Buch "Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren" beschreiben sie faszinierende Tiere, die bereits in Vergessenheit geraten sind, weil die letzten Exemplare schon vor langer Zeit starben. Einige davon stellen wir euch vor:

Riesenalk

Er wog bis zu fünf Kilo und erreichte eine Größe von knapp einem Meter. Trotz seines schwarz-weißen Gefieders und der Schnabelform ist der Riesenalk nicht mit den Pinguinen verwandt - sein Lebensraum war nämlich nicht der Südpol, sondern der Nordatlantik. Zehn Monate des Jahres verbrachte der ausgezeichnete Schwimmer im Meer. In der übrigen Zeit nistete er an Land und zog dort sein Junges groß. Wegen seines fetthaltigen Fleisches und seiner Federn machten die Menschen ab dem 16. Jahrhundert verstärkt Jagd auf den Riesenalk. Da er nicht fliegen konnte und noch dazu sehr zutraulich war, dauerte es nicht lange, bis die Art um 1844 endgültig ausgerottet war.

Fast 200 Jahre gibt es den Riesenalk nun schon nicht mehr
Fast 200 Jahre gibt es den Riesenalk nun schon nicht mehr
© Verlagshaus Jacoby & Stuart/Berlin

Karolinasittich

Vor rund 100 Jahren wurde der letzte Karolinasittich gesehen
Vor rund 100 Jahren wurde der letzte Karolinasittich gesehen
© Verlagshaus Jacoby & Stuart/Berlin

Grün, gelb, orange war das Gefieder der Karolinasittiche. Die Vögel lebten im Südosten der USA und ernährten sich von den Früchten der vielen Obstplantagen. Aus diesem Grund sahen die Menschen sie als Schädlinge an und begannen damit, die Vögel zu vernichten. Schnell schrumpfte die Zahl der Tiere von mehreren Millionen Exemplaren, 1918 war der Karolinasittich ausgestorben. Die Loyalität der nachtaktiven Tiere wurde ihnen zum Verhängnis: Die Sittiche waren ihrem Schwarm verbunden und konnten Einsamkeit nur schwer verkraften. Wurde bei der Jagd ein Exemplar getroffen, blieben die anderen treu an seiner Seite und waren für den Menschen natürlich leichte Beute.

Wollhaarmammut

Seinen Namen erhielt das Tier wegen seines dichten Winterfells - bis zu 90 Zentimeter lang waren seine Fellhaare. Damit war das Wollhaarmammut perfekt geschützt gegen die eisigen Temperaturen, die vor 15.000 Jahren in seiner sibirischen Heimat herrschten. Doch dann änderten sich plötzlich die Klimaverhältnisse: Die Erde erwärmte sich, aus riesigen Grassteppen wurden Tannenwälder, in denen das Mammut keine Nahrung mehr fand. Die Tiere schafften es nicht, ihre Ernährung an die neuen Gegebenheiten anzupassen und wurden immer schwächer. Von diesem Umstand profitierte der Mensch, der das Wollhaarmammut nun viel leichter erlegen konnte.

Das Wollhaarmammut starb vor 15.000 Jahren aus
Das Wollhaarmammut starb vor 15.000 Jahren aus
© Verlagshaus Jacoby & Stuart/Berlin

Riesenfaultier

Ein Riesenfaultier gab es zuletzt vor 10.000 Jahren
Ein Riesenfaultier gab es zuletzt vor 10.000 Jahren
© Verlagshaus Jacoby & Stuart/Berlin

Ein Körpergewicht von drei Tonnen, eine Größe von vier Metern und dazu lange, spitze Krallen - auf den ersten Blick muss das Riesenfaultier bestimmt furchterregend gewirkt haben. Doch der Pflanzenfresser aus Südamerika bewegte sich nur langsam durch die Regenwälder und ernährte sich von Blättern und Sträuchern. Um bei der Futtersuche an die hohen Blätter heranzukommen, stützte sich das Tier auf seinem Schwanz ab und hielt so das Gleichgewicht, wenn es mit dem Maul nach dem Futter schnappte. Das letzte Exemplar der Riesenfaultiere starb bereits vor 10.000 Jahren.

Noch mehr "Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren" gibt es im Buch von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt zu entdecken. Hier findet ihr interessante Hinterginformationen zu den Arten, ihrem Verhalten und ihrem Lebensraum. Das Ganze wird durch bunte Illustrationen und spannende Comics perfekt abgerundet.

Verlagshaus Jacoby & Stuart, 77 Seiten,18,95 Euro, für Kinder ab 10 Jahren, www.jacobystuart.de

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