Sprache Warum wir uns manchmal versprechen

Manchmal bemerken wir unsere eigenen Versprecher erst, wenn die anderen schmunzeln oder lachen. Lest, warum uns manchmal Quatsch über die Lippen kommt und wie wir uns verhaspeln
Versprecher

Oft bringen uns Versprecher zum Schmunzeln

In diesem Artikel soll es um Verbrecher gehen. Äh… Versprecher, natürlich. Hoppla, da sind wir doch glatt im Satz gestolpert! Statistisch betrachtet verhaspeln wir uns alle zehn Minuten. Oder, anders ausgedrückt: etwa bei jedem 1000. Wort. Und dafür können wir uns jetzt mal kräftig auf die Schulter klopfen – denn das ist tatsächlich sehr selten.

Schließlich speichern wir in unserem Gehirn einen riesigen Wortschatz: rund 30 000 Begriffe, die wir aktiv, also immer wieder nutzen. Hinzu kommen weitere 250 000 Worte, die wir kennen und verstehen, aber kaum gebrauchen. Ein Versprecher ist da nur ein winziger Ausrutscher…

Wollen wir nämlich jemand anderem etwas Bestimmtes mitteilen, müssen wir innerhalb von Millisekunden die passenden drei, vier, fünf Begriffe aus unserem Archiv im Hirnkasten kramen und sinnvoll zu einem Satz zusammensetzen. Dabei greift das Gehirn auf die Grammatik als festes Gerüst zurück und passt die ausgewählten Wörter ein. Dann arbeiten mehr als  100 Muskeln an Stimmbändern und Zunge zusammen, wir formen Wörter – und sagen, was wir wollen. Meistens jedenfalls.

Manchmal kommt uns eben auch Quatsch über die Lippen. „Stiehste!“ etwa, weil wir versehentlich „Stimmt!“ und „Siehste!“ gemixt haben. Oder im Bauplan des Satzes passiert uns ein Montagefehler – und wir vertauschen die Position zweier Laute oder Worte: "Ich möchte bitte einen Käse mit Brötchen" statt "Ich möchte bitte ein Brötchen mit Käse."

Sprachwissenschaftler finden solche Versprecher klasse. Denn wenn unsere "Sprachproduktion" ab und zu mal hakt oder zusammenbricht, können sie Rückschlüsse darauf ziehen, wie sie überhaupt funktioniert und wie das Gehirn arbeitet.

Daher sammeln Forscher der Goethe-Universität in Frankfurt allerlei Verhaspler: Mehr als 8000 Versprecher haben sie seit den 1980er-Jahren gelistet und in verschiedene Gruppen geordnet. Denn selbst wenn wir uns versprechen, geschieht dies nicht einfach so – sondern nach Regeln, seht selbst!

Wie wir uns versprechen

Unsere Verhaspler lassen sich unterschiedlichen Fehlertypen zuordnen. Nämlich diesen hier:

Die Vertauschung

Beispiele:

  • "Kein Grund, den Sand in den Kopf zu stecken" statt "Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken."
  • "Wie geht’s?" – "Och, selbst. Und gut?" statt "Wie geht’s?" – "Och, gut. Und selbst?"

Die Frage auf die Antwort "Was sind eigentlich Vertauscher?" lautet: Versprecher, bei denen zwei Bestandteile unserer Äußerung ihren Platz wechseln. Ja ja, schon klar: Es ist die Antwort auf die Frage…

Der Nachklang

Beispiele:

  • "Sie hatte fürchterliche Gewissensgebisse" statt "Sie hatte fürchterliche Gewissensbisse."
  • "Das ist aber eine Verschwendung, die da zum Vorschwein kommt!" statt "Das ist aber eine Verschwendung, die da zum Vorschein kommt!"

Wiederholen wir Laute, Silben oder Worte, nachdem wir sie bereits an der richtigen Stelle benutzt haben, handelt es sich um einen Nachklang-Verhaspler.

Der Vorklang

Beispiele:

  • "Er fährt Sappelschlepper" statt "Er fährt Sattelschlepper."
  • "Sie bewirbt sich als Laberarbeiterin" statt "Sie bewirbt sich als Lagerarbeiterin."

Welch ein Hackhick … äh … Hickhack! Bei Versprechern aus der Gruppe der Vorklänge nehmen wir versehentlich Konsonante (Mitlaute) oder Vokale (Selbstlaute) unserer Äußerung vorweg, manchmal sogar ganze Worte.

Der Ersatz

Beispiele:

  • "Ich schmücke mich nicht mit fremden Fehlern!" statt "Ich schmücke mich nicht mit fremden Federn!"
  • "Die Bestechung beginnt um 15 Uhr" statt "Die Besprechung beginnt um 15 Uhr."

Verwählt! Manche Wörter sind ähnlich aufgebaut oder klingen ähnlich. Ab und zu »greifen« wir daneben, wenn wir im Hirnkasten nach dem richtig Begriff suchen. Und heraus kommt Quatsch mit Dose!

Die Verschmelzung

Beispiele:

  • "Da bin ich aus allen Socken gefallen" statt entweder "Da bin ich aus allen Wolken gefallen" oder "Da bin von den Socken."
  • "Pass mal zu!" statt entweder "Pass mal auf!" und "Hör mal zu!"

Aus zwei mach eins: Verschmelzungsversprecher passieren uns gern mal, wenn wir etwa zwei Redewendungen oder Sprichwörter im Kopf haben, die eine ähnliche Bedeutung haben.

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