Zum Brüllen! Wieso hört sich Geschrei so unangenehm an?

Dieser Text ist zum Brüllen! Schließlich beantworten wir damit, warum Schreien – diese lauteste Art der Kommunikation – manchmal ganz schön sinnvoll ist …
Gebrüll

Einatmen, liebe Leser! Saugt die Luft ein, bugsiert sie aus der Lunge durch die Stimmritze in eurem Kehlkopf und – SCHREEEEIT! BRÜÜÜÜÜÜLLLT! Genau so, nur: L-A-U-T-E-R!

Na, wie hört sich das an? Donnernd, vielleicht auch schrill, klar. Aber es klingt irgendwie auch alarmierend, erschreckend, unangenehm, nicht wahr? Vielleicht sind sogar eure Eltern oder Geschwister herbeigeeilt, um nachzusehen, ob etwas passiert ist...

Je schneller Töne sich verändern, desto stärker reagiert das Gehirn

Warum wir Gebrüll als un angenehm empfinden, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main erforscht: Sie sammelten menschliche und künstliche Geräusche und spielten sie Versuchspersonen vor. Diese empfanden Schreie im Gegensatz zu anderen Tönen als besonders unangenehm. Nicht etwa, weil sie so laut sind – sondern weil sie einzigartig stark in ihrer Lautstärke und/oder Tonhöhe schwanken. Je schneller Töne sich auf diese Weise verändern, desto stärker reagiert die so genannte Amygdala, das Alarmzentrum in unserem Hirn. Sie versetzt uns in den Überlebensmodus – und macht uns handlungsbereit.

Das Gebrüll war für unsere Vorfahren praktisch, etwa um die Familie vor einem nahenden Säbelzahntiger zu warnen. Auch heutzutage können wir mit einem Schrei noch Leben retten, etwa wenn wir ein Kind mit einem schmetternden „Vorsicht!“ daran hindern, auf die Straße zu laufen. Wir kreischen aber auch, wenn uns Gefühle übermannen, etwa weil wir vor Freude völlig aus dem Häuschen sind oder aber – stinksauer. Stauen sich Gefühle wie Verzweiflung oder Wut an, passiert es schon mal, dass wir brüllen, um wie ein Teekessel Dampf ab zu lassen. Bis zu 115 Dezibel schafft solch ein Ausraster auf der Lautstärkeskala. Da ist eine Kreissäge leiser!

Übrigens, Babys schaffen sogar bis zu 120 Dezibel. Das entspricht der Lautstärke eines startenden Düsenjets. Für die Kleinsten ist es allerdings auch überlebenswichtig, sich durch mächtiges Gebrüll die Aufmerksamkeit der Eltern zu sichern. Sie können ja noch nicht sprechen und brauchen Hilfe beim Essen oder weil ihnen etwas wehtut.

Aber: Laut zu brüllen hat auch später noch Sinn – zumindest bei Schmerzen. Denn dabei bilden wir das Stresshormon Cortisol. Je mehr davon durch unsere Adern fließt, desto besser halten wir kurzfristig Schmerzen aus und empfinden sogar Kraft – wie ein Superheld!

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