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Beruf Optiker/in

Beruf: Ein Optiker sorgt dafür, dass Menschen mit einer Sehschwäche eine passende Brille bekommen
Ein Optiker sorgt dafür, dass Menschen mit einer Sehschwäche eine passende Brille bekommen
© Colourbox
Tragt ihr eine Brille oder kennt ihr jemanden, der eine auf der Nase sitzen hat? Wir haben einen Optiker getroffen und ihn gefragt, was er alles können und worauf er bei der Auswahl einer Brille achten muss

Berufsbild Optiker/in

Eigentlich ist Harald Richter ein kleiner Physiker. In seinem Geschäft setzt er sich Tag für Tag mit der Lehre vom Licht auseinander - der Optik. Er kennt die physikalischen Grundlagen des Sehens; weiß, wie man der Natur mit Hilfe von geschliffenem Glas auf die Sprünge helfen kann und wie man optische Maschinen bedient. Weil der 61-Jährige gleichzeitig auch noch Handwerker ist, kann er auch Glas oder Kunststoff so schleifen, dass es zur Sehhilfe wird. Er weiß wie man Brillen anpasst und Bügel fachgerecht in Form biegt. Und als ob das noch nicht genug wäre, ist Harald Richter auch noch Stilberater.

Denn: Harald Richter ist Augenoptiker. Seit 44 Jahren sorgt er dafür, dass seine Kundinnen und Kunden wieder sehen wie die Adler.
Und weil Herr Richter seinen Beruf schon so lange macht, weiß er auch, dass in den vergangenen Jahrzehnten eine waschechte Brillenrevolution stattgefunden hat.

Als er selbst noch Lehrling war, gab es nur wenige Modelle. Brillen waren ziemlich scheußlich und hatten auch in Sachen Farbe wenig zu bieten. Das änderte sich erst in den 70er Jahren. Plötzlich gab es Brillen mit Kunststoffgläsern und es ging bunt zu. „Heute muss sich keiner mehr Brillenschlange schimpfen lassen", ist sich Harald Richter sicher. Die Brille sei zum Modeaccessoire geworden - und Popstars wie Anastacia geben ihm Recht. Die Sängerin hat eine ganze Brillensammlung. Herr Richter hat zwar keine Sammlung, aber immerhin fünf eigene Brillen zu Hause.

Gute Beratung ist wichtig

Die meisten seiner Kundinnen und Kunden haben nur eine einzige Brille. „Und wenn sie sich eine neue aussuchen, muss die hundertprozentig zu ihnen und ihrem Sehfehler passen", weiß Harald Richter. Wenn ein Kunde oder eine Kundin seinen Laden betritt, ist es die Aufgabe des Optikers zu messen, welche Glasstärke der Brillenträger braucht, um alles glasklar sehen zu können. Danach muss Herr Richter den Augenabstand der Kundin oder des Kunden checken, um später die Gläser richtig in die Fassung einpassen zu können.

Menschen mit Brille wollen aber nicht nur gut sehen - sondern auch klasse aussehen. Deshalb gehört es zum Job des Optikers seinen Kundinnen und Kunden zu sagen, welches der circa 500 Modelle im Laden ihnen am besten steht (ganz diplomatisch natürlich, damit keiner beleidigt ist). Der Brillenexperte achtet darauf, dass die Form der Brille zur Kopfform der Menschen passt, dass die Farbe stimmt und die Fassung nicht zu groß ist.

Welche Gläser für welchen Brillentyp?

Als ob das nicht schon genug wäre, sollte Harald Richter seine Kundinnen und Kunden dann auch noch so richtig ausquetschen, um heraus zu finden, was sie mit der Brille vorhaben. Müssen sie viel in die Weite gucken oder vor allem auf Dinge, die ganz nah sind? Sitzen sie den ganzen Tag hinterm Steuer oder am Bildschirm? Nur wenn der Optiker weiß, wo die Brille in Zukunft zum Einsatz kommen soll, kann er die Kundinnen und Kunden in Sachen Gläser richtig beraten. Ein Taxifahrer braucht schließlich ganz andere Gläser als eine Juristin, die ihre Nase den ganzen Tag in Büchern hat. Und weil Kinder nicht nur am Computer sitzen und GEOlino.de lesen, sondern ab und an auch mal draußen toben oder Fußball spielen, empfiehlt er ihnen Gläser aus Kunststoff. Außerdem weiß der Optiker, dass die Nasenrücken von Kindern den Brillen noch nicht so viel Halt bieten, wie die Nasen der Erwachsenen. Damit die Sehhilfe trotzdem weder drückt noch rutscht, empfiehlt er tief sitzende, weiche Brücken und Bügel, die ums Ohr herum gehen.

Mathe und Physik

Welche Voraussetzungen muss jemand mitbringen, der Optiker oder Optikerin werden will? „Mindestens einen Realschulabschluss", meint der Optikermeister. Wer den nicht in der Tasche hat, tut sich später schwer in der Berufsschule. Schließlich gehöre zum Optikerhandwerk jede Menge Mathe und Physik. Die Lehrlinge müssen zum Beispiel berechnen wie Lichtberechung funktioniert. Wer da nicht mitkommt, kann den Beruf gleich wieder an den Nagel hängen.

Trotzdem genügt ein schlaues Köpfchen nicht, um später ein guter Optiker oder eine gute Optikerin zu werden. Wer zwei linke Hände hat, sollte sich besser einen anderen Job suchen. Wie in anderen technischen Berufen auch müssen die Lehrlinge in den ersten beiden der drei Lehrjahre erst einmal in die Werkstatt und dort üben, üben und noch mal üben. Die angehenden Optikerinnen und Optiker schleifen, feilen, nieten, bohren und schrauben was das Zeug hält - alles per Hand. „Natürlich gibt es dafür längst Maschinen", verrät der Optiker, „aber wer mal ein Glas per Hand geschliffen hat, bekommt einfach ein Gefühl dafür."

Wer Optikerin oder Optiker werden möchte, sollte außerdem ein Gefühl für Menschen haben. „Der Kontakt zu den Kundinnen und Kunden ist unglaublich wichtig", sagt Harald Richter. „Denn wer sich einmal schlecht beraten fühlt, kommt einfach nicht wieder."

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