GEOlino Nr. 05/11 - Auf Streife Seite 1 von 1


Text von Stefan Greschik

Schöne neue Welt

Nach der Katastrophe von Fukushima fordern viele Menschen hierzulande, Atomkraftwerke schnell abzuschalten. Stattdessen sollen Energiequellen wie Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme Strom liefern. Geht das? Es geht! GEOlino stellt euch eine saubere Zukunft mit vielen Windrädern, Solarkraftwerken und Stromautobahnen vor


 (Foto von: Ashley Cooper/Corbis)
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Um zu sehen, wie die Welt in Zukunft aussieht, gibt es mehrere Möglichkeiten: Man wartet. Was dann natürlich etwas dauert. Oder man steigt einfach in ein Boot. Man schippert an der Insel Borkum vorbei in die Nordsee, und bald tauchen am Horizont zwölf Windräder auf. Erst erscheinen sie winzig. Doch dann wachsen sie mit jeder Minute. Höher und höher. Bis man sich so klein vorkommt wie eine Ameise. Kein Wunder: Vom Fuß bis zur Rotorspitze ist jeder der Riesen fast so hoch wie der Kölner Dom! Wenn sich die Rotoren durch die Luft schrauben, hört man ein tiefes Brummen. Die Rotoren treiben Generatoren an, die die Bewegung in Strom umwandeln. In sehr viel Strom: Wenn alle zwölf Windräder laufen, kann man damit 50 000 Haushalte versorgen!


Saubere Stars

"Alpha Ventus", so heißt das Feld mit den Windrädern, ist der erste Windpark Deutschlands auf offener See. In den nächsten Jahren sollen Dutzende solcher Parks auf der Ost- und Nordsee entstehen. Denn auf dem Meer bläst der Wind stärker und gleichmäßiger als an Land. Dort drehen sich bereits über 21 000 Rotoren. Windräder sind hierzulande die Stars unter den sauberen Stromerzeugern – doch nicht die einzigen. Wo man hinschaut, leuchten auf Dächern Solarzellen, die Sonnenlicht einfangen und Strom gewinnen. Im bayrischen Ort Straßkirchen bedecken die Anlagen Felder, die fast 200 Fußballplätze groß sind! Es gibt Biogasanlagen, die aus Mais oder Gülle Elektrizität gewinnen. Und an einigen Orten fördern Geothermie-Kraftwerke heißes Wasser aus der Tiefe. Damit kann man Dampf erzeugen und Turbinen antreiben – und schon hat man wieder Strom!


Hunderte Spiegel fangen Sonnenstrahlen in einem Solarkraftwerk bei Sevilla, Spanien, auf (Foto von: Michael Melford/National Geographic Society/Corbis)
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Hunderte Spiegel fangen Sonnenstrahlen in einem Solarkraftwerk bei Sevilla, Spanien, auf

Strom aus der Sahara

Bisher liefern all diese Techniken zusammen ein gutes Sechstel des Stroms in Deutschland. Doch nach der Katastrophe von Fukushima fordern viele Menschen: Die Atomkraftwerke müssen weg! Und die schmuddeligen Kohlekraftwerke am besten auch. Wir müssen den ganzen Strom aus Wasser, Wind, Erdwärme und Sonne gewinnen! Geht das? Wissenschaftler glauben ja. Sie haben einen Plan entwickelt, mit dem man sogar ganz Europa und Nordafrika mit "sauberem" Strom versorgen kann: "Desertec". Desertec ist zusammengesetzt aus "desert" – englisch: Wüste. Und "tec", was für Technik steht.

Und tatsächlich sieht der Plan vor, in der Wüste Sahara Solaranlagen zu bauen. Denn in Nordafrika brennt die Sonne das ganze Jahr über vom Himmel. Man müsste nur eine Fläche von der Größe Portugals mit Solarkraftwerken bedecken, rechnen die Experten vor, schon könnte man die Welt mit Strom versorgen! Und die Sahara ist 100-mal so groß wie Portugal! Klingt toll – allerdings hat das Ganze einen Pferdefuß: Die Sonne scheint nur tagsüber, nachts nicht. Aber die Menschen wollen auch bei Dunkelheit fernsehen oder sich ein Steak brutzeln.


Die Stromautobahn

Kein Problem, sagen die Experten. Man könne die Sonnenenergie in Wärmespeichern sammeln – und sie erst nachts in Strom umwandeln. Außerdem ließen sich die Solarkraftwerke durch andere Anlagen unterstützen: Durch Windparks wie Alpha Ventus und durch Solarzellen. Durch Erdwärme und Biogas. Dann muss man die Anlagen nur noch durch neue Strom-Autobahnen verbinden, schon sind die Leute versorgt. Wenn über der Nordsee Flaute herrscht, kommt der Strom für Ostfriesland eben aus Afrika. Und wenn die Kraftwerke in der Sahara ausfallen, bekommen die Marokkaner Strom aus einem isländischen Geothermie-Kraftwerk. Was aber, wenn Sonne und Wind schwächeln?

Selbst dann gibt es noch Pumpspeicher-Kraftwerke in Norwegen. Diese ähneln Wasserkraftwerken: Sie haben einen Stausee, aus dem Wasser durch Rohre nach unten fließt und Turbinen antreibt. Der Unterschied: Die Pumpspeicher- Kraftwerke besitzen Pumpen, die Wasser wieder nach oben in den See transportieren, wenn es mal zu viel Strom gibt. Sie sind also wiederaufladbar – fast wie Akkus. Klingt so, als ob wir uns auf die Zukunft freuen könnten.


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