Der lachende Protest

Eine rote, strahlende Sonne auf gelben Grund ist seit 36 Jahren das Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung. Eine 21-jährige Dänin entwarf sie um mit einem positiven Bild gegen Atomenergie zu protestieren

Als Anne Lund 1975 hörte, dass ganz in der Nähe ihres Wohnortes in Dänemark ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte, protestierte sie gemeinsam mit Freunden und Gleichgesinnten. Sie fanden Atomenergie zu gefährlich.

Unerwarteter Erfolg

Der lachende Protest

Dieses Sonnen-Logo wirbt gegen Atomkraft

Aus anderen Ländern kannte Anne Lund Symbole gegen Atomkraft. Zum Beispiel eine schwangere Frau, die von Neutronen bestrahlt wird. Doch keines gefiel der jungen Frau so gut, dass sie es übernehmen wollte. Alle Symbole hatten eine negative Bedeutung. Kurzerhand entwarf sie selbst eins. Meist trug sie eh Zettel und Filzstifte in ihrer Tasche mit sich herum, denn sie zeichnete gerne.

"Mehr als Kritzeleien waren es aber nie, die ich aufs Papier brachte", sagt Anne Lund dazu. "Eine Künstlerin hätte ich nie werden können." An einem Abend kurz vor einem großen Anti-Atom-Protest saßen sie und ihr Freund Søren Lisberg zusammen und überlegten, wie ein gutes Symbol aussehen könnte. Anne Lund holte ihre Entwürfe hervor. Eine dieser Zeichnungen gefiel ihrem Freund am besten: Es war eine strahlende, rote Sonne auf gelben Grund. Drei Wörter standen dabei: „Atomkraft? Nej tack“.

"Atomkraft? Nej Tack" ist dänisch und heißt übersetzt Atomkraft? Nein danke. "Mit der Frage wollen wir die Leute zum Diskutieren anregen", erklärt Anne Lund. Mit Erfolg: Seit 36 Jahren ist der Aufkleber das bekannteste Symbol gegen Atomkraft. In 45 Sprachen ist die lachende Sonne übersetzt worden. Über 20 Millionen Mal wurde die Sonne nachweislich gedruckt: Es gibt sie als Aufkleber, als Button, als Fahne oder gar als T-Shirt.

Dass die Sonne so bekannt wird, hatte Anne Lund nicht gedacht. "Aber im Stillen habe ich es mir sehr gewünscht", verrät sie. Ihr bedeutete es von Anfang an sehr viel, dass das Symbol Verbreitung findet, damit ihre Botschaft in die Welt hinausgetragen wird. In ihrer Heimat hatte Anne Lunds Sonne auf Anhieb Erfolg. Der Protest in Dänemark wuchs so stark, dass die Regierung keine Atomkraftwerke bauen liess. Das Land verzichtete auf Atomenergie.

Der lachende Protest

Anne Lund: Die Erfinderin der lachenden Sonne

In Deutschland hingegen laufen nach wie vor Atomkraftwerke. Jetzt nachdem es in Japan infolge eines Erdbebens zu einem Atomunfall in Fukushima kam, gehen hier auch wieder mehr Leute auf die Straße und protestieren für die Abschaltung der Atomkraftwerke. Anne Lunds strahlende Sonne ist weiterhin das Symbol des Widerstands. Der Dänin, die heute als Dozentin für Volkswirtschaft an einer Universität arbeitet, gehen dann zwei Dinge durch den Kopf: "Ich freue mich, dass meine lachende Sonne noch immer verwendet wird. Allerdings finde ich es bedauerlich, dass es nach wie vor Atomenergie gibt."

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