Orang-Utan-OP: Mama kann wieder sehen

Auf der Insel Sumatra in Indonesien wurde ein blindes Orang-Utan-Weibchen erfolgreich operiert. Jetzt konnte sie das erste Mal ihre Jungen sehen

Besonderer Eingriff

Gober hat langes rotbraunes Fell und große dunkle Augen. Doch das 40-jährige Orang-Utan-Weibchen kann nicht sehen. Bereits 2008 war die Affendame erblindet in die Quarantänestation von Batu Mbelin auf Sumatra in Indonesien gekommen. Dort werden Tiere aufgenommen, die vermutlich krank sind. Gober leidet an der Krankheit "Grauer Star", die auch bei Menschen verbreitet ist. Bei dieser Krankheit ist die Augenlinse getrübt und hinter der Pupille ist eine graue Färbung zu erkennen, die der Krankheit ihren Namen verleiht.

Zum Glück aber ist der "Graue Star" heilbar. Durch eine Operation kann dem Patienten zu neuem Augenlicht verholfen werden. Gober ist der erste Orang-Utan in Indonesien, bei dem solch ein Eingriff jemals durchgeführt wurde. Dr. Arie Umboh, ein bekannter indonesischer Augenarzt und Spezialist auf dem Gebiet "Grauer Star", der normalerweise nur Menschen operiert, hat ganze Arbeit geleistet. Unterstützt wurde er von zwei Tierärzten der Quarantänestation. Der Leipziger Verein Orang-Utans in Not e.V. hatte sich mit ihm in Verbindung gesetzt und so die Operation Gobers mit ermöglicht.

Orang-Utan-OP: Mama kann wieder sehen

Gober kann ihre Zwillinge Ganteng und Ginting nun endlich das erste Mal sehen

Tragische Familiengeschichte

Ein paar Jahre nachdem Gober in die Quarantänestation gekommen war, im Januar 2011, hatte sie Zwillinge bekommen. Doch das blinde Orang-Utan-Weibchen konnte ihre Jungen mit den Namen Ganteng und Ginting durch ihre Krankheit noch nie sehen. Ebenso wie der Vater der Zwillinge, der Orang-Utan Leuser. Denn er ist ebenfalls blind. Im Gegensatz zu Gober leidet er jedoch nicht am "Grauen Star", sondern ist durch Luftgewehrschüsse erblindet.

Nun kann zumindest ein Elternteil seine Jungen nicht nur riechen und fühlen, sondern auch sehen. Was für eine Freude das für die Mutter sein muss, kann man nur erahnen. Endlich kann Gober ihre Zwillinge ausgiebig betrachten. Und das wird auch immer wichtiger. Denn je älter die Jungen werden, desto mehr tollen und klettern sie auch herum. Da ist es schon gut, wenn Gober ihre beiden abenteuerlustigen Schützlinge im Auge behalten kann.

Hilfe für Orang-Utans

Gober ist nur einer von vielen Orang-Utans, die unsere Hilfe brauchen. Die Menschenaffen gehören zu unseren nächsten Verwandten. Doch sie sind vom Aussterben bedroht, da ihr Lebensraum, der Regenwald, immer weiter abgeholzt wird. Der Verein Orang-Utans in Not hat sich den Schutz und den Erhalt der letzten frei lebenden Orang-Utans auf Borneo und Sumatra zum Ziel gesetzt. Dazu gehört auch die Fürsorge für jeden einzelnen Orang-Utan, der ihre Hilfe braucht. Julia Cissewski, Vorsitzende des Vereins Orang-Utans in Not, ist dementsprechend glücklich, dass Gobers Operation so erfolgreich war und sagt: "Wir danken allen herzlich, die diese so besondere Operation ermöglicht haben und wir hoffen, in den kommenden Monaten weiteren Tieren auf dieselbe Weise helfen zu können". Das hoffen wir auch!

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