Wie wir Schule machen

Drei Mädchen wollen das Schulsystem verändern und haben kurzer Hand ein Buch darüber geschrieben. Erfahrt im GEOlino.de-Interview, was die Schülerinnen sich dabei gedacht haben

Schule ist für Kinder und deshalb sollten man auch Kinder fragen, wie sie Schule machen wollen, oder? Das sahen jedenfalls drei Mädchen so und haben kurzer Hand ein Buch darüber geschrieben. Im Interview haben wir Lara-Luna, Alma und Jamila ausgefragt, wie es dazu kam und was sie mit dem Buch bezwecken wollen.

Wie wir Schule machen

Jamila, Alma und Lara-Luna äußern im Buch "Wie wir Schule machen" ihre Meinung zum Schulsystem und schlagen Verbesserungen vor

Ihr wollt mehr erfahren?

Auf stern.de findet ihr weitere Infos rund um "Wie wir Schule machen" und den Pisa-Test der Mädchen.

GEOlino.de: Der Vorschlag für das Buch kam von Uli Hauser, einem Journalisten aus Hamburg, gemeinsam mit dem Knaus Verlag. Was hat euch an der Idee gefallen?

Alma, Lara-Luna und Jamila: Was wir so toll finden, ist, dass jetzt endlich mal diejenigen zu Wort kommen, um die es geht, nämlich wir, die Kinder. Und endlich können wir das sagen, was uns wichtig ist.

Ihr erwähnt, dass viele Lehrer gestresst, unfreundlich und desinteressiert an ihrem eigenen Fach sind. Was glaubt ihr, woher kommt das?

Lehrer werden doch Lehrer, um Kindern etwas bei zu bringen und um sie beim Lernen zu unterstützen. Sie möchten sie in einer freundlichen Lehrer-Schüler-Beziehung bis zum Erwachsenwerden begleiten. Nur leider geht das in dem normalen Schulkonzept nicht. Es ist eher eine Beziehungsverhinderungsanstalt. Deshalb sind die meisten Lehrer so gestresst und unglücklich. Sie dürfen und können nicht das machen, was Lehrer eigentlich machen sollten und weswegen sie Lehrer geworden sind.

Ihr geht sehr hart mit einigen Lehrern und Schulen ins Gericht. Hattet ihr keine Angst vor deren Reaktion auf das Buch?

Wir wollen doch keine anderen Schulen an den Pranger stellen, sondern nur zeigen, was wir für Vorschläge haben und was wir bereits an der ESBZ [Anmerkung der Redaktion: ESBZ = Evangelische Schule Berlin Zentrum] umgesetzt haben. Nein, Angst hatten wir vor deren Reaktion nicht. Wir sagen doch nur die Wahrheit und davor sollte man keine Angst haben müssen.

Eure Schule ist bereits nach euren Vorstellungen aufgebaut. Was macht dieses Schulsystem so besonders?

Wir werden auf das Leben vorbereitet, indem wir selbständig lernen dürfen. In verschieden Projekten können wir über uns hinaus wachsen und neue Dinge erfahren. Wir können so schnell oder so langsam arbeiten, wie wir es schaffen und haben keinen Druck. Wir dürfen uns sogar selbst für einen Test anmelden. Wir lernen Dinge, die wir nie lernen könnten, wenn wir den ganzen Tag nur in unseren Klassenräumen hocken würden. Das Schulsystem passt sich an uns an und nicht andersrum.

Ihr schreibt von Lernbüros, Projekttagen oder Herausforderungen. Was findet ihr persönlich am besten in eurem Stundenplan?

Die meisten finden sich in unserem Schulsystem wieder. Jeder Mensch ist anders und hat auch andere Interessen, so ist das auch bei uns. Unsere Lieblingsfächer sind: "Herausforderung", weil man mal was anderes als Schule macht. "Lernbüro", weil man so schnell oder so langsam arbeiten kann, wie man es schafft und "Tutor Gespräche", die bauen einen auf und geben einem jedes Mal neue Kraft und Mut.

Ihr wirkt sehr begeistert von eurer Schule. Aber seit mal ehrlich, gibt es nicht Tage, an denen auch ihr lieber im Bett bleiben würdet?

Wir sind ganz normale Menschen und es ist für jeden Mensch normal, dass man mal keine Lust auf ein Fach oder so hat. Aber bei uns ist es so, wenn wir zum Beispiel mal keine Lust auf Mathe haben, gehen wir halt zu Englisch. Und zu Mathe gehen wir dann eben an einem anderen Tag.

Ihr habt den Spieß umgedreht und einen eigenen Pisa-Test erstellt, in dem die Schulen statt der Schüler bewertet werden. Was erhofft ihr euch von dem Ergebnis?

Schüler sollen mehr zu Wort kommen. Und wir wollen zeigen, dass an manchen Schulen wirklich etwas falsch läuft und denjenigen dann helfen, etwas zu verändern.

Merkt ihr, dass euer Buch etwas verändert hat? Habt ihr bereits Rückmeldungen von anderen Schulen, Schülern oder Lehrern bekommen?

Schon sehr viele Lehrer, Eltern und Schüler haben sich an uns gewendet und wollen auch etwas verändern. Die meisten aber wissen leider nicht, wo sie anfangen sollen. Mit dem Buch wollten wir allen Menschen Mut und Kraft geben, denn auch sie können etwas verändern. Möglichst viele Kinder sollten daran teilnehmen. Wir wollen den Kindern eine Stimme geben.

GEO
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