Gefühle Wie man mit Kummer am besten umgeht

Egal wie fröhlich ein Mensch ist, wie optimistisch und gut gelaunt: Jeder fühlt ab und zu im Leben Kummer, ausgelöst durch Ängste, Sorgen oder Traurigkeit. Kummer lässt sich einfach nicht vermeiden. Wir haben uns mal umgehört, wie wir am besten mit diesem Gefühl umgehen
Kummer

Wer Kummer hat, neigt dazu, sich zurück zu ziehen

Kaum hat sie ein Gespräch beendet, klingelt Nina Pirks Telefon schon wieder. Schnell tippt sie noch ein paar Notizen in den Computer, sammelt sich, hebt wieder ab. „Das Telefon steht hier nur selten still“, sagt Nina Pirk. Sie arbeitet bei der „Nummer gegen Kummer“ in Wuppertal und ist eine von deutschlandweit 3300 ehrenamtlichen Beratern des Kinder- und Jugendtelefons.

Die Mädchen und Jungen, die sie anrufen, erzählen von der Angst vor dem nächsten Arztbesuch, von Mobbing in der Schule und im Internet, von Gewalt in der Familie. Nina Pirk hört zu und gibt Ratschläge. Zwei bis drei Stunden dauert ihre Schicht. Zwei bis drei Stunden, in denen sie versucht, Erste Hilfe bei Kummer zu leisten.

Auf Kummer reagiert der Körper mit Stress

Kummer empfinden wir alle, immer wieder. Dann werden wir nachdenklich, unkonzentriert, betrübt, bisweilen auch gereizt. Mal ist die Furcht vor der nächsten Mathestunde schuld, mal die Angst vor fiesen Mitschülern. Häufig trauen wir uns nicht, über unseren Kummer zu sprechen, weil wir uns schämen oder keine Schwäche zeigen wollen. Gestehen wir uns unsere Sorgen aber nicht ein und halten etwa Mobbing über lange Zeit einfach aus, schadet das unserer Gesundheit.

"Unser Körper reagiert mit Stress. Das heißt, er schüttet Hormone aus, die den KörRaus per in Alarmbereitschaft versetzen", sagt der Psychologe Manfred Wünsche aus Salzburg in Österreich. Diese Stresshormone sorgen dafür, dass wir schneller atmen, das Herz heftiger klopft und unsere Muskeln mit mehr Kraft arbeiten. Wir zittern, schwitzen, sind verspannt, wälzen uns Nacht für Nacht unruhig im Bett hin und her.

Darum ist es wichtig, den Kummer wahrzunehmen und herauszufinden, was seine Ursachen sind (lest dazu auch die Tipps unten). "Dann können wir etwas gegen unsere Probleme unternehmen und werden ihn auch wieder los", sagt Manfred Wünsche.

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Negative Gefühle lassen nach, wenn man über sie spricht

Übrigens: Schon Mimik und Körperhaltung eines Menschen verraten oft, ob jemand Kummer hat. "Er lässt die Schultern hängen und lächelt weniger", erklärt Manfred Wünsche. Und: "Er zieht sich zurück, hat keine Lust mehr, mit ins Kino oder Schwimmbad zu gehen." Bemerkt ihr das bei euren Freunden oder Geschwistern, sprecht sie unbedingt darauf an. Oder empfehlt ihnen, ihre Sorgen an anderer Stelle loszuwerden.

"Mit einem Gespräch kann man oft Schlimmeres verhindern", sagt Nina Pirk vom Kummertelefon. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: Forscher der Universität von Kalifornien in Los Angeles, USA, haben in psychologischen Tests herausgefunden, dass negative Gefühle wie Wut oder Traurigkeit nachlassen, wenn man es schafft, sie in Worte zu fassen. Also: raus damit!

Was tun bei Kummer?

Die meisten Menschen wollen ihren Kummer einfach schnell wieder loswerden – logisch. So einfach ist es nur leider nicht, sagt Psychologe Manfred Wünsche. Er empfiehlt:

  1. Akzeptiert zunächst, dass ihr euch fühlt, wie ihr euch fühlt – und verdrängt diese Gefühle nicht, auch wenn sie negativ sind. Anschließend könnt ihr nach der Ursache suchen: Macht es euch zu schaffen, dass ein Freund auf euch wütend ist? Oder wisst ihr nicht, ob ihr es in die nächste Klassenstufe schafft? Erlebt ihr vielleicht sogar Gewalt zu Hause?
     
  2. Sucht euch einen Gesprächspartner! Der kann euch auch helfen herauszufinden, warum ihr niedergeschlagen seid, wenn ihr selbst nicht genau wisst, warum dies so ist.
     
  3. Wenn es euch unangenehm ist, mit Freunden, Geschwistern oder Eltern über Probleme zu sprechen, findet ihr Hilfe beim Kinder- und Jugendtelefon, der Nummer gegen Kummer. Dort könnt ihr eure Sorgen bei professionellen Beratern loswerden. Über die Webseite erreicht ihr sie per Chat. Oder anonym und kostenlos am Telefon über die 11 61 11.
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