Buchtipp Die Belagerung

In Martin Baltscheits preisgekröntem Jugendbuch stellen hungrige Wölfe und ein harter Winter den Zusammenhalt einer Dorfgemeinschaft auf die Probe. Mit Leseprobe!

"Ich esse keinen Wolf!" Nadja schiebt die dampfende Schüssel weit von sich. "Die Leute sagen, wer Wolfsfleisch isst, kriegt falsche Kinder." Unbeeindruckt presst ihr der Vater einen Löffel in die Hand: "Was für Kinder willst du kriegen, wenn du im Frühjahr verhungert bist?"

Die Belagerung

Im Jahr 1927 setzt den Bewohnern des sibirischen Dorfs Pilowo ein außergewöhnlich langer und harter Winter zu. Als ihnen die Vorräte ausgehen, brechen die Menschen das bislang so friedliche Nebeneinander mit den Wölfen aus den umliegenden Wäldern. Bewährte Traditionen werden der Not geopfert. - Und die Sache rächt sich.

Denn Hunger und Kälte treiben auch ein Rudel Wölfe um. Immer öfter stehlen sich nachts einzelne Wölfe in das schlafende Dorf. Zuerst holen sie sich die Hunde. Später ein kleines Mädchen. Bis schließlich das ganze Rudel einen dichten Ring um die Holzhütten zieht und ihre Bewohner regelrecht belagert: Ein junger Wolf fragt: "Worauf warten wir?" "Wir warten, bis sie tot sind. Dann graben wir sie aus", antwortet ein alter Wolf. "Und wenn wir vor ihnen sterben?" "Dann haben sie Glück gehabt."

Fazit:

Martin Baltscheits Erzählung "Die Belagerung" soll auf einer wahren Begebenheit beruhen. So heißt es zu Anfang des Buches: "Erst ein Schutztrupp der Armee konnte verhindern, dass die Wölfe damals den ganzen Ort auslöschten." Zum Glück ist die Geschichte dennoch nicht darauf angelegt, euch Angst vor dem "bösen Wolf" einzujagen.

Vielmehr liefert der Autor eine kurze, schroffe Beschreibung von Größe und Versagen einer Dorfgemeinschaft in einer besonderen Notsituation - und lässt dabei viel Raum für eure eigenen Bilder.

Martin Baltscheits: "Die Belagerung", ab 12 Jahren, Bajazzo Verlag, 9,90 Euro

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