Redewendung Einen Toast aussprechen

Redewendung: Die Redewendung "einen Toast aussprechen" geht bis ins Mittelalter zurück
Die Redewendung "einen Toast aussprechen" geht bis ins Mittelalter zurück
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Habt ihr schon einmal den Ausdruck "einen Toast aussprechen" gehört? Wir erklären euch, was hinter dieser eigenartigen Redensart steckt

Redewendung: Einen Toast aussprechen

Es wird geredet und gelacht, gegessen und ausgelassen gefeiert: Merles Vater feiert seinen 50. Geburtstag in großer Runde und hat Freunde und Familie zum Essen eingeladen. Plötzlich ertönt ein lautes Klingeln – Merles Vater hat mit seinem Löffel an sein Glas geklopft, um die Aufmerksamkeit all seiner Gäste zu bekommen. "Ich möchte gern einen Toast aussprechen!", sagt dieser feierlich und blickt in die große Runde. Alle Gäste im Restaurant schauen ihn erwartungsvoll an, doch Merle ist verwirrt und blickt suchend vor sich auf den gedeckten Tisch: Einen Toast? Nirgends liegen Toastscheiben...

Usprung im 19. Jahrhundert

Die Redewendung "Einen Toast aussprechen" hat nichts mit dem Brot zu tun, an das Merle in unserer Geschichte zunächst gedacht hat – zumindest heutzutage nicht mehr: Spricht jemand redensartlich einen Toast aus, dann heben alle ihre Gläser und stoßen an. Doch warum nennt man es "einen Toast aussprechen", wenn eine Rede auf jemanden gehalten wird? Ein Toast hat schließlich nichts mit Gläsern oder Alkohol zu tun...?

Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Vergangenheit, genauer im England des 19. Jahrhunderts. Dort war damals der heimische Wein oft von eher mäßiger Qualität. Um den Geschmack und die Bekömmlichkeit zu verbessern, gaben adelige Gastgeber ein Stück geröstetes Weißbrot – im Englischen "toast" – in den Becher mit Wein. Dieses Brot nahm Aromen auf und konnte den Geschmack abrunden; der Wein schmeckte besser. Der Becher mit Wein und dem Stück Toast wurde dann bei Tisch herumgereicht, sodass jeder Gast davon kosten konnte.

Dieses Ritual des gemeinsamen Trinkens und Broteintunkens war eng mit feierlichen Anlässen verbunden, bei denen ohnehin Trinksprüche und Lobreden gehalten wurden. Und so ging mit der Zeit die Bezeichnung "toast" vom Brot auf den Trinkspruch selbst über: Erst war der "toast" das Brot im Wein, dann meinte man damit das gemeinsame Trinken auf jemanden. Bis heute hat sich daher der Ausdruck gehalten, wenn man auf etwas anstoßen will.

sho