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Weihnachts-Special


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Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte

Es ist die wohl bekannteste Weihnachtsgeschichte der Welt: Der geizige, alte Geschäftsmann Ebenezer Scrooge wird eines Nachts von drei Geistern besucht, die sein Leben komplett verändern


Charles Dickens Roman "Eine Weihnachtsgeschichte" ist bis heute an jedem Weihnachtsfest gegenwärtig. Das Buch wurde schon häufig verfilmt, und auch auf der Bühne kann man Ebenezer Scrooges aufregende Nacht mitverfolgen. 2012 wurde das Stück beispielsweise in Bremen unter dem Namen "Scrooge und die Geister der Weihnacht" aufgeführt wird. Die Bilder stammen aus diesem Stück.


Scrooge muss noch einmal miterleben, wie er als junger Mann das Geld seiner großen Liebe vorzieht - und wendet sich beschämt ab (Foto von: Kult Theater Bremen )
© Kult Theater Bremen
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Scrooge muss noch einmal miterleben, wie er als junger Mann das Geld seiner großen Liebe vorzieht - und wendet sich beschämt ab

Die Geschichte der Weihnachtsgeschichte

"Humbug!" - So bezeichnet der Geschäftsmann Ebenezer Scrooge (sprich Ebenieser Skruhdsch) Weihnachten, Güte und Mitgefühl: Das alles ist Unsinn in seinen Augen. Scrooge hat sich vollständig der Arbeit und seinem Geld verschrieben.

Es ist Heilig Abend, am Ende des 19. Jahrhunderts. Wie jedes Jahr schlägt Scrooge die Einladung seines Neffen zum Weihnachtsessen aus, beschimpft seinen treuen Mitarbeiter Bob Cratchit, faul zu sein, und weigert sich, den Armen an den Feiertagen Geld zu spenden.

In dieser Nacht erscheint plötzlich der Geist von Jacob Marley, Scrooges ehemaligem Geschäftspartner. Marley rät dem alten Mann, dringend sein Leben zu ändern. Denn wenn er weiterhin so kaltherzig und geizig bleibt, wird er nach dem Tod in alle Ewigkeit dafür büßen. Kurz vor seinem Abschied kündigt Marley drei weitere Geister an, die Ebenezer besuchen werden.

Der erste Geist ist jener der vergangenen Weihnacht. Er führt Scrooge auf eine Reise in seine Vergangenheit. Sie besuchen einige Weihnachtsfeste in Ebenezers Kindheit, auch jenes, an dem er seine große Liebe kennenlernte. Dann zeigt der Geist das Weihnachten, an dem Scrooge diese große Liebe endgültig des Geldes wegen verlässt. Scrooge ist von diesen Erinnerungen erschüttert und bittet den Geist, ihn gehen zu lassen. Der Geist verschwindet.


Der Geist der gegenwärtigen Weihnacht erscheint, um Scrooge auf seine zweite Reise mitzunehmen (Foto von: Kult Theater Bremen )
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Der Geist der gegenwärtigen Weihnacht erscheint, um Scrooge auf seine zweite Reise mitzunehmen

Der zweite Geist in dieser Nacht ist jener der gegenwärtigen Weihnacht. Er bringt Scrooge zu seinem verarmten Sekretär Bob Cratchit und dessen Familie. Cratchit wird immer sehr schlecht von seinem Arbeitgeber behandelt. Obwohl die Familie fast nichts besitzt, feiert sie ein schönes Weihnachten und spricht sogar einen Trinkspruch auf Scrooge aus. Hier sieht der alte Mann auch Tim Cratchit, den jüngsten Sohn des Angestellten, der aufgrund einer Behinderung nur mit Krücke gehen kann und sehr abgemagert ist. Zum ersten Mal seit langer Zeit zeigt Scrooge Mitgefühl und fragt den Geist, ob Tim noch lange zu leben hat. Der Geist verneint und entlässt damit den fassungslosen Geschäftsmann.


Entsetzt merkt Scrooge, dass in der zukünftigen Weihnacht niemand um ihn trauert, als er stirbt (Foto von: Kult Theater Bremen )
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Entsetzt merkt Scrooge, dass in der zukünftigen Weihnacht niemand um ihn trauert, als er stirbt

Der dritte Geist, der Scrooge besucht, ist der unheimlichste von allen. Er spricht nicht und bringt den bereits erschöpften alten Mann zur zukünftigen Weihnacht. Dort unterhalten sich die Menschen auf der Straße über einen alten, geizigen Mann, der vor kurzem verstorben sei, und dem wohl niemand nachtrauert. Scrooge versteht, dass es sich bei dem unbeliebten Geizkragen um ihn selbst handelt und ist nun vollends gebrochen. Er verspricht verzweifelt, sich zu ändern.

Als Scrooge am Morgen in seinem Bett aufwacht, stellt er fest, dass nur eine Nacht vergangen und nun Weihnachten ist. Sofort stürzt er auf die Straße, kauft einen großen Truthahn für Bob Cratchit und dessen Familie und nimmt die Einladung seines Neffen zum Weihnachtsessen an. Dann spendet er eine großzügige Summe für die Armen.

Das Buch "Eine Weihnachtsgeschichte" endet damit, dass Scrooge sich endlich zum Besseren verändert und sich auch des kleinen Tim Cratchit annimmt, dem es bald erheblich besser geht.


Ein Kassenschlager, der nicht reich machte

Charles Dickens, einer der berühmtesten Schriftsteller Englands, schrieb "A Christmas Carol", wie "Eine Weihnachtsgeschichte" im Original heißt. Das Buch wurde am 19. Dezember 1843 erstmals veröffentlicht. Dabei musste Dickens noch selbst für den Druck bezahlen, weil sein Verleger das Geld nicht aufbringen konnte. Das Buch wurde bald zum Verkaufsschlager, aber reich wurde Dickens davon nicht: Es gab zu dieser Zeit noch keinen Urheberschutz in England, weshalb bald viele Raubkopien des Buches verkauft wurden. Dickens verklagte die Verantwortlichen zwar vor Gericht, gab bei den Verhandlungen aber sein ganzes, mit dem Buch verdientes Geld aus. Das war aber nicht sehr schlimm, denn Dickens hat noch einige andere erfolgreiche Werke geschrieben, die heute als wahre Schätze der Literatur gelten: Zum Beispiel Oliver Twist oder David Copperfield. Ein sehr bekannter Magier fand durch diesen Roman seinen Künstlernamen.


Dickens Vermächtnis

Viele von Charles Dickens' erschaffene Charaktere sind heute so bekannt, dass sie sogar schon in der englischen Sprache verwendet werden. So wurde auch die Figur von Ebenezer Scrooge unsterblich. In England wird ein Geizkragen nämlich als "scrooge" bezeichnet, ebenso auch eine Person, die sich ständig beklagt. Und auch in Amerika ließ sich ein berühmter Comic-Zeichner von der Romanfigur Ebenezer Scrooge beflügeln. Er schuf nach der Vorlage des alten, mürrischen Geizhalses eine der bekanntesten Comicfiguren unserer Zeit. Ihr deutscher Name spiegelt diesen Ursprung nicht wieder, wohl aber ihr amerikanischer Name: Es handelt sich dabei um eine Ente namens "Scrooge McDuck". Und das ist kein Geringerer als der größte Geizhals der Comic-Welt: Dagobert Duck höchstpersönlich. Der Erfinder von Donald, Dagobert und Co., Carl Barks, benannte seine Schöpfung nach Ebenezer Scrooge und gab ihm dessen Aussehen. Doch wie auch Ebenezer Scrooge wandelt sich Dagobert Duck vom miesepetrigen Knauser zu einer Person mit Mitgefühl und Herz.

Und das ist wohl das größte Vermächtnis der "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens: Die Botschaft, dass Güte und Mitgefühl für die Mitmenschen zu den höchsten Gütern der Menschheit zählen. Nicht nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr über.




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