Buchtipp Oliver Twist

Bereits im 19. Jahrhundert kritisierte Charles Dickens den öffentlichen Umgang mit Kinderarmut. In seinem Buch "Oliver Twist" führt er seinen Zeitgenossen ihr schlechtes Verhalten vor Augen
Oliver Twist

Die englischen Armenhäuser des 19. Jahrhunderts sind bekannt für ihre sonderbare Auffassung von Wohltätigkeit. So wuchsen die jungen Waisen dort heran, "ohne von Kleidung und Nahrung allzu sehr belästigt zu werden", freilich aber nicht ohne von Züchtigung oder harten Worten verschont zu bleiben.

Auch Oliver Twist wird eine derartige Fürsorge zuteil. Im Armenhaus lebt der mittellose Waise bereits seit seiner Geburt. Seitdem fristet er das traurige Dasein "eines zum Hungern bestimmten Lasttiers, das von allen verachtet und von niemand bemitleidet, durch die Welt geknufft und gepufft wird".

Doch eines Tages hat Oliver genug! Mit gerade mal zehn Jahren läuft er seinen "Wohltätern" davon und schlägt sich bis nach London durch. Zerlumpt und halb verhungert liest ihn dort sieben Tage später der verschlagene Hehler Fagin von der Straße auf. Für Brot und Unterkunft stiftet er Straßenjungen zu Diebstählen an. Und wie Oliver bald zu spüren bekommt, ist es gar nicht so einfach Fagins Fängen wieder zu entkommen.

Fazit:

Charles Dickens Geschichte von dem benachteiligten Waisenjungen "Oliver Twist", der über viele Umwege doch noch sein Glück findet, zählt zu den bekanntesten Jugendbuchklassikern. Schon die Originalausgabe von 1837 erregte großes Aufsehen: Erstmals prangerte ein englischer Autor die damaligen Armengesetze an, unter denen vor allem Kinder zu leiden hatten. So führte "Oliver Twist" teilweise zu einem Umdenken in der frühindustriellen Gesellschaft. Kritische Stimmen hingegen warfen Charles Dickens vor, dass er - gewollt oder ungewollt - mit der Figur des geldgierigen Juden Fagin ein antisemitisches Stereotyp geschaffen hat. An anderen Stellen wiederum bedient sich der Autor treffsicher dem Stilmittel der Überzeichnung, um die Scheinmoral mancher Bürger zu verdeutlichen.

"Oliver Twist" ist trotz mancher Schwächen dennoch ein zeitloses Meisterwerk der Jugendliteratur - spannend, ironisch und sprachlich brillant. Die Themen "Kinderarmut" und "Kinderkriminalität" sind sowohl in Europa, als auch in anderen Teilen der Welt weiterhin von dringlicher Aktualität.

Charles Dickens: "Oliver Twist", ab 12 Jahren, Ueberreuter, 8,95 Euro

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