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Den Rubikon überschreiten


Vorsicht! Auch ein Sprung in eine Matschpfütze kann dazu führen, dass man einen ganz bestimmten Fluss überquert: den Rubikon. (Foto von: Michael Roberts/Flickr/Getty Images)
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Vorsicht! Auch ein Sprung in eine Matschpfütze kann dazu führen, dass man einen ganz bestimmten Fluss überquert: den Rubikon.

Mit Anlauf springt Lotta in die Pfütze, es spritzt, die Hose von ihrem Vater wird nass und Lotta lacht. Denn meistens nimmt ihr Vater so etwas gelassen hin. Als aber der Spaziergang durch den Wald weitergeht und Lotta Anlauf auf eine riesige Matschpfütze nimmt, hört für den Vater der Spaß auf: "Wenn du da hineinhüpfst, ist der Rubikon überschritten, hörst du?" Das klingt für Lotta nach einer Drohung. Aber wer oder was ist der Rubikon? Überschreiten kann man Grenzen oder Flüsse, aber auf dem Waldweg gibt es nur Pfützen, denkt sich Lotta.


Die Redewendung "den Rubikon überschreiten" beschreibt eine Handlung, nach der es kein Zurück mehr gibt. Wenn Matsch auf die Kleider von Lottas Vater käme, würde er wirklich sauer werden. Dann würde die Stimmung kippen, er würde schimpfen, vielleicht mit Hausarrest drohen und der schöne Nachmittag wäre dahin. Lotta macht also lieber einen Bogen um die Pfütze.

Sie hatte auch den richtigen Gedankengang: Der Rubikon ist ein Fluss und es gibt ihn wirklich, nämlich in Norditalien. Bestimmt haben ihn schon sehr viele Leute überschritten, ohne dass etwas passiert ist. Aber ein Mal hatte es doch große Folgen. Das war im Jahr 49 vor Christus, als Julius Cäsar mit seinem Heer den Rubikon überschritt. Er war nach Rom beordert worden und wusste, dass er dort angeklagt werden würde. Doch er missachtete den Befehl und überquerte mit seinen Truppen den Rubikon in südlicher Richtung, also auf Rom zu. Da es damals verboten war, diesen Grenzfluss bewaffnet zu übertreten, war dies eine Kriegserklärung! Und so kam es dann auch zwischen Cäsar und dem Römischen Staat zu einem Bürgerkrieg, den Cäsar schließlich gewann.

Im Januar 2012 wurde diese Redewendung in den Medien häufig zitiert, denn Bundespräsident Christian Wulff soll sie benutzt haben. Er hatte Kai Diekmann, dem Chefredakteur der "Bild", im Dezember 2011 auf die Mailbox gesprochen und wollte erreichen, dass "Bild" nicht über Wulffs Kreditaffäre berichtet. Wulff soll gesagt haben, dass der Rubikon überschritten sei, wenn "Bild" den Artikel schreibt. Deshalb wurde Wulff vorgeworfen, er habe der Presse gedroht. Und da die Pressefreiheit ein hohes Gut ist, wurde ihm das fast übler genommen als die ursprüngliche Geschichte mit dem Kredit.


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