Geschichte Warum sich Mensch und Hund so gut verstehen

Seit mindestens 14000 Jahren leben Menschen und Vierbeiner zusammen, Jahrtausende länger als mit jedem anderen Haustier. Warum aber kam es zu diesem wundersamen Bündnis?
Hund und Mädchen schlafen

Das Beweisstück taucht im Norden Israels auf – aus dem Nichts: weit und breit nur ödes, sonnengebackenes Land. Das Archäologen-Team um Simon Davis und François Valla fahndet hier Ende der 1970er Jahre nach Fossilien, Überresten längst vergangener Zeiten. Es ist Schwerstarbeit. Ihre Schaufeln und Spitzhacken dringen nur Zentimeter in den betonharten Boden. Plötzlich wirft einer sein Werkzeug beiseite, pustet, pinselt. Er ist auf das Grab eines Menschen gestoßen. Darin: das rund 12000 Jahre alte Skelett einer Frau. Ihre Hand ruht schützend – auf dem knöchernen Körper eines Hundewelpen!

Alte Freunde

Es ist ein früher Beleg für die lange und vor allem innige Beziehung zwischen Mensch und Hund – wissenschaftlich Canis lupus familiaris.  Keine andere Tierart ist so früh von den Menschen aufgenommen worden wie er: Seit mindestens 14 000 Jahren leben sie eng zusammen. Kein anderes Tier hat uns so unbedingt überallhin begleitet: Wo immer auf der Welt der Mensch seinen Fuß hinsetzte, lassen sich meistens auch Hundefährten finden. Und kein anderes Tier braucht den Menschen so sehr: Ein Hund ohne Zuwendung wird komisch und dann krank.
Warum aber wurde ausgerechnet ein Räuber zu unserem engsten und – wie sich nun herausstellt – verständnisvollsten Gefährten?
Sicher ist eines: Hunde stammen vom Wolf ab. Unsere Ahnen müssen früh seine Nähe gesucht haben, oder die Wölfe die der Menschen. Knöcherne Überbleibsel von Menschen und Wölfen, die in nächster Nähe zueinander  gefunden wurden, stammen aus einer Zeit vor knapp 40 000 Jahren. Damals waren beide noch Konkurrenten, überlebten von dem, was sie jagen konnten. Was also brachte sie zusammen?

Der Wolf als Wärmflasche

Womöglich lockte der Duft gebratenen Fleisches die Wölfe an die Lagerfeuer unserer Ahnen. Und die Tiere durften bleiben, weil sie ihnen nicht gefährlich wurden, im Gegenteil: Sie waren sogar nützlich. Die Menschen konnten sich bei der Jagd auf die Schnelligkeit und den Spürsinn der Wölfe verlassen. Nachts warnten sie die Menschen vor Gefahren, waren Wärmflasche und – im Notfall! – auch essbar. Im Gegenzug fraßen sich die Vierbeiner an den Abfällen der Zweibeiner satt. Und noch etwas passte prima: Wölfe sind soziale Wesen. Sie jagen zusammen, ziehen den Nachwuchs gemeinsam auf. So fiel es ihnen leicht, auch mit Menschen „zusammenzuarbeiten“. Dieser Gemeinschaftssinn prägte sich mit der Zeit immer stärker aus. Wahrscheinlich haben die Menschen auch gerade jene Tiere großgezogen, die ihnen im Wortsinne aus der Hand fraßen.

Lieblingshunde in Deutschland

Unter den Rassehunden ist der Deutsche Schäferhund der beliebteste, wie diese Liste des Verbandes für das deutsche Hundewesen zeigt (DHV). Von diesen Rassen wurden im Jahr 2019 am meisten Welpen geboren:

  1. Deutscher Schäferhund
  2. Teckel
  3. Deutsch Drahthaar
  4. Labrador Retriever
  5. Golden Retriever
  6. Pudel
  7. Rottweiler
  8. Deutscher Boxer
  9. Deutsche Dogge
  10. Cavalier King Charles Spaniel

Das Geheimnis des Hundeblicks

So entwickelten sich über Abertausende von Jahren immer zahmere und zutraulichere Wesen, die sich immer weiter vom Wolf entfernten – in Größe und Gestalt, Fellfarbe und Verhalten. Die Schnauze der Hunde verkürzte  sich, Reißzähne wurden kleiner und stumpfer. Und mit ihnen schrumpften auch die Raubtierqualitäten, wie ein Experiment des Biologen Brian Hare beweist. An der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina beobachtete er über Jahre Wolfs- und Hundewelpen. Einmal versteckte er deren Futter in einer Kiste. Die jungen Wölfe versuchten sogleich, sie zu öffnen. Mit Zähnen und Krallen bearbeiteten sie die Box, um an den begehrten Inhalt zu gelangen. Den Menschen im Raum beachteten sie nicht. Ganz anders die Hunde: Kurz versuchten sie, die Kiste aufzubekommen, gaben aber schnell auf. Ohne es je geübt zu haben, schauten sie mit bettelndem Welpenblick den Menschen an und sagten so unmissverständlich: „Hilf mir!“ Was Hare dann auch tat.
Gerade wegen dieses „Bettelblicks“ haben Verhaltensforscher Hunde lange als nicht besonders schlau wahrgenommen, eher als treudoof. Doch inzwischen wissen sie, dass das nicht stimmt – dass der Hundeblick kein Zeichen von Hilflosigkeit ist, sondern ein Angebot an den Menschen, sich aufeinander einzulassen und zu verstehen.

Warum sich Mensch und Hund so gut verstehen

Verbringen Hund und Herrchen sehr viel Zeit miteinander, werden sie sich mit den Jahren immer ähnlicher, wie Forscher herausgefunden haben. Die "Paare" formen ähnliche Gesichtsausdrücke und leiden manchmal sogar unter den gleichen Krankheiten.

Hund und Mensch verstehen sich auch ohne Sprache

Und tatsächlich versteht der Hund seinen Herrn viel besser als jedes andere Tier. Die Vierbeiner kennen im Durchschnitt 30 Wörter, sogar Blicke und Fingerzeige können sie richtig deuten. Darum vor allem sind diese Tiere bei uns so beliebt – und zu so vielem fähig. Hunde hüten Schafe und bewachen Anwesen. Man hat sie dazu ausgebildet, Überlebende unter Trümmern zu finden. Sie dienen Blinden als Auge und leihen seelisch Kranken ihr Ohr. Doch: Die allermeisten der geschätzt 500 Millionen Hunde weltweit haben heute nur noch eine Aufgabe: ein wolliges Knäuel zum Kuscheln zu sein und ein Gefährte, der sein Herrchen und Frauchen überallhin begleitet. Manchmal gar bis ins Grab.

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