Düstere Kreatur Frankenstein: Ein Monster wie wir

Vor 200 Jahren veröffentlicht die britische Schriftstellerin Mary Shelley die Geschichte eines ehrgeizigen Forschers, der mit Maschinen ein Lebewesen erschafft. Noch heute ist "Frankenstein" eine der berühmtesten Gruselgeschichten – und so aktuell wie damals, nicht nur zu Halloween...
Frankenstein

Ein Vulkanausbruch und die Erfindung Frankensteins

Dass 1818 eine der berühmtesten Gruselgeschichten der Welt veröffentlicht wurde, liegt auch an einem Vulkan in Indonesien. Drei Jahre zuvor bricht dort der Tambora aus und schleudert Milliarden Tonnen Steine und Asche in die Luft. Schwefelgase gelangen in die Atmosphäre und blockieren das Sonnenlicht – auf der ganzen Erde. Das folgende Jahr 1816 geht als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Auch in Europa bibbern die Menschen und bleiben lieber in ihren Häusern.

Wie Mary Godwin und ihre Freunde, die sich in den Sommer-Monaten in einer Villa des Dichters George Byron am Genfer See in der Schweiz getroffen haben. Sie haben keine Lust, bei Kälte und Nässe nach draußen zu gehen. Lieber vertreibt sich die Gruppe die Zeit, in dem sie über naturwissenschaftliche Themen diskutiert und sich Geistergeschichten vorliest. Dann schlägt Byron vor: Wir könnten doch selbst jeder eine Gruselgeschichte schreiben, mal sehen, wem die beste einfällt! Die Freunde grübeln, Mary fällt tagelang nichts ein.

Wie Mary Shelley das Monster Frankenstein erfand

Doch die Diskussion eines Abends bringt sie auf eine Idee: Ihre Freunde sprechen über Galvanisten. So nennen sich damals Forscher, die mit Strom experimentieren und mit dem damals exotischen Phänomen sogar Tier- und Menschenleichen bewegen. Könnte man mit einer solchen Kraft auch Tote erwecken?

Vor Marys geistigem Auge erscheint das Bild eines jungen Studenten, Victor Frankenstein, der mit Maschinen ein schreckliches Monster erschafft. Mary stellt sich vor, dass es gelbe Haare, wässrige Augen und runzlige Haut hat und ungeheure Kräfte besitzt. Wie es seine Umgebung entsetzt – und die Leser sich davor gruseln! Sie schreibt eine kurze Geschichte. Und ihre Freunde sind begeistert!

Ermutigt baut Mary den Text zu einer Novelle aus, einem längerem Stück. Anfang 1818 bringt ein kleiner Verlag in London 500 Exemplare von "Frankenstein" heraus – noch ohne Mary als Autorin zu nennen, die inzwischen geheiratet hat und nun mit Nachnamen Shelley heißt. Weil das Buch so erfolgreich ist, folgen weitere Auflagen, später auch Theaterstücke und Filme. Frankenstein wird eine der ersten Science-Fiction-Geschichten der Weltliteratur und zum Vorbild für viele Gruselstorys!

Damals wie heute ist Frankenstein berühmt

Warum aber ist Frankenstein noch 200 Jahre später so erfolgreich? Weil es viele Themen berührt, die Leser in jeder Zeit bewegen: größenwahnsinnige Forscher, die Unheil über die Menschen bringen. Und die Konflikte von Kindern und Eltern. Zudem die Einsamkeit eines Außenseiters, der von seiner Umwelt abgelehnt wird.

Shelley zeigt all dies an dem Forscher Victor Frankenstein und seinem Monster. Dieses ist zwar mörderisch – doch auch mitleiderregend: Es kann nichts dafür, auf der Welt zu sein, und nichts für sein Aussehen. Es ist intelligent und eigentlich gutherzig, sehnt sich nach Liebe – und wird immer zu rück gestoßen. Nicht mal einen Namen hat sein "Vater" ihm gegeben! Vielleicht ist das das Faszinierendste an "Frankenstein": Das "Monster" erscheint an vielen Stellen menschlich und die Menschen oft monströs.

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Die Geschichte von Frankenstein - kurz erzählt

Der junge Student Victor Frankenstein erschafft im Labor aus totem Material ein Lebewesen. Doch, oh Schreck: Sein »Kind« sieht entsetzlich aus – ein wahres Monster! Victor kippt vor Schreck fast um. Wenig später ist das Wesen verschwunden...

Bald bekommt Victor schlimme Nachrichten: Sein Bruder William wurde zu Hause ermordet. Der Forscher reist heim – und sieht dort seine Schöpfung auf einem Berg herumklettern. Victor schwant Böses – und tatsächlich: Bald sucht ihn das Monster auf und gesteht, den Bruder erwürgt zu haben. Aus Versehen. Es klagt, dass die Menschen es hassten, vor ihm davonliefen oder es verjagten, und wie unendlich einsam es sei. Verzweifelt bittet es Victor, ihm eine Frau zu erschaffen.

Victor sagt zu. Mit seinem Freund Henry fährt er auf die Orkney-Inseln und macht sich an die Arbeit. Doch als die weibliche Kreatur fast fertig ist, bekommt Victor Zweifel: Was, wenn sich die Monster vermehren, böse sind und die Menschen angreifen? Vor den Augen seines Wesens zerstört er sein neues Werk. Alle ihre Träume lösen sich in Luft auf – die Kreatur ist blind vor Wut. Sie erwürgt Henry und schwört ihrem Erschaffer Rache!

Victor reist zurück und heiratet seine Verlobte Elizabeth. Doch in der Hochzeitsnacht macht das Monster seine Drohung wahr: Es erwürgt Elizabeth. Wenn Victor ihm keine Liebe gönnt, dann will es auch Victors Liebe zerstören!

 Das Monster flieht in die Arktis. Victor jagt hinterher. Er will Rache! Doch Kälte und Anstrengung überfordern den jungen Mann. Im Eis bricht er zusammen. Er wird von der Mannschaft Robert Waltons gerettet – eines Forschers, der mit seinem Schiff einen Seeweg zum Nordpol sucht. Victor erzählt ihm seine ganze Geschichte.

Geschwächt stirbt Victor bald an Bord. Kurz darauf entdeckt Walton die Kreatur – jammernd über ihren »Vater« gebeugt. Dessen Tod hat ihr keinen Frieden gebracht, im Gegenteil: Durch seine Verbrechen ist sie nun völlig allein auf der Welt! Das Wesen schwört, sich umzubringen! Es schwingt sich über Bord und treibt auf einer Eisscholle davon, die in der Dunkelheit verschwindet. Es wird nie mehr gesehen.

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