Das Gehör Was passiert, wenn wir Geräusche wahrnehmen

Spitzt mal die Lauscher: Hört ihr den Wasserhahn tropfen? Das Quatschen der Nachbarin? Oder den Lärm eines Presslufthammers auf der Baustelle? Jedes dieser Geräusche findet seinen Weg durch das Ohr in euer Gehirn - und erlebt auf seiner Reise Erstaunliches!
Ohren

Woher ein Geräusch kommt, weiß unser Gehirn, weil die Schallwellen zunächst auf das eine und, um Millisekunden verzögert, auf das andere Ohr treffen. Schädlich wirkt Lärm ab 85 Dezibel. Der Knall eines platzenden Luftballons liegt zum Beispiel deutlich darüber

Das menschliche Ohr

Das Ohr ist ein freundliches Organ. An seinem Eingang wird nichts und niemand abgewiesen. Ob Liebesgeflüster oder Laubpuster: Alles strömt durch die Wege und Furchen der Ohrmuschel in den äußeren Gehörgang – ein gut drei Zentimeter tiefes Loch, das sämtliche Geräusche bündelt. Davon habt ihr gleich zwei im Kopf. Sie beschäftigen euch vermutlich nur dann, wenn sie mal mit Ohrenschmalz verstopft sind.

Am Ende des kurzen Eingangs jedenfalls sitzt das Trommelfell. Wie ein kleines Trampolin von rund einem Zentimeter Durchmesser schwingt das Häutchen mit jedem Geräusch, das eintrifft. Ob laut oder leise: Die Töne passieren hier den Eingang zum Mittelohr – und verändern dabei ihre Form.

Bis zum Trommelfell nämlich wogen Geräusche als Schallwellen durch die Luft. Sind diese Wellen steil und schmal, handelt es sich um einen hohen Ton. Man sagt, er schwingt in einer hohen Frequenz. Bei tiefen Tönen sind die Wellen da- gegen lang gezogen, wie in einem ruhigen Meer.

Hammer, Amboss, Steigbügel

Treffen Schallwellen nun auf das Trommelfell, bringen sie statt Luft Teile unseres Körpers in Bewegung – oder besser, in Schwingung. Es folgt eine Kettenreaktion: Das Trommelfell stößt im Mittelohr das Gehörknöchelchen Hammer an, dieses schubst den Amboss und der den Steigbügel.

Es sind die drei kleinsten Knochen unseres Körpers, ihre Namen verdanken sie ihrem Aussehen. Auch ihre "Adresse" klingt speziell: Sie alle wohnen in der Paukenhöhle. Das ist ein kleiner, mit Luft gefüllter Hohlraum, der über die Ohrtrompete (oder Eustachische Röhre) mit dem Rachen, also mit Mund und Nase, verbunden ist.

Das könnt ihr selbst überprüfen: Gehen beim Start im Flugzeug oder beim Urlaub in den Bergen die Ohren zu, weil der Luftdruck sinkt, atmet einfach tief ein, haltet die Nase zu und drückt mit der Luft von innen gegen. Schon macht es "plopp", und die Ohren werden wieder frei – dank der Luft, die ins Mittelohr dringt.

Aufbau des Ohrs

Der Aufbau des Ohrs

Zu viel Krach schadet dem Ohr

Aber zurück zu den Knöchelchen. Der letzte in der Reihe, der Steigbügel, verschließt mit seiner Fußplatte das sogenannte ovale Fenster. Dahinter liegt wieder eine ganz andere Welt: das Innenohr. Hier befindet sich ein zur Schnecke aufgerollter Schlauch. Ihn füllt keine Luft, sondern spezielle Lymphe, eine wässrige Flüssigkeit. In der Schnecke reihen sich winzige Haarsinneszellen aneinander wie bei einem Mini-Besen.

Sie biegen sich unter den Schwingungen, die von der Fußplatte des Steigbügels losgetreten und über das ovale Fenster auf die Flüssigkeit übertragen wurden. Bei leisen Geräuschen neigen sich die Haarsinneszellen leicht, bei lauten stark, bei zu lauten brechen sie gar. Das Problem: Sind sie erst einmal abgeknickt, heilen sie nie wieder.

Wer also ohne Ohrenschützer einen Presslufthammer bedient, bekommt für immer einen Hörschaden. Sind zu viele Haarsinneszellen kaputt, entgehen uns Menschen viele Geräusche. Dabei gilt: Nicht nur offensichtlicher Krach schädigt die Zellen. Auch das Wummern des voll aufgedrehten Lieblingsliedes kann die Ohren verletzen – selbst wenn wir die Musik niemals als Lärm bezeichnen würden.

Doch ganz gleich, wovon uns die Ohren klingeln: Indem sich die Haarsinneszellen biegen, erregen diese die mit ihnen verbundenen Nerven, und das Geräusch verwandelt sich in elektrische Signale. Der Hörnerv leitet sie direkt ans Gehirn weiter. Was dort geschieht, gleicht einem Wunder: Aus einem Bündel von elektrischen Signalen formt das Gehirn nicht nur Krach und Klänge, sondern auch Wörter, Sätze, Sinn.

Bleibt noch dieFrage, warum wir zwei Ohren haben? Nun, angenommen, ihr seid draußen unterwegs und hört eine Sirene. Die Schallwellen des Tatütata  treffen vom Krankenwagen erst auf das Ohr, das ihm näher ist, und kurze Zeit später dann auf das andere. Diesen winzigen Zeitunterschied bemerkt das  Gehirn und leitet daraus die Information ab: Der Krankenwagen fährt links oder rechts vorbei. So könnt ihr entsprechend darauf reagieren.

Allerdings finden icht alle Geräusche ihren Weg durch die Ohren zum Gehirn. Haltet euch mal die Ohren zu, ihr werdet merken, dass ihr immer noch eine ganze Menge hört. Denn die Geräusche bringen auch eure Schädelknochen zum Schwingen, und die sind direkt mit dem Innenohr verbunden.

Hände eines Kindes und eines Erwachsenen
Körper
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Manches kann das Ohr aber nicht hören

Bleiben immer noch Geräusche, die wir gar nicht hören. Manche sind schlicht und einfach zu leise. Außerdem beschränkt sich unsere Wahrnehmung auf den sogenannten hörbaren Bereich. Sehr hohe und sehr tiefe Töne dringen nicht zu uns durch, zu manchen Tieren hingegen schon. So orientieren sich Fledermäuse etwa auch mit sehr hohen Tönen, dem sogenannten Ultraschall. Und von Elefanten weiß man, dass sie tiefstes Brummen, also Infraschall, wahrnehmen können.

Raffinierte Technik kann diese Geräusche für uns im- merhin sichtbar machen: Nimmt man die Töne mit einem Mikrofon auf, verwandeln sie sich damit in elektrische Signale, die auf einem Bildschirm als Wellen dargestellt werden können. Doch wie das genau funktioniert, ist wieder eine andere Geschichte…

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