Tierlexikon Rind

Kuh oder Färse, Bulle oder Stier? Für Rinder gibt es die unterschiedlichsten Bezeichnungen. Ob die Wiederkäuer heute tatsächlich noch auf dem Bauernhof leben, erfahrt ihr im GEOlino Tierlexikon
Rind
Rind

Rinder (Bovini) spielen seit Jahrhunderten für Menschen eine wichtige Rolle. Sie sind sogenannte Nutz- oder Arbeitstiere. Besonders das Hausrind (Bos primigenius taurus) wird wegen seines Fleisches, seiner Milch und der Leistung als Zugtier gezüchtet. Ein weibliches Rind nennt sich Kuh, sobald es ein Jungtier (Kalb) auf die Welt gebracht hat. Bis dahin heißt es Färse. Männliche Rinder werden Bulle oder Stier genannt.

Allgemeines zu Rindern

Es gibt viele verschiedene Rinderassen, von denen die meisten ihren Ursprung in Nordamerika, Eurasien und Afrika haben. In Europa sind heute vor allem die Rassen Holstein Schwarz- oder Rotbunte, Hochlandrind oder Vorderwälder-Rind vertreten. Sie unterscheiden sich äußerlich in ihrer Fellfarbe und -länge sowie der Fleckung. Die einen werden für die Fleischproduktion, die anderen für die Gewinnung von Milch genutzt.

Einige Zweinutzungsrassen wie das Fleckvieh sind junge Züchtungen und kommen mittlerweile auch häufiger vor. Die Rinderarten für die Fleischproduktion sind sehr stämmig und robust. Jene für die Milchproduktion sind dünner und häufig anfällig für Krankheiten. Alle haben einen sehr sensiblen Charakter.

Rinder sind intelligente und neugierige Tiere, die ihre Herde als enge Freunde ansehen und nicht von ihrer Seite weichen. Es gibt eine strenge Rangordnung in den Herden: Einige Rinder sind eher schüchtern, andere kühn und abenteuerlustig. So findet jedes seine Rolle. Neuste Studien haben gezeigt, dass Rinder intelligenter als Katzen sind.

Im Alter von fünf Jahren sind die Tiere ausgewachsen und werden je nach Rasse zwischen 1,25 und zwei Meter groß. Sie wiegen zwischen 150 und 1000 Kilogramm. In freier Lebensbahn tragen die meisten Rinderrassen Hörner. Werden sie für die Fleisch-, Leder- oder Milchproduktion gehalten, werden die Hörner schon in den ersten sechs Lebenswochen entfernt, da die Gefahr besteht, dass sich die Rinder im Stall gegenseitig verletzen.

Eine Betäubung während der Enthornung ist nicht vorgeschrieben. Die natürliche Lebenserwartung von Rindern beträgt 20 Jahre, Kühe in der Milchwirtschaft werden heute aber im Durchschnitt nur noch fünf Jahre alt.

Was frisst ein Rind?

Rinder sind Wiederkäuer. Das bedeutet, dass sie ihr Futter zunächst abrupfen und unzerkaut herunterschlucken. Erst wenn sie sich später hinlegen, kauen sie die Nahrung. Um das Futter zu verdauen, besitzen Rinder vier verschiedene Mägen: Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen. Jeder Teil hat seine besondere Aufgabe im Verdauungsprozess und macht Wiederkäuer aus. Rinder sind Pflanzenfresser und benötigen am Tag zwischen 16 und 20 Kilogramm Futter.

Auf einer Weide fressen Rinder Gras, Kräuter und Klee, im Stall werden sie oft mit Futtermais, Stroh oder Kraftfutter (einem besonders energie- und proteinreichen Futtermix aus Getreide) versorgt. Letzteres steigert zwar die Leistung der Rinder, gilt aber in zu großen Mengen als schädlich und kann zu Krankheiten bei den Rindern führen. Etwa 80 Liter Wasser braucht ein Rind pro Tag.

Rind

Wie leben Rinder?

Dürften Rinder selbst entscheiden, würden sie sich eine große, saftige Weide aussuchen, auf der sie mit ihrer Herde den ganzen Tag grasen könnten, versehen mit einigen Schattenplätzchen im Sommer. Ihr Geruchssinn reicht über acht Kilometer; soweit würden sie für frischen Klee wandern, wenn sie könnten. Dort sieht man heute allerdings nur noch wenige und wenn, häufig sehr junge Rinder oder Kühe, die kurz vor Geburt ihres nächsten Kalbes stehen. Der Lebensraum von Rindern heutzutage ist der Stall.

Weibliche Rinder werden meist in der Milchproduktion genutzt und teilweise ganzjährig in Ställen gehalten. In ihrem Euter, der vergleichbar mit dem Busen einer Frau ist, bildet sich bei der Kuh nach der Geburt eines Kalbes Milch - etwa 40 Liter am Tag. Das Kalb wird kurze Zeit nach der Geburt und für die ersten Lebenswochen in eine Einzelbox verlegt und vom Menschen aufgezogen. Die für das Kalb bestimmte Muttermilch wird weiterverarbeitet und später im Supermarkt verkauft. Männliche Rinder, also Bullen oder Stiere, werden in der Regel gemästet. Das heißt, dass sie mit reichlich Kraftfutter versorgt werden und in Folge viel Fett ansetzen. Dann werden sie geschlachtet und zu Fleisch verarbeitet.

Was ist das Besondere an Rindern?

Rinder erfüllen im Großteil der Welt einen bestimmten Zweck. Sie sind entweder für die Milch-, Fleisch- oder Lederproduktion gezüchtet. Durch die schweren Belastungen und dem unnatürlichen Lebensraum, in dem sie heute leben müssen, und die häufig nicht artgerechte Fütterung werden sie oft nur noch fünf statt 20 Jahre alt.

In einigen Ländern, zum Beispiel Indien, gelten Hausrinder hingegen als heilige Tiere und werden verehrt.

Rind

Steckbrief: Rind

  • Name: Rind
  • Wissenschaftlicher Name: Bovini
  • Größe: zwischen 1,25 und zwei Meter
  • Gewicht: zwischen 150 und 1000 Kilogramm
  • Lebensdauer: 20 Jahre
  • Lebensraum: weltweit
  • Ernährung: Gras, Stroh, Klee, Kräuter

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