Tierlexikon Blaufußtölpel

Es gibt die begnadeten Tänzer unter den Vögeln, die wilde Pirouetten drehen, umhergockeln oder die große Flatter machen. Und es gibt Blaufußtölpel. Sie tänzeln nicht um die Gunst der Weibchen – sie watscheln. Doch auch die Choreografie der Blaufußtölpel ist einzigartig
Blaufußtölpel

Wow, wie blau! Tölpelmännchen prahlen mit ihren Füßen. Denn ein intensiver Blauton verweist darauf, dass die Herren stark und gesund sind

Allgemeines zum Blaufußtölpel

Blaufußtölpel, wissenschaftlich Sula nebouxii, brüten in großen Gruppen von mehreren Hundert Artgenossen. Dass Tölpel aufgrund ihres watschelnden Ganges an Land ein bisschen trottelig, eben tölpelhaft wirken, hat ihnen ihren Namen eingebracht. Dabei sind die Tiere geschickte Jäger!

Die meisten der tropischen Vögel leben auf den Galápagos-Inseln, wo sie unter Schutz stehen. Sie kommen außerdem auf mehreren Inseln im östlichen Pazifik zwischen Mexiko und Peru und im Golf von Kalifornien vor.

Größe und Gewicht eines Blaufußtölpels

Ausgewachsene Blaufußtölpel messen 76 bis 84 Zentimeter und sind damit etwa so groß wie Gänse. Die Weibchen wiegen zwischen 1,3 und zwei Kilogramm. Die Männchen sind kleiner und leichter.

Nahrung: Was fressen Blaufußtölpel?

Die Vögel ernähren sich von Fischen, die sie im flachen, küstennahen Gewässer jagen.

Karte: Verbreitungsgebiet der Blaufußtölpel

Die meisten der Vögel leben auf den Galápagos-Inseln

Das Balzritual der Blaufußtölpel

Suchen die Herren mal wieder eine Gefährtin, geht es dort rund. Dann setzen die Männchen ihre schönsten Körperteile in Szene, um die Weibchen zu bezirzen: ihre himmelblauen Füße.

Die Balz der gänsegroßen Vögel fordert Durchhaltevermögen. Tölpelinnen werfen sich nicht sofort vor Begeisterung in den Sand, wenn ein paar Herren vor ihnen herumwackeln. Nein, die Männer müssen tanzen. Anders haben sie keine Chance.

Also heben sie abwechselnd das eine, dann das andere Bein. Wie in Zeitlupe watscheln sie auf der Stelle, um die Aufmerksamkeit der Damen zu erhaschen. Sie spannen die Flügel auseinander, recken die spitzen Schnäbel und die Schwänze in die Höhe und stoßen schrille Pfiffe in die tropisch heiße Luft.

Doch von den Angebeteten kommt nichts zurück, höchstens vielleicht ein heiseres Krächzen. Also beginnen die Prachtkerle zu grunzen, reiben ihre Schnäbel an denen der Damen und greifen dann zum letzten Mittel: Sie machen Geschenke. Kleine Stöckchen, Zweige, Nistmaterial, was der Boden eben bietet. Und sie watscheln weiter, watscheln, watscheln, manchmal
tagelang. Erst wenn die Weibchen mittanzen, sind Tölpel und Tölpelin ein Paar. Endlich!

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Die Vögel sind stolz auf ihre blauen Füße

Die Damen wählen eben sorgsam aus: Sie fliegen auf die Tölpelmänner mit den tollsten Tretern. Je strahlender das Blau, desto besser seine Chancen. Der Fuß-Fimmel spielt eine wichtige Rolle bei der Familienplanung. Von Natur aus sind die Füße des Blaufußtölpels blassblau.

Die Oberfläche der Schwimmhäute ist so aufgebaut, dass nur die blauen Lichtwellen zurückgeworfen werden. So richtig leuchtend wird das Blau erst durch Farbstoffe, die Blaufußtölpel über die Nahrung – Fische – aufnehmen. In fetten Zeiten strahlen die Vogelfüße also besonders kräftig.

Je intensiver der Blauton, desto besser

Schon zwei magere Tage sorgen dafür, dass sie verblassen. Mit dem Blick auf die Füße können Weibchen daher erkennen, ob Männchen gesund und wohlgenährt sind und somit starken Nachwuchs versprechen.

Forscher haben herausgefunden, dass die Tölpelinnen das Eierlegen sogar einstellen, wenn die Füße ihres Partners an Farbe verlieren!

Nachwuchs

Brutzeit ist für die Blaufußtölpel das ganze Jahr über. Weibchen können jedoch nur alle acht Monate zwei bis drei Eier legen, die von beiden Eltern 40 Tage lang bebrütet werden. Sind die Küken geschlüpft, versorgen die Vogeleltern ihre Kinder im Nest mit Futter.

Manchmal aber stopfen sie nicht alle Schnäbel ihrer zwei bis drei Jungen. In Notzeiten lassen die Vögel die schwächsten Küken verhungern, und auch die Geschwister hacken aufeinander
herum: Sinkt das Gewicht des Größten um etwa 20 Prozent, pickt er auf den Kleinsten ein, bis der aus dem Nest flieht. Klingt grausam, ist es auch.

Aber würde die Nahrung gerecht aufgeteilt, könnte es sein, dass alle Küken zu wenig zu fressen bekämen. Die Vogeleltern füttern darum bevorzugt den Stärksten, damit zumindest ein kleiner Blaufußtölpel überlebt – und vielleicht eines Tages den großen Balztanz aufführt...

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