Redewendung Blau machen

Redewendung: Blau machen
© Viacheslav / Colourbox
Wir verraten euch, was es mit dem Ausdruck "Blau machen" auf sich hat und wie die Redensart entstand.

"Heute habe ich so gar keine Lust, in die Schule zu gehen. Ich glaube, ich mache heute einfach mal blau", denkt sich die freche Melanie und dreht sich noch einmal im Bett um.

"Blau machen", das bedeutet Schule oder Arbeit schwänzen – soviel ist klar. Aber warum heißt es gerade "blau" machen und nicht "gelb" oder "rosa" machen?

Ursprung der Redewendung

Die Redewendung "blau machen" kommt ursprünglich vom "Blauen Montag". Der blaue Montag war nämlich ein freier Tag, ganz ohne Arbeit. Das ist allerdings schon lange her und war damals im Mittelalter bei Färbern gebräuchlich. Diese legten nämlich die Stoffe, die sie färben wollten, am Sonntag in ein Färbebad, in dem die Farbe in das Gewebe einwirken sollte.

Montags wurde die gefärbte Wolle dann aus dem Bad genommen und an der Luft getrocknet. Die besondere Farbe, die damals verwendet wurde, zeigte eine chemische Reaktion mit der Luft - und wurde blau.

Während die Wolle an der Luft trocknete und blau wurde, hatten die Färbergesellen nichts zu tun - schließlich mussten sie warten, bis die Wolle fertig war. Also konnten sie ganz in Ruhe "blau machen" - und zwar die Wolle.

Sprache: Redewendungen

Sprache Redewendungen

Wir nehmen die geflügelten Worte genauer "unter die Lupe". Woher kommen die Phrasen und was bedeuten sie? Hier findet ihr eine Übersicht bekannter Redewendungen

Heute finden sich noch eine ganze Menge weitere Redewendungen in unserem alltäglichen Sprachgebrauch, deren Ursprünge im Mittelalter liegen. Zu diesen Redewendungen zählen beispielsweise die bekannten Redensarten "etwas im Schilde führen", "jemandem die Leviten lesen" oder auch Ausdrücke wie "Das geht auf keine Kuhhaut" und "am Pranger stehen".

Redewendungen aus dem Mittelalter

Viele Redensarten klingen heute so mittelalterlich, weil Sprache in dieser Zeit erstmals in größerem Umfang schriftlich festgehalten wurde und weil der Alltag damals voller drastischer, leicht merkbarer Bilder war. Zwischen etwa 500 und 1500 n. Chr. beginnt die überlieferte Literaturgeschichte in den Volkssprachen – also auch die Geschichte vieler deutscher Sprichwörter, die sich in dieser ungefähr tausendjährigen Phase im mündlichen Alltag einbürgerten und dann durch Texte, Predigten und Lieder weitergetragen wurden.

Die Redewendungen entstanden aus dem ganz normalen Leben: aus Handwerk und Handel, aus Aberglauben, Strafen, Essen und Landwirtschaft; Gaukler, Spielleute, Schreiber und Geistliche trugen diese festen Formulierungen über Märkte, Wirtshäuser, Klöster und Kirchen immer weiter. Mit dem Wachstum der Städte teilten immer mehr Menschen eine ähnliche Lebenswelt, wodurch sich feste Ausdrücke besonders gut verbreiten konnten – die engen Straßen, der Lärm, die Gerüche und die harten Arbeitsbedingungen lieferten unzählige starke Bilder, die in Sprache übersetzt wurden.

Wir verwenden viele dieser Wendungen noch heute, weil sie grundlegende Erfahrungen ausdrücken, die sich kaum verändert haben – Erfolg und Scheitern, Angst und Mut, Gemeinschaft und Ausgrenzung –, sodass wir die Bildlogik weiterhin verstehen, selbst wenn wir das mittelalterliche Original dahinter gar nicht mehr kennen. Später sorgten Bücher, Theater, Zeitungen und die Schule dafür, dass diese alten Sätze erhalten blieben, während die Romantik im 19. Jahrhundert das Mittelalter regelrecht neu entdeckte und viele Redensarten durch Romane, Dramen und Sprichwortsammlungen zusätzlich populär machte.

sho