Wie wir die Welt retten Eine Schulklasse wird zum Lebensmittel-Retter

Jedes Jahr landen tonnenweise Lebensmittel in den deutschen Mülltonnen, obwohl sie noch gar nicht schlecht sind. Das muss sich ändern, finden Schüler der Grundschule Bookholzberg – und ließen sich zu Lebensmittel-Rettern ausbilden
Lebensmittelkunde in der Klasse

Wohin mit Brot, Obst, Gemüse, Käse und Wurst? Claudia Kay erklärt an einem Kühlschrank aus Pappe, wo man Lebensmittel lagert, damit sie besonders lange halten

Lilliana hält ihr selbst gebasteltes Papiertöpfchen fest in der linken Hand, mit der rechten streut sie Blumenerde hinein. Dann drückt sie die Erde mit einem Teelöffel fest, nimmt ein paar Kressesamen zwischen die Finger und presst sie in die Erde. „Ist das richtig so?“, fragt die Achtjährige und beäugt ihr Werk kritisch. Claudia Kay nickt. „Das sieht sehr gut aus!“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Gemeinsam stehen sie an einem der Gruppentische im Umweltzentrum Hollen im niedersächsischen Ganderkesee. Lilliana ist mit ihrer Klasse, der 3b der Grundschule Bookholzberg, hier, um sich von Claudia Kay zur Lebensmittel-Retterin ausbilden zu lassen.

Schon seit zwei Jahren fährt Claudia Kay zu Schulen in ganz Deutschland, um über Lebensmittelverschwendung aufzuklären. Und das ist dringend nötig! Schließlich landen hierzulande im Durchschnitt jede Minute 19 Tonnen Nahrungsmittel im Mülleimer – auch bei den Schülern der 3b.

„Die Reste vom Mittagessen werfen wir schon manchmal weg“, erzählt Lilliana. Ihre Mitschüler nicken. Bei vielen ist es ähnlich. „Vorher haben wir noch nicht viel über verschwendete Lebensmittel in der Schule gelernt, aber heute kriegen wir viel gezeigt“, sagt Jan Claas. Er nimmt ein Bild mit einer braunen Banane vom Tisch und legt es auf den rechten der beiden Stapel, die vor ihm liegen. „Ab in den Topf …“, murmelt er dabei. Mit vier Mitschülern sortiert er an dieser Station Fotos von Lebensmitteln: Was ist noch gut genug für den Kochtopf oder Mixer, und was gehört in die Mülltonne?

Lebensmittel retten

In der Küche sehen Jan Claas, Jan, Finn und Alex (von links nach rechts), wie man in kurzer Zeit einen Smoothie etwa aus Bananen und Äpfeln zaubert. Überreifes Obst lässt sich so noch gut verarbeiten

"Viele haben den Bezug zu dem verloren, was auf den Tisch kommt"

Lilliana stellt derweil ihr Kressetöpfchen auf die Fensterbank. „Es wird jetzt ein bisschen dauern, bis die Kresse wächst. Bis dahin muss ich sie gut pflegen“, erklärt sie. Wer sich um eine eigene Pflanze kümmert, versteht besser, wie viel Arbeit ein Bauer hat, bis aus Samen oder einer Knolle etwa Erdbeer- oder Kartoffelpflanzen wachsen.

„Das vergessen viele Menschen. Sie haben den Bezug zu dem verloren, was auf den Tisch kommt, und wissen nicht, was für tolle Gerichte man auch aus abgelaufenen oder überreifen Lebensmitteln noch zaubern kann“, sagt Claudia Kay. Deshalb kocht sie heute auch mit den Schülern, in der Küche ein Stockwerk tiefer. Lilliana schnippelt Karotten und rote Beete für einen Auflauf, ihre Klassenkameraden verarbeiten die von Weihnachten übrig gebliebenen Schoko-Nikoläuse zu Schokobrötchen. Die essen nachher alle auf – vom Auflauf aber bleibt noch etwas übrig.

Das ist ausnahmsweise gut, denn so kann Claudia Kay zeigen, wie und vor allem wo man solche Reste vom Mittagessen, aber auch Käse, Wurst und Gemüse in den Kühlschrank räumt, damit alles möglichst lange hält. Gemüse etwa nach unten, wo es am kühlsten ist, Fleisch oder Fisch darüber. Die Reste vom Auflauf nach oben. „Das machen wir zu Hause noch nicht so“, erzählt Lilliana. „Aber ich werde das meiner Mutter mal erklären!“

Grundschule Bookholzberg

Geschafft! Zum Schluss gibt es nicht nur selbst gekochten Gemüseauflauf (Foto), sondern auch eine Urkunde für die ausgebildeten Lebensmittel-Retter

So werdet auch ihr zum Lebensmittel-Retter:

  • AUFWERTEN! Das Brot für eure Pausenstulle ist nicht mehr ganz frisch? Benetzt es von allen Seiten mit etwas Wasser und steckt es in den Toaster. Nach wenigen Minuten schmeckt die Scheibe lecker und knusprig.
     
  • MUND AUFMACHEN! Sagt „Stopp!“, wenn euch die Portion in der Schulmensa zu groß ist. Solange der Koch an der Theke den Teller in der Hand hat, kann er ein paar Nudeln zurück in den Topf schaufeln. Und wenn ihr öfter Käsebrote wegwerft, weil ihr Käsebrote nicht mögt, bittet eure Eltern um anderen Belag.
     
  • EINKAUFSZETTEL SCHREIBEN! Wer weiß, was er braucht, kauft nicht zu viel. Denkt deshalb vorher nach und nicht erst, wenn ihr mit knurrendem Magen im Supermarkt steht.
     
  • MIT ANDEREN TEILEN! Irgendwie war die Brotzeitbox heute zu voll? Fragt in der Klasse herum – vielleicht hat jemand noch Hunger und freut sich über euren Apfel oder die Hälfte eurer Schnitte.
     
  • BESCHEID WISSEN! Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum. Pudding oder Joghurt schmecken in aller Regel noch Tage oder sogar Wochen später! Vertraut eurem Blick und eurer Nase. In vielen Supermärkten findet ihr übrigens Waren günstiger, deren Mindesthaltbarkeitsdaten bald ablaufen.
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