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Psychologie Warum uns Warten nervt

Wartende Menschen an einem Bankautomaten
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Ob an der Supermarkt- oder vor der Schwimmbadkasse, ob dicht gedrängt in der Schlange oder wie jetzt mit großem Abstand – Warten nervt! Warum es so schwierig ist, sich zu gedulden, erfahrt ihr gleich. Einen kurzen Moment noch. Jetzt seid doch nicht so ungeduldig, ihr müsst bloß noch ganz kurz warten… Nur bis der Vorspann zu Ende ist. Ja, glei-heich! Na gut. Es geht los!

"Der Weg ist das Ziel“, so lautet ein Sprichwort. Es bedeutet: Es ist nicht nur wichtig, dass man etwas erreicht, sondern auch, wie. Training ist manchmal lustiger als der Wettkampf, die Geigenstunde aufregender als das Vorspielen. Beim Warten hingegen ist das Ziel das Ziel. Es gilt, möglichst schnell vorn anzukommen. Deshalb empfinden wir Warten als lästig: Es steht zwischen uns und der nächsten Sache, die wir tun wollen. Das macht uns ungeduldig und ungehalten. Fast jeder bekommt schlechte Laune, wenn er sich hinten anstellen muss.

Die Qual der Wahl

Ob an der Bushaltestelle, in der Bibliothek oder im Supermarkt. Überhaupt, der Supermarkt. Dort sind meist mehrere Kassen gleichzeitig geöffnet. Die Kunden haben also die Qual der Wahl: Kasse eins, Kasse zwei, Kasse drei? Sehr wahrscheinlich macht es keinen großen Unterschied, an welcher man sich anstellt. Im Durchschnitt dauert es bei allen etwa gleich lang, bis man an die Reihe kommt.

Weil wir beim Warten aber meist nichts anderes machen als warten, beäugen wir misstrauisch, wie rasch die anderen vorwärtskommen. Jeder halbe Meter, den uns die Nebenschlange vorauskriecht, schlägt auf die Stimmung. Wir seufzen, wir maulen, obwohl das alles purer Zufall ist. Doch jeder denkt, er müsse länger anstehen als der andere. Wie ungerecht!

Wartende Menschen an der Supermarktkasse
Wo man sich im Supermarkt anstellt, ist höchstwahrscheinlich egal – im Durchschnitt dauert es bei allen Kassen etwa gleich lang, bis man an die Reihe kommt.
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Warte-Tricks

Um genau diesen Eindruck zu vermeiden, gibt es bei der Post oder in einer Bank in der Regel nur eine einzige, durch Absperrbänder vorgebene Schlange, die sich erst vor den Schaltern teilt. Das verkürzt die Wartezeit zwar um keine einzige Sekunde, aber zumindest fühlt sich niemand benachteiligt.

Riesengroß ist auch der An­­drang vor Achter- und Geisterbahnen in Freizeitparks. Um die Leute bei Laune zu halten, werden sie in einer Art Labyrinth zum Eingang ge­­schleust. Die Wege zwischen den Kurven sind dabei ungleichmäßig lang. Allein das schafft Abwechs- lung und führt dazu, dass sich die Wartezeit kürzer anfühlt.

Manchmal zeigen zudem Schilder an, wie viele Minuten es vor­aussichtlich dauern wird, bis man in der Schlange von hinten nach vorn gerückt ist. Nicht zuletzt sorgen freies WLAN zum Handy­­daddeln oder Bildschirme mit Comicfilmen dafür, dass das Warten weniger öde erscheint.

Warten als Erlebnis

Doch manchmal ist der Menschenstau selbst das Ereignis. Wenn Promis zu einer Filmpre­miere kommen und sich die Fans entlang des roten Teppichs aufreihen zum Beispiel. Oder wenn ein Smartphone-Hersteller mit großen Brimborium das neueste Modell auf den Markt bringt. Dann stehen sich viele Leute freiwillig die Füße platt, schicken Selfies an Freunde oder posten sie auf Facebook, die nichts anderes sagen als: „Ich war dabei!“


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