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45 Jahre Voyager Reise in die Unendlichkeit

Spion im All: Jede der beiden Voyagersonden besteht aus einer zehneckigen Aluminiumbox, einer schüsselförmigen Antenne, einem 2,5 Meter langen Arm mit Messinstrumenten, einer Batterie – und der Zeitkapsel in Form einer Schallplatte
Spion im All: Jede der beiden Voyagersonden besteht aus einer zehneckigen Aluminiumbox, einer schüsselförmigen Antenne, einem 2,5 Meter langen Arm mit Messinstrumenten, einer Batterie – und der Zeitkapsel in Form einer Schallplatte
© Shutterstock
Seit 45 Jahren sausen die Weltraumsonden Voyager 1 und 2 diesen Sommer nun schon durchs All. Es ist die weiteste Reise, die je unternommen wurde, bis ans Ende des Sonnensystems. Was hinter der Mission steckt und welche ganz besondere Fracht die Sonden an Bord haben, erfahrt ihr hier

Die Weiten des Weltraums sind unvorstellbar: Eine Reise zum Mond dauert drei Tage, zu unserem Nachbarplaneten Mars fliegen Raumsonden mindestens neun Monate. Und zwei Jahre vergingen, bis die beiden Voyagersonden der US-amerikanischen Weltraumagentur Nasa den Jupiter erreichten.

Wie gigantisch die Entfernungen im All sind, veranschaulicht auch dieses Beispiel: Legt ein Sandkorn auf den Tisch und nehmt an, das sei unsere Sonne. Dann befände sich die Erde zwei Zentimeter daneben, wäre aber so klein, dass man sie nur mit einem Mikroskop erkennen könnte. Der uns nächste Stern in der Milchstraße, Proxima Centauri, wäre so weit weg wie ein Sandkorn in 5,4 Kilometer Entfernung! In Wirklichkeit sind es 4,24 Lichtjahre. Dazwischen ist nichts, außer einigen Atomen und Lichtteilchen.

Dieser Artikel stammt aus der GEOlino Ausgabe 06/2022:

In dieses Nichts dringen Voyager 1 und Voyager 2 seit ihrem Start im Jahr 1977 unaufhaltsam vor. Die ursprüngliche Mission der Sonden war, an den vier Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun vorbeizufliegen und sie dabei zu erkunden. Die Nasa-Ingenieurinnen und -Ingenieure konstruierten die Sonden aber so langlebig, dass sie noch weiterfliegen konnten. Und das taten sie auch: Voyager 1 bog nach der Saturn-Begegnung ab. Voyager 2 lieferte Bilder von Jupiter und Saturn und darüber hinaus nie gesehene Aufnahmen von Uranus und Neptun. Beide waren vorher nur als Lichtflecken bekannt gewesen.

Jupiter im Weltraum
Das erste Ziel der Voyagersonden war Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems. Die Sonden funkten Bilder von Stürmen und Wirbeln zur Erde, die bis dahin kein Mensch so deutlich gesehen hatte
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Auf Rekordkurs

Als Voyager 2 im Oktober 1989 Neptun passiert hatte, blieb die Sonde nicht einfach stehen. Denn alles, was im Weltraum einmal in Bewegung ist, gleitet endlos weiter, weil es in der Luftleere keinen Widerstand gibt, der die Geschwindigkeit drosselt. Auch die Schwestersonde sauste weiter und weiter. Heute ist Voyager 1 mit über 23 Milliarden Kilometern das am weitesten von der Erde entfernte menschengemachte Objekt – und dringt mit einer Geschwindigkeit von rund 62 000 Kilometer pro Stunde immer tiefer in den Weltraum vor.

Beide Voyagersonden sind inzwischen im interstellaren Raum angekommen und damit an der äußeren Grenze unseres Sonnensystems. Dabei sind sie nach wie vor mit uns in Kontakt – auch wenn jedes Funksignal wie bei Voyager 1 über 21 Stunden braucht, um die Erde zu erreichen. Den Forschenden zufolge wird dieser Kontakt noch bis in die 2030er-Jahre fortbestehen. Dann wird es still, und dennoch ist die Mission nicht vorüber. Dafür sorgt eine kostbare Fracht an Bord der beiden Sonden: die Zeitkapseln.

Diese goldüberzogene Bild-Ton-Platte wird durch eine ebenfalls vergoldete Plattenhülle geschützt und ist jeweils außen an beiden Voyager-Sonden befestigt. Auf der Hülle ist erklärt, wie man die Platte abspielt. Außerdem tragen die beiden Sonden eine kleine amerikanische Flagge mit sich. Die hält auf dem Bild der Projektleiter des Voyager-Projekts der NASA John Casini im Jahr 1977.
Diese goldüberzogene Bild-Ton-Platte wird durch eine ebenfalls vergoldete Plattenhülle geschützt und ist jeweils außen an beiden Voyager-Sonden befestigt. Auf der Hülle ist erklärt, wie man die Platte abspielt. Außerdem tragen die beiden Sonden eine kleine amerikanische Flagge mit sich. Die hält auf dem Bild der Projektleiter des Voyager-Projekts der NASA John Casini im Jahr 1977.
© NASA

Besondere Botschaft

Die Forschenden der Nasa hatten gehofft, dass Voyager 1 und 2 die weitesten Reisen unternehmen würden, die die Menschheit je angetreten hat. Und sie dachten sich: Wer weiß, wen sie dabei treffen? Also gaben sie jeder Sonde eine Botschaft mit – gepresst auf eine mit Gold überzogene Bild-Ton-Platte aus Kupfer. Auf der ebenfalls goldüberzogenen Schutzhülle befindet sich eine Bedienungsanleitung in Bildern. Beides brachten sie zusammen mit einer Abspielnadel gut sichtbar an den Voyagersonden an.

Am schwierigsten war wohl zu entscheiden, was auf den Platten überhaupt zu sehen und zu hören sein soll. Das Team entschied sich schließlich für Grußworte in verschiedenen Sprachen, typischen Geräusche der Erde wie Wind und Wellen. Dazu Fotos, die zeigen, wie wir Menschen auf der Erde leben. Außerdem packte das Team wissenschaftliche Abbildungen auf die Platte, die etwa den Aufbau eines Atoms zeigen.

Ob diese Botschaft eines Tages irgendwen erreicht? Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Schließlich werden die Sonden sie möglicherweise noch in Abermillionen Jahren durchs All tragen – vielleicht selbst dann noch, wenn die Menschheit längst Geschichte ist.

Galaktischer Wettbewerb

Was würdet ihr in eine Zeitkapsel packen, um Außerirdischen die Menschen und die Erde zu beschreiben? Das haben wir euch gemeinsam mit dem Planetarium Hamburg für unseren Wettbewerb aus GEOlino-Ausgabe Nr. 06/22 gefragt. Deren Themenseite zum Voyager.Jubilläum findet ihr hier. Wir sind wahrlich begeistert von euren Zeitkapsel-Collagen! Die zehn Besten zeigen wir euch hier:


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