GEOlino extra Nr. 21/09 - Energie Seite 1 von 3
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Text von Barbara Lich

Hochspannung auf See

So viel ist sicher: Der Bau des ersten deutschen Hochsee-Windparks kostet eine Menge Energie. Nie zuvor wagte man sich so weit aufs stürmische Meer hinaus, um Windkraftanlagen in den Boden zu rammen. Wir haben uns das Testfeld in der Nordsee angesehen


"Kein Ententeich"

Am besten wäre eine Flaute. Windstille. Dann könnten Arbeiter, Techniker und Ingenieure endlich wieder zur Baustelle in der Nordsee schippern. Doch seit ein paar Tagen stürmt es da draußen, 45 Kilometer nördlich der ostfriesischen Insel Borkum. Es ist Anfang Oktober, die Wellen türmen sich meterhoch. Keine Chance: Die Arbeiten am Hochsee-Windpark "Alpha Ventus" müssen einmal mehr unterbrochen werden. Jetzt heißt es warten.


Offshoreanlage in der Nordsee (Foto von: GEOlino)
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Offshoreanlage in der Nordsee

Ein paar Tage später, 54°00' Nord, 6°37,4' Ost. Tjado de Groot steht in seinem leuchtend orangefarbenen Schutzanzug auf dem ersten Deck des gelb lackierten Umspannwerks, einer Station, die zum Windpark gehört – mitten in der Nordsee also. "Wir haben hier oft eine steife Brise", kommentiert der Techniker das schlechte Wetter der vergangenen Tage und rollt dabei das R, wie nur Ostfriesen es tun. Das Surren der Maschinen mischt sich mit dem Klatschen der Wellen, die an die Stahlstelzen der Station schwappen. Obwohl nur ein laues Lüftchen weht, ist der Seegang noch immer stark. Ein Schiff konnte nicht auslaufen. Tjado de Groot und seine Kollegen sind für Reparaturarbeiten deshalb mit dem Helikopter aufs Meer hinausgeflogen. "Die Nordsee ist eben kein Ententeich", grinst der 38-Jährige.


Aber genau deshalb entsteht er ja hier, der erste deutsche Windpark vor der Küste, in der Fachsprache "offshore" genannt: weil die Nordsee kein Ententeich ist. Weil der Wind viel stärker weht als an Land. Weil es viel weniger "windfreie" Tage gibt und weil keine Hügel, Berge, Wälder den Wind ausbremsen. "Die Bauarbeiten sind zwar umständlich, dafür aber hat man später einen größeren Ertrag", erläutert Tjado de Groot. Denn wenn alle zwölf "Mühlen" stehen und sich die Rotorsterne drehen, bringen die Anlagen zusammen eine Leistung von 60 Megawatt. Das ist genug Strom, um damit 50.000 Haushalte versorgen zu können.



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