GEOlino.de - Dem Herrn der Ringe auf der Spur Seite 2 von 4

Alle Daten werden in einem Zentralcomputer, dem Gehirn der Sonde, verarbeitet und über die Hauptantenne zur Erde gefunkt. Dort warten bereits - in Kalifornien, Spanien und Australien - riesige Satellitenschüsseln auf die Signale. Als Cassini im Juli 2004 erste Fotos aus der Umgebung des Saturn schickte, blieb den Forschern fast die Spucke weg. Auf den gestochen scharfen Aufnahmen leuchteten die Saturnringe brillant in Rosa und Braun. Ein paar Tage später entdeckte die Sonde sogar zwei neue Monde, die um den Planeten kreisen, und lieferte wertvolle Informationen über die Stürme. Und das war erst der Anfang! Mindestens vier Jahre lang soll Cassini den Saturn beschatten und auf Befehl von der Erde verschiedene Untersuchungen anstellen.


 (Foto von: ESA/ DLR)
© ESA/ DLR
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1,3 Milliarden Kilometer

Doch wie steuert man eine Sonde, die 1,3 Milliarden Kilometer weit weg ist? Die meiste Zeit folgt Cassini einer vorgeschriebenen Route. Die wurde bereits vor dem Start im Bordcomputer abgespeichert. Soll Cassini ihren Kurs ändern, funktioniert das wie eine umständliche Fernbedienung: Im kalifornischen Kontrollzentrum tippen die Flugleiter ihre Anweisungen in einen Computer. Der wandelt die Befehle in Funkwellen um und schickt sie über die Satellitenschüsseln direkt an Cassini. Anderthalb Stunden rasen diese Wellen durchs All, bis sie die Sonde erreichen.


Eine kleine Ewigkeit - und doch wahnsinnig schnell. Zum Vergleich: Cassini benötigte für ihre Reise zum Saturn fast sieben Jahre. Allerdings musste die Sonde auch einige Umwege in Kauf nehmen. Denn keine Rakete war stark genug, sie direkt ins Zielgebiet zu schießen. Stattdessen musste sich Cassini immer wieder Schwung bei Planeten holen - durch mehrere so genannte "Swing-bys". Dieser Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "vorbeischwingen". Schwung holte sich Cassini zum Beispiel bei der Venus. Die Sonde flog am Kraftfeld des Planeten vorbei und nahm dabei Tempo auf. Dann ließ sie sich aus der Umlaufbahn der Venus hinauskatapultieren - vorwärts Richtung Saturn (lest dazu den Kasten auf Seite 37). Ein echter Weltraum-Trick!


Landekapsel mit Spezialauftrag

Die nächste Actionszene wird es am ersten Weihnachtsfeiertag 2004 geben. Dann werden an Bord der Sonde mehrere Bolzen weggesprengt, an denen Cassinis Begleiter "Huygens" hängt - eine kleine Landekapsel mit Spezialauftrag. An Fallschirmen soll sie auf den Saturnmond Titan absinken und unter die undurchsichtige, orangefarbene Wolkendecke des Himmelskörpers schauen. Ob Huygens dort riesige Meere oder Kontinente entdecken wird, wussten die Wissenschaftler beim Bau der Kapsel noch nicht. Der Hilfsspion wurde deshalb auf alles vorbereitet. Trifft die Sonde auf harten Boden, misst sie die Aufprallgeschwindigkeit und stellt fest, ob es sich um Fels, lockeres Gestein oder Eis handelt. Plumpst Huygens dagegen in einen Ozean, schwimmt sie wie eine Boje und untersucht die Flüssigkeit. Mit einem Echolot kann die Landekapsel etwa die Tiefe des Meeres berechnen. Dazu schickt sie einen Ton zum Grund des Beckens und misst die Zeit, die vergeht, bis er von dort zurückgeworfen wird.


Leider bleiben Huygens für all diese Aufgaben nur zweieinhalb Stunden Zeit - dann geben die Batterien auf. Was der kleine Mond-Kundschafter aber bis dahin an Cassini gefunkt hat, wird unser Wissen über die Geschichte des Sonnensystems wahrscheinlich enorm vergrößern. Denn vor allem der Titan könnte uns etwas über die Vergangenheit unserer Erde verraten: So wie er jetzt beschaffen ist, hat vielleicht der "Blaue Planet" vor Milliarden Jahren ausgesehen. Es gibt also viel zu erforschen für Cassini und Huygens - unsere Agenten im Schatten des Saturn.





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