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Nix wie raus im November

Für Sonnenanbeter ist der November wahrhaftig kein Spaß. In keinem anderen Monat landen wir so häufig in einer dicken Nebel-Suppe, wenn wir uns einmal nach draußen trauen. Warum das so ist und warum es sich trotzdem lohnt raus zu gehen, verrät euch GEOlino.de


Schlehen werden erst nach dem ersten Frost süß. (Foto von: imago/Metodi Popow)
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Schlehen werden erst nach dem ersten Frost süß.

Die letzten süßen Früchte des Jahres

Auch im November gibt es noch Früchte, die geerntet werden können. Obwohl die Früchte des Schlehdorns schon seit September dunkelblau an den Büschen hängen, lohnt es sich, mit dem Pflücken bis November zu warten. Denn erst nach dem ersten Frost wird der Geschmack der Schlehen süßlich und mild - eine Mischung aus Pflaume, Kirsche und Bittermandel.


Der dornige Strauch gehört zu den Rosengewächsen und kann bis zu drei Meter hoch werden. Im Frühling ist er übersät mit kleinen weißen Blüten. Da der Schlehdorn anspruchslos ist, wächst er häufig an Weges- und Feldrändern. Im Herbst werden seine blauen kirschgroßen Früchte reif und sind ein Festmahl für zahlreiche Vögel.

Nicht so für den Menschen, der den ersten Frost abwarten muss, bis die Schlehen für ihn genießbar werden. Bis dahin sind die Früchte herb und sehr sauer. Deshalb wurde das altdeutsche Wort "Schleh" auch ihr Namensgeber, es bedeutet so viel wie "stumpf an den Gaumen kommend". Der Frost sorgt jedoch dafür, dass die Gerbstoffe in der Frucht herabgesenkt werden und das eigentliche Aroma der Schlehen zum Vorschein kommt.

Nun können die Früchte geerntet und zum Beispiel zu Saft oder Gelee verarbeitet werden. Um die Schlehen zu entsaften, ritzt ihr sie mit einem scharfen Messer ein und kocht sie mit Wasser bedeckt in einem Topf weich. Anschließend gebt ihr die Masse in ein Tuch und filtert den Saft heraus. Einen Liter Saft müsst ihr mir etwa zwei Kilo Gelierzucker aufkochen, um Gelee herzustellen. Für die Herstellung von Schlehensaft benötigt ihr nur etwa 500 Gramm Zucker. Vor dem Trinken verdünnt ihr ihn dann mit Wasser, da er sonst sehr süß ist. Lasst es euch schmecken!


Nebelmonat November


Über Gewässern entsteht im Herbst besonders schnell Nebel. (Foto von: picture-alliance / dpa)
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Über Gewässern entsteht im Herbst besonders schnell Nebel.

Im November hängt oft tage- oder sogar wochenlangen Nebel über der Landschaft. Nicht ohne Grund hat man den Monat deshalb früher "Nebelmond" oder "Nebelung" genannt.

Nebel kann unterschiedliche Ursachen haben, seine Entstehung hat jedoch immer mit dem Wasserdampf in der Luft zu tun. Am Zapfenbarometer (Anleitung siehe unten) könnt ihr ablesen, ob es draußen feucht oder trocken ist, ob also gerade mehr oder weniger Wasserdampf in der Luft vorhanden ist.


Kalte Luft kann weniger Wasserdampf mit sich führen als warme. Wenn sie unter eine bestimmte Temperatur, den sogenannten Taupunkt, absinkt, muss sie daher einen Teil des in ihr enthaltenen Wasserdampfes loswerden. Das tut sie, indem sie winzige Tröpfchen ausscheidet - man sagt: der Wasserdampf kondensiert.

Im Herbst kühlt die Luft in den Nächten bereits stark ab und es bleibt morgens noch lange frisch. Beste Voraussetzungen für die Wasserdampf-Tröpfchen, die unter diesen Umständen in der Luft schweben bleiben und die Sichtweite verringern. Man spricht dabei zunächst von Dunst. Erst ab einer Sichtweite unter 1000 Metern sagt man Nebel.

Warum ist aber der November der nebelreichste Monat und nicht der Dezember, wenn die Nächte am längsten sind? Das liegt daran, dass die Luft im Dezember schon so abgekühlt ist, dass sie kaum noch Wasserdampf enthält, aus dem sich Nebel bilden könnte. Im Herbst ist sie hingegen noch warm genug, um viel Wasserdampf mit sich zu tragen, der dann bei einer Abkühlung kondensiert.

Beobachten könnt ihr diesen Effekt besonders gut über Flüssen und Gewässern, die vom Sommer noch relativ warm sind. Schiebt sich in der Nacht kalte Luft über das Wasser und die darauf liegende warme Luftschicht, bilden sich Nebelschwaden. Dieses Phänomen nennt man "Flussrauchen", obwohl es mit Rauch nicht das Geringste zu tun hat. Genau anders herum ist es bei Wiesen und Mooren. Dort bildet sich schnell Nebel, weil sowohl Moorböden als auch das dichte Wurzelwerk des Grases nachts besonders kalt werden. Sie kühlen die Luftschichten darüber rasch bis unter den Taupunkt ab, die dann den überschüssigen Wasserdampf in Form von Nebel abgeben.


Das Zapfenbarometer


Links der Kiefernzapfen bei trockenem Wetter, rechts bei hoher Luftfeuchtigkeit. (Foto von: Katja Grundmann)
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Links der Kiefernzapfen bei trockenem Wetter, rechts bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Das Thermometer zeigt gerade einmal 5°C an und ihr fühlt euch, als wären es schon -10°C? Das hat seinen Grund, denn wie warm oder kalt wir das Wetter draußen empfinden, hängt nicht nur von der Temperatur ab. Die vom Mensch gefühlte Temperatur wird ebenso von der Windstärke und der Luftfeuchtigkeit bestimmt. Wind entzieht der Haut Feuchtigkeit und kühlt den Körper aus. Ebenso macht es die trockene Luft. So wird dem Körper Energie geklaut, weshalb sich trockene Luft im Winter viel kälter anfühlt als feuchte. Im Sommer ist es genau anders herum: Wenn die Luft feucht ist, es draußen also so richtig schwül ist, kann der Körper, der seine Temperatur über die Haut reguliert, nur schwer Feuchtigkeit abgeben. Dann ist uns viel heißer als bei trockener Wärme.


Um immer passend gekleidet zu sein, hilft euch vor dem Rausgehen ein Blick auf das Hygrometer. Ein solches Gerät misst die Luftfeuchtigkeit und ihr könnt es ganz einfach selber bauen. Ihr braucht dazu einen kräftigen Faden und einen Kiefern- oder Fichtenzapfen. Die schüttelt der Wind in dieser Jahreszeit von den Bäumen und ihr könnt sie leicht aufsammeln.

Und so geht’s: Ihr befestigt den Faden an der dicken Seite des Zapfens und hängt ihn mit der Spitze nach unten draußen auf. Am besten eignet sich dafür ein überdachter Balkon oder ein Dachgiebel, unter dem das Zapfenbarometer vor dem Regen geschützt ist, ihr es aber durch das Fenster sehen könnt. Wird das Wetter schön und die Luft trocken, öffnet sich der Zapfen. Kommt hingegen Regen und feuchte Luft, schließt er seine Schuppen.

Wieso ist das so? Kiefern- und Fichtenzapfen reagieren sehr empfindlich auf Feuchtigkeit. Je mehr Wasserdampf in der Luft ist, desto höher ist die Regenwahrscheinlichkeit. Dann schließt sich der Zapfen, um seine Samen festzuhalten. Denn die Samen möchte der Zapfen bei trockenem Wetter abgeben, wenn der Wind sie davontragen kann. Wenn es soweit ist, trocknen die Fasern in den Schuppen und schrumpfen. Die Schuppen biegen sich dabei weit auseinander, der Zapfen öffnet sich und wir wissen, dass das Wetter erst einmal schön bleiben wird.

Ob ihr einen Regenschutz einpacken müsst oder nicht, verrät euch das nächste Mal also das Zapfen-Hygrometer vor eurem Fenster.





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