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Hallo Kosmos Wie Pluto zum Zwergplanet wurde

Zwergplanet Pluto
© Shutterstock
Vor 15 Jahren wurde Pluto vom Planet zum Zwergplanet. Wie kam es dazu? Und warum sind manche Expertinnen und Experten mit dieser Entscheidung nicht einverstanden? Lest selbst!

Unsere neue GEOlino.de-Rubrik „Hallo Kosmos“ entsteht in Zusammenarbeit mit dem Planetarium Hamburg. Hier klärt die Astrophysikerin Dr. Mariana Wagner vom Sternentheater alle Fragen rund um Planeten, Monde, Sterne und Galaxien.

„Mein Vater erklärt mir jeden Samstag unseren Nachthimmel“ – mit diesem Spruch könnt ihr euch die Reihenfolge und Namen unserer Planeten merken. Die Anfangsbuchstaben der Wörter sind die gleichen wie die der Himmelskörper – ausgehend von der Sonne: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Frühere Generationen sagten allerdings „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten.“  

Aus neun mach acht

Denn früher gehörten nicht acht, sondern neun Planeten zu unserem Sonnensystem. Der eine ist aber nicht etwa verschwunden. Pluto, den kleinsten in unserer einstigen Planetenfamilie, erklärte die Internationale Astronomische Union (IAU) zum Zwergplaneten. Die IAU ist eine Vereinigung von Expertinnen und Experten für den Weltraum.

Das Ganze ist in diesem August schon 15 Jahre her – und für viele ist es ein trauriges Jubiläum, denn sie halten die Entscheidung für ungerechtfertigt.

Was ist ein Planet? 

Früher galt jeder um die Sonne kreisende, große Himmelskörper als Planet. Doch dann wurden am Rande unseres Sonnensystems weitere Objekte entdeckt. Ob es sich dabei auch um Planeten handelte? Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berieten darüber fast zwei Jahre lang. Einige befürchteten für die Zukunft eine wahre Flut neuer Planeten. Darum diskutierten sie wie Planeten ab jetzt definiert werden sollten. Auf einer großen Konferenz kam es zur Abstimmung. Schließlich wurde festgelegt, dass nur Himmelskörper als Planeten gelten, die:

  1. auf einer Umlaufbahn um die Sonne kreisen,
  2. schwer genug und damit annähernd rund sind und
  3. das Umfeld ihrer Umlaufbahn von anderen Himmelskörpern freigeräumt haben.

Den dritten Punkt erfüllen Pluto und andere „Zwerge“ nicht. 

Ein Herz für Pluto, den Planeten

Der Streitpunkt: Die Idee der aufgeräumten Umlaufbahn kam erst am letzten Tag des Treffens auf, als schon viele Expertinnen und Experten abgereist waren. Sie konnten also weder ihre Meinung dazu äußern, noch mit abstimmen. Selbst heute, nach 15 Jahren, ist die Entscheidung darum strittig. Denn die eigentlichen Planetenforschenden wurden bei der Entscheidung zu Plutos Herabstufung gar nicht gefragt. 

Zwergplanet Pluto
© NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

„Geländewagen“ im Sonnensystem

Auch wir im Planetarium Hamburg finden: Pluto ist ein echter Planet und muss seine Umlaufbahn nicht unbedingt frei räumen. Außerdem ist der jetzige Zustand im Weltall nur eine Momentaufnahme, denn die Planeten-Bahnen verändern sich im Laufe der Zeit.

Der Direktor des Hamburger Planetariums, Prof. Thomas W. Kraupe, hat dafür den Vergleich zu einem Auto herangezogen: Auch hier ist es nicht entscheidend, ob das Fahrzeug auf einer zementierten Straße unterwegs ist, oder auf holprigem Gelände. Auto bleibt Auto. Für ihn ist Pluto einfach der „Geländewagen“ im Sonnensystem. 

Er weiß: Die Folge der Herabstufung von Pluto und anderen Himmelskörpern, die ihm ähnlich sind, schwächt das Interesse an ihnen. Sie bremst den Forschungsdrang an den äußeren Bereichen unseres Sonnensystems aus. Dabei haben auch die neudefinierten Zwergplaneten eine große Bedeutung für unser menschliches Verständnis der Entstehung der Welt und des Lebens.

Wie könnte ein Planet noch beschrieben werden?

Ob ein Himmelskörper als Planet bezeichnet werden kann, könnte man stattdessen auch davon abhängig machen, wie vielfältig die Landschaften sind, die er aufweist. So zeigte die Raumsonde „New Horizons“ im Jahre 2015, dass auf Pluto zahlreiche (eisige) Landschaften zu finden sind, die an unsere Erde erinnern: Forschende entdeckten Gletscher, Anzeichen von Vulkanen oder einstige Ozeane auf Pluto. Darüber hinaus hat der Himmelskörper wie die meisten Planeten mehrere Monde, die um ihn kreisen. 

Der Projektleiter der NASA-Mission „New Horizons“, Dr. Alan Stern, sagte im Gespräch mit dem Planetarium Hamburg auch: 

„Zwergplaneten sind Planeten, weil sie alle Merkmale eines Planeten aufweisen – eine durch die Schwerkraft entstandene runde Form und Attribute wie Atmosphären, Satelliten, komplexe Geologie und Kerne.“

Übrigens: Exo-Planeten, also Himmelskörper, die Sonnen außerhalb unseres Planetensystems umkreisen, dürfen weiterhin so genannt werden. Dabei könnte die Umlaufbahnen dieser fernen Welten viel ungewöhnlicher als die Plutos sein. 

Was denkt ihr?

Zum 90. „Geburtstag“ Plutos im vergangenen Jahr haben wir vom Planetarium Hamburg die Aktion #PlutoForPlanet ins Leben gerufen. Dabei haben wir uns für ihn und die anderen Zwergwelten eingesetzt. Wir wollen die Menschen dazu bewegen, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Was denkt ihr? 

Neugierig auf mehr? In der GEOlino.de-Rubrik „Hallo Himmel“ beantwortet Dr. Mariana Wagner euch jeden Monat ein aktuelles Himmelsphänomen zum Beobachten, Staunen und Weitererzählen.


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