Kambodscha Battambang

Das Arrupe-Zentrum in Battambang hilft Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu Leben. Dort wohnt zum Beispiel Som At, der zeigt, dass man auch mit Krücken einen Handstand machen kann. Neugierig geworden? Wir erzählen euch die ganze Geschichte
Battambang

In der Stadt Battambang, im Westen von Kambodscha, gibt es ein Zentrum für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, das Arrupe-Zentrum. Viele Bäume stehen hier und es gibt eine Kirche, einen Gemüsegarten und einen Fußballplatz. Der wird gerade nicht zum Kicken benutzt, sondern zum Breakdancen. Som At zeigt den anderen, wie ein Handstand auf Krücken geht. Minutenlang hält er kopfüber sein Gleichgewicht. In einem kleinen Haus gleich hinter dem Fußballplatz sitzen Kinder vor Computern. Zusätzlich zur normalen Schule lernen sie hier Word und Excel.

Ein Junge im Rollstuhl zeigt den Kleineren, wie es geht. Channeng ist beim Holzsammeln auf eine Landmine getreten und hat bei dem Unfall beide Beine und seinen linken Arm verloren. Seit fünf Jahren lebt er in dem Zentrum. Hier hilft er den Jüngeren nicht nur am Computer. Er ist ein Vorbild für sie und zeigt ihnen, dass man das Beste aus seinem schweren Schicksal machen kann. "Alle Menschen haben eine Behinderung", sagt er. "Man sieht sie nur nicht immer. Zum Beispiel können manche Menschen nicht lieben. Die Behinderung ist beendet, wenn du dich ihr stellst und sie akzeptierst."

Dient

Dient spreizt die Finger und dreht die Hand ein. Langsam, im Takt der Musik, schiebt sie den Arm nach vorne. Ihre Tanzlehrerin, eine zierliche Frau, tritt hinter sie und hebt ihren Arm etwas an. Auch die Schultern soll Dient noch ein bisschen zurücknehmen. Dabei geht es um Millimeter. Heute proben Dient und die anderen Mädchen ihrer Tanzgruppe den Segenstanz. Dieser alte kambodschanische Tanz wurde früher im Königspalast für Gäste aufgeführt. Die Tänzerinnen werfen dabei Blüten auf die Zuschauer und segnen sie so. Jede Handbewegung, jede Fingerposition ist genau festgelegt. Die Tanzlehrerin ist streng: Selbst die kleinste Nachlässigkeit wird korrigiert. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Tänzerin wie Dient im Rollstuhl sitzt oder nicht. Das harte Training zahlt sich aus. Die Tanzgruppe ist so erfolgreich, dass sie schon in Spanien, Korea und Australien aufgetreten ist.

Trainiert werden die Mädchen auf einer Dachterasse im Arrupe-Zentrum. Eine steile Rampe führt hinauf und auch wieder hinunter. Nach dem Training saust Dient mit Vollspeed und laut lachend gen Erdgeschoss. Die 16-Jährige ist auf eine Landmine getreten, als sie ganz in der Nähe ihres Dorfes Gemüse vom Feld holen wollte. Durch den Unfall hat sie ihr rechtes Bein verloren. Danach wollte sie aus Scham kaum das Haus verlassen. Erst im Arrupe-Zentrum hat sie neuen Mut gefasst. Hier lernte sie, dass man auch mit einer Behinderung fast alles schaffen kann. Viele der Angestellten, die im Zentrum arbeiten, haben selbst eine Behinderung und sind den Kindern Hilfe und Vorbild. Dient sitzt übrigens nur beim Tanzen im Rollstuhl. In der Schule und in ihrer restlichen Freizeit kommt sie mit ihrer Beinprothese hervorragend ohne den Rollstuhl zurecht.

Battambang

Rattana

Battambang

Rattana zeigt uns die Stelle, wo es passiert ist: Mitten in Battambang hatte der Fluss einen glitzernden Gegenstand ans Ufer gespült, gleich unter dieser Brücke. Rattana dachte, es sei ein Spielzeug. In Wirklichkeit war es der Zünder einer Streubombe. Als Rattana ihn aufhob, explodierte er in seinen Händen und verletzte den Jungen schwer. Der 13-Jährige ist seitdem fast blind und er verlor seine rechte Hand und mehrere Finger der linken. Im Arrupe-Zentrum hat Rattana Freunde gefunden. Mit ihnen albert er herum, spielt Fußball oder musiziert. Natürlich geht er auch zur Schule und an den Wochenenden unternimmt er etwas mit seiner Familie.

Som At

Som At ist vierzehn Jahre alt. Als Kind erkrankte er an Kinderlähmung. Seine Beine sind seitdem verkümmert. Im Sport macht ihm dennoch so schnell keiner etwas vor. Jeden Tag spielt er mit den anderen Jungs Fußball. Alle machen mit. Wer keine Beine hat, dribbelt mit den Armen. Wer auf Krücken geht, nutzt die zum Schießen. Niemand wird ausgeschlossen. Alle nehmen Rücksicht aufeinander.

Weitere Informationen

Wenn ihr mehr wissen wollt über Kambodscha und darüber, wie Kinder dort leben, schaut doch mal bei den Sternsingern www.sternsinger.de vorbei. Der "Sternsinger" ist das Magazin des Kindermissionswerks. Hier ist der Artikel über Battambang zuerst erschienen.

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