Mitgestalten "Wir geben der Jugend eine Stimme"

Politik interessiert Jugendliche, da sind sich Heidrun Fritze und Andreas Deutinger ganz sicher. Wer könnte es besser als sie wissen? Wohl niemand, denn die beiden sind UN-Jugenddelegierten und touren derzeit durch Deutschland, um von euch zu erfahren, was euch bewegt
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Ihr wollt auch politisch aktiv werden? Wir geben euch Tipps!
"Wir geben der Jugend eine Stimme"

Die beiden UN-Jugenddelegierten Heidrun Fritze und Andreas Deutinger

Heidrun und Andreas, ihr seid UN-Jugenddelegierte, was bedeutet das?

Heidrun: Als UN-Jugenddelegierte vertreten wir die Interessen der deutschen Jugendlichen bei der UN-Generalversammlung. Das ist ein jährliches Treffen der 192 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen. Dort werden UN-Resolutionen verabschiedet.

Und dürft ihr als UN-Jugenddelegierte richtig Mitmischen?

Andreas: Wir sind Teil der deutschen UN-Delegation. Wir werden in New York an Ausschuss-Sitzungen, offiziellen und inoffiziellen Treffen, Veranstaltungen und Empfängen teilnehmen und dort der Jugend eine Stimme geben.

Hören erwachsene Politiker auf die Stimme der Jugend?

Andreas: Jetzt waren wir noch nicht in New York, doch von unseren Vorgängern wissen wir, dass die Rede der UN-Jugenddelegierten immer sehr viel Aufsehen erregt. Es ist eigentlich unüblich, dass Diplomaten nach den Reden klatschen. Doch bei unseren Reden setzen sie sich oft über die Geflogenheiten hinweg. Immer wieder kommt es während der Tage in New York wohl auch vor, dass sich einzelne Diplomaten auf unsere Rede beziehen.

Was sind eure Erfahrungen mit deutschen Politikern?

Andreas: Die Bundesregierung ist sehr offen, sie unterstützt uns sehr. Besonders eng arbeiten wir mit dem Auswärtigem Amt und dem Bundesfamilienministerium zusammen. Wir nahmen zum Amtsbeginn auch Kontakt zu den jugendpolitischen Sprechern des Bundestags auf. Da mussten wir feststellen, dass einige nicht so viel mit internationaler Jugendpolitik anfangen konnten, aber insgesamt waren alle Politiker uns gegenüber sehr offen.

Doch ihr sprecht nicht nur mit Politikern. Vor allem hört ihr euch an, was für Belange die Jugendlichen hier haben.

Heidrun: Richtig. Zur Vorbereitung auf New York gehen wir auf Deutschlandtour. Wir sprechen mit Jugendgruppen oder Schulklassen über Politik. Die wichtigsten Forderungen nehmen wir in unser Gepäck mit nach New York und versuchen sie in einer Resolution mit einzuarbeiten.

Welche Themen werden das sein?

Andreas: Noch ist es zu früh das zu sagen, denn wir befinden uns noch mitten in der Tour. Was wir allerdings auf jeden Fall erreichen wollen, ist eine stärkere Mitbestimmung von Jugendlichen, also eine Stärkung der Partizipation. Es reicht nicht aus, dass Jugendliche von Politikern angehört werden, Politiker mit ihnen ein Foto schießen lassen.

Welche Themen interessieren die Jugendlichen, mit denen ihr sprecht?

Andreas: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema. Sie sind gegen den Klimawandel, der Umweltschutz ist ihnen wichtig. Ich finde, es ist kein Wunder, dass das die Jugend bewegt, schließlich sind sie die Generation, die am meisten vom Klimawandel betroffen ist.

Heidrun: Außerdem ist dieses Jahr das Thema Flüchtlinge und Migration aus aktuellem Anlass ganz zentral. Die Jugendlichen wollen wissen: Wieso müssen Menschen fliehen und was müssen sie auf einer Flucht durchmachen oder was müssen sie auf ihrer Flucht erleben.

Oft wird den Jugendlichen nachgesagt, sie hätten kein Interesse an Politik. Zurecht?

Heidrun: Ich merke immer wieder, dass das Wort Politik abschreckt. Oft hören wir, dass Jugendliche sagen, sie seien politisch nicht interessiert. Doch wenn sie hören, das Politik viel breiter gefächert ist als nur das Tagesgeschehen der Regierung innerhalb Deutschlands, wenn man ihnen aufzeigt, dass sie auch internationale Themen mit Politik in Bezug stehen, ja Politik sind, sind sie sehr begeistert und diskutieren mit. Und wir merken: Viele Jugendliche sind engagiert, nutzen die lokale Ebene oder Schulgremien, um sich zu beteiligen.

Welche Tipps gebt ihr Jugendlichen, die etwas bewegen wollen?

Heidrun: Sie sollen die Augen offen halten. Lokal anpacken ist der einfachste Weg. Ich kann nur sagen: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Doch grundsätzlich merke ich: Engagement muss mehr wertgeschätzt werden. In uns Jugendlichen steckt sehr viel Potenzial.

Ihr wollt auch politisch aktiv werden? Wir geben euch Tipps!

Ihr könnt euch auf verschiedene Weisen in der Politik engagieren. Beispielsweise im Kinderparlament oder in einer Partei. Die Möglichkeiten stellen wir euch hier vor

Kennt ihr das? In eurer Stadt werden alle Orte, die Spaß machen, abgerissen. Außerdem fehlt es an Fahrradwegen. Scheinbar haben die Politiker des Ortes gar nicht mitbekommen, dass Missstände herrschen. Dann solltet Ihr etwas unternehmen!

Kinderparlament

Wenn ihr in einer Stadt wohnt, in der es ein Kinderparlament gibt, könnte das der erste Schritt sein. Dort treffen sich Schüler eurer Stadt, die auch etwas bewegen möchten. Bei euren Treffen überlegen ihr gemeinsam, was ihr verändern möchtet. Beispielsweise könnt ihr das Gespräch auf die fehlenden Fahrradwege lenken. Daher solltet ihr dann aufschreiben, welche Wege betroffen sind und einen Brief an die Behörde eurer Stadt schicken, die für den Verkehr verantwortlich ist. Der zuständige Lokalpolitiker liest den Brief und spricht euch Kinderparlamentarier daraufhin an. Mit ein bisschen Glück und Beharrlichkeit erkennt der Politiker, dass es sich wirklich um ein großes Problem handelt und macht sich dafür stark, dass sich die Situation ändert.

Parteien

Parteien sind Gruppen von Menschen, die gemeinsame politische Ziele haben. Diese Menschen treffen sich regelmäßig. Während der Treffen überlegen sie sich - ähnlich wie die Kinder im Kinderparlament -, wie das Land regiert werden soll und formulieren ihre Vorstellungen. Damit sie diese Ideen umsetzen können, müssen viele Menschen überzeugt werden, damit sie dann bei der nächsten Wahl die Partei unterstützen. Wenn ihr 14 Jahre alt seid und richtig Freude an der Politik gefunden habt, könnt ihr in eine Partei eintreten. Um in eine Partei aufgenommen zu werden, müsst ihr einen Antrag ausfüllen und einen geringfügigen Mitgliedsbeitrag bezahlen.

Von den fünf großen Parteien, die im Bundestag vertreten sind, habt ihr bestimmt schon gehört. Diese Parteien haben jeweils eine eigene Jugendorganisation, die ganz ähnlich wie die großen Parteien heißen:

  • die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) die Jusos
  • die Christliche Demokratische Union/ Christliche Soziale Union (CDU/CSU) die Junge Union
  • Bündnis 90/Die Grünen die Grüne Jugend
  • die Freie Demokratische Partei (FDP) die Jungen Liberalen (JuLis)
  • die Linken die Linksjugend

Doch das sind ziemlich viele Parteien. Sicherlich fragt ihr euch: Wofür stehen die Parteien eigentlich? Was wollen sie im Land durchsetzen? Und welche ist die richtige für mich?

  • Die Junge Union bezeichnet sich selbst als "christlich-demokratisch und liberal". Einsetzen wollen sie sich für einen freiheitlichen Rechtsstaat, was bedeutet, dass sich alle im Land an die Gesetze halten sollen. Außerdem fordert die Junge Union eine soziale und ökologische Marktwirtschaft. Das christlich geprägte Menschenbild bildet den Kern ihrer Grundsätze.
  • Dann gibt es die Jusos: Sie schreiben sich die Werte "Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit" auf die Fahnen. Sie möchten erreichen, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu Bildung bekommen und dass es im Staat gerecht zu geht.
  • Außerdem existiert die Grüne Jugend: Die Organisation fordert, dass alle Energie aus Erneuerbaren Energien, also aus Sonnen- oder Windenergie stammt. Sie sind gegen Kohle- und Atomstrom. Und sie möchten erreichen, dass das Internet für alle frei wird und die persönlichen Daten im Netz geschützt werden.
  • Den JuLis ist, wie das Wort liberal bereits verrät, was sich in ihrem Namen versteckt, Freiheit und Eigenverantwortung wichtig. Sie betrachten den Menschen als selbst bestimmend handelnden Menschen. Dieser vertraut vor allem auf sich selbst und setzt nicht auf den Staat als Gesamteinheit. In der Politik der JuLis spielen daher die liberalen, also freiheitlichen, Ideen eine wichtige Rolle.
  • Und zuletzt gibt es noch die Linksjugend. Sie möchten die Welt stark verändern, denn sie wünschen sich eine Gesellschaft, in der es keine sozialen Unterschiede gibt. Darüber hinaus fordern sie, dass die Banken und Konzerne wieder in die Hände des Staates gelangen.

Wenn ihr dann für euch die richtige Partei ausgesucht habt, geht einfach mal zu einem Treffen hin und schaut es euch an. Wenn es euch gefällt, könnt ihr euch bestimmt immer weiter einbringen und bald politische Ämter übernehmen - zunächst auf kommunaler Ebene, später vielleicht auch Mal in höheren Positionen wie im Landtag oder gar auf Bundesebene.

UN-Jugenddeligierte

Doch wenn ihr noch mehr auf internationaler Ebene tätig sein wollt und euch für Jugendthemen interessiert, sind die UN-Jugenddeligierten vielleicht etwas für euch. Die Vereinten Nationen, kurz UNO genannt, ist der Zusammenschluss von 192 Ländern, also fast allen Ländern der Welt. Regelmäßig treffen sich die Vertreter der Mitgliedsländer, um gemeinsam über die Probleme der Welt zu sprechen und Lösungen hierfür zu finden.

Bei der UNO-Generalversammlung, die einmal jährlich in New York stattfindet, vertreten die Interessen der Jugendlichen zwei junge Leute aus Deutschland. Sie werden UN-Jugenddeligierten genannt. Um zu erfahren, was euch bewegt, reisen sie vorab durch Deutschland und diskutieren mit Jugendgruppen zum Beispiel über Bildung, Globalisierung, Umwelt und AIDS. Die Ergebnisse von den Gesprächen packen sie für die Versammlung in ihr Gepäck. Dort halten sie vor einem wichtigem Ausschuss eine Rede und erzählen den Politikern, was der Jugend wirklich wichtig ist.

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