Auf frischer Tat befragt

Ob Rechtsmedizinerin, Kaufhaus-Detektiv oder Handschriften-Expertin - diese Menschen haben einen spannenden Beruf. Hier stellen sechs ganz besondere Ermittler ihre aufregenden Berufe vor
In diesem Artikel
Rechtsmedizinerin: Die Leichenflüsterin
BND-Agent: Der Anti-James-Bond
Kaufhaus-Detektiv:Der Alles-Seher
Handschriften-Expertin: Die Buchstaben-Deuterin
Tatort-Fotograf: Der Fährten-Festhalter
Fallanalytiker: Der Hinter-den-Spuren-Sucher

Rechtsmedizinerin: Die Leichenflüsterin

Herzinfarkt oder Mord? Ann Sophie Schröder, 32, findet es heraus - und entlockt Toten so manches Geheimnis

Beruf:

Assistenzärztin für Rechtsmedizin

Alltag:

Es scheint ein Gesetz zu sein, dass die spannenden Fälle - Morde etwa - meistens nachts oder am Wochenende passieren. Dann fahren wir zum Tatort und sichern Spuren: Speichel und Blut, um die DNS darin, das Erbgut, untersuchen zu können. Später im Institut nehmen wir den Körper ganz genau unter die Lupe. Wie verlaufen Schuss- oder Stichverletzungen? Dann folgt die innere Leichenschau: Wir öffnen den Schädel, die Bauch- und die Brusthöhle und untersuchen alle Organe - auch dann, wenn es zunächst so aussieht, als sei jemand durch einen "normalen" Verkehrsunfall gestorben. Wir dürfen nicht vom Naheliegenden ausgehen. Vielleicht hatte die Person einen Herzinfarkt und dadurch die Kontrolle über das Auto verloren?

Spannendster Fall:

Ich hatte einmal einen alten Herrn vor mir liegen, der in seiner Wohnung gefunden worden war. Es waren fast nur noch Knochen von ihm übrig. Wir konnten trotzdem feststellen, dass er höchstwahrscheinlich auf natürliche Weise gestorben war. Seine Angehörigen hatten ihn nur in der Wohnung belassen, um weiterhin seine Rente zu kassieren. Es war beruhigend herauszufinden, dass ihm wenigstens zu Lebzeiten kein Unrecht angetan worden war.

Ausbildung:

Ich habe Medizin studiert, wie jeder andere Arzt auch. Danach habe ich meine Facharzt-Ausbildung in der Rechtsmedizin begonnen: Dort lernt man am besten, indem man mitarbeitet.

Tipp:

Wer diesen Beruf ergreifen will, sollte nicht den TV-Serien glauben, sondern erst einmal selbst in die Arbeit hineinschnuppern. Und das meine ich wörtlich: Man sollte den Umgang mit Verstorbenen mit allen Sinnen erlebt haben - Riechen, Sehen, Hören, Fühlen.

Auf frischer Tat befragt

Sophie Schröder ist Rechtsmedizinerin

BND-Agent: Der Anti-James-Bond

Dieter Arndt, 53, versuchte jahrelang herauszufinden, wo Gefahren für Deutschland lauern

Beruf:

Ex-Agent, heute Pressesprecher des Bundesnachrichtendienstes (BND)

Alltag:

Das vorweg - mit einem James-Bond-Film hat unser Alltag wenig gemein. Sicher haben Agenten einige Tricks auf Lager, aber die verraten wir nicht. Denn der BND ist der geheime Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland. Mit unseren Nachforschungen unterstützen wir die Regierung bei ihren Entscheidungen zur Außen- und Sicherheitspolitik. Wir helfen aber auch der Bundeswehr bei ihren Auslandseinsätzen, zum Beispiel in Afghanistan. Wir liefern etwa Informationen dazu, wo welche Gefahren lauern. Genaueres zu unseren Einsätzen darf ich nicht sagen. Wer beim BND arbeitet, muss sich an eine Schweigepflicht halten - das ist wichtig für die Arbeit.

Spannendster Fall:

(lacht) Ich sage jetzt einfach einmal: die Erziehung meiner Kinder.

Ausbildung:

Ich habe mich gleich nach der Schule beim BND beworben und eine Ausbildung dort gemacht. Wir haben sehr verschiedene Berufsgruppen in unseren Reihen - vom Mathematiker über den Sprachwissenschaftler bis zum Handwerker.

Tipp:

Wer diesen Beruf ergreifen will, dem muss dreierlei wichtig sein. Erstens: die Aufgaben mit Geschick, Können und Ernsthaftigkeit anzugehen. Zweitens: Interesse zu haben für andere Länder und deren Kulturen. Und drittens: immer genau zu wissen, wofür man dies tut, nämlich für die Sicherheit der Menschen in Deutschland. Das bedeutet möglichst früh zu erkennen, wo und wieso in der Welt Gefahren für uns lauern oder entstehen können.

Kaufhaus-Detektiv:Der Alles-Seher

Bei ihm ist der Name nicht Programm, im Gegenteil: Carsten Klauer, 49, stellt Ladendiebe

Beruf:

Kaufhaus-Detektiv und Geschäftsführer einer Hamburger Detektei

Alltag:

Für Kaufhaus-Detektive gibt es drei Aufgabenfelder. Sie arbeiten als Wachpersonal in den Läden. Oder beobachten das Geschehen per Videokamera. Oder sie mischen sich - gekleidet wie jeder andere - unter die Kunden und versuchen, Ladendiebe auf frischer Tat zu ertappen. Mit den Jahren bekommt man einen Blick für Verdächtige. Man wird sofort misstrauisch, wenn Kunden zunächst ziellos durch ein Geschäft schlendern, dann aber zielgerichtet zum Ausgang laufen. Oder wenn sie sommers viel zu warme Mäntel tragen - um darin Diebesgut zu verstecken. Es gibt so viele Tricks, mit denen sie es versuchen. Bloß: Am Ende bekommen wir die Übeltäter doch meistens, denn irgendwann macht jeder einen Fehler.

Spannendster Fall:

Der passierte erst vor Kurzem! In einem Elektronik-Handel war über Tage hinweg gestohlen worden, immer wieder fehlte abends Ware. Die Detektive im Laden hatten aber nichts beobachten können. So haben wir Videos aufwendig ausgewertet und tatsächlich Verdächtige erkennen können. Diese Daten haben wir dann weitergegeben an andere Kaufhäuser und Läden. Und dort konnten die Diebe dann tatsächlich gestellt werden. Bei einer Hausdurchsuchung fand man noch viel mehr Diebesgut im Wert von mehreren Tausend Euro. Dass das so geklappt hat, war schon etwas Besonderes.

Ausbildung:

Als ich vor über 20 Jahren begann, habe ich mich von einem erfahrenen Kaufhaus-Detektiv anleiten lassen. Bis heute ist Kaufhaus-Detektiv kein Ausbildungsberuf. Aber man muss mittlerweile bei der Handelskammer Lehrgänge belegen.

Tipp:

Wer diesen Beruf ergreifen will, sollte nicht klauen - im Ernst! Denn mit einer Vorstrafe kann man weder Detektiv noch Polizist werden.

Auf frischer Tat befragt

Carsten Klauer ist Ladendetektiv

Handschriften-Expertin: Die Buchstaben-Deuterin

Dorothea Cramer, 52, liest in der Handschrift eines Menschen wie in einem offenen Buch

Beruf:

Sachverständige für Handschriften- Untersuchung

Alltag:

Ich untersuche, zu wem eine ganz bestimmte Handschrift gehört. Etwa ob eine Unterschrift auf einem Testament oder Vertrag echt ist. Dazu muss ich erst einiges über den Schreiber wissen: War er bei Sinnen oder betrunken? Nutzte er das Autodach als Unterlage? All das beeinflusst das Schriftbild. Dann wird es detektivisch: Ich mache mithilfe von Kohlestaub sogenannte blinde Druckrillen sichtbar. Die entstehen etwa, wenn jemand ein Blatt über ein Dokument legt und darauf die Unterschrift übt; das drückt sich durch. Dann durchleuchte ich das Schriftstück von allen Seiten. So kann man sehen, was unter einer mit Deckfarbe korrigierten Stelle steht. Unter dem Mikroskop gucke ich mir die Papierfasern an. Die verraten, ob jemand eine Unterschrift mit Bleistift vorgeschrieben und sie dann wegradiert hat. Am Schluss schreibe ich mein Gutachten. Das geht dann an den Auftraggeber, etwa eine Privatperson oder die Staatsanwaltschaft.

Spannendster Fall:

Ein Mordanschlag. Ein Getränkemarkt hatte als Werbung Proben eines neuen Produkts verschickt. Schon nach einem Schluck davon wurde einem Mann so schlecht, dass er ins Krankenhaus musste. Dort wurde festgestellt, dass in der Flasche Quecksilber war, ein giftiges, flüssiges Metall, das ihn hätte umbringen können. Wer konnte dahinterstecken? Das Paket war nicht - wie die anderen - an der Haustür abgestellt worden, sondern direkt an das Opfer adressiert. Der Mann verdächtigte den Ex-Freund seiner Freundin. Der stritt natürlich alles ab. Ich habe dann die Handschrift auf dem Paketaufkleber mit der des Ex-Freundes verglichen - und konnte den Verdacht bestätigen.

Ausbildung:

Meistens studieren Handschriften- Gutachter Psychologie, das ist aber kein Muss. So oder so: Man belegt zusätzlich das Fach "Schriftvergleichung". Danach muss jeder 100 Fälle unter Anleitung eines Experten bearbeiten. Erfahrung ist nämlich das Wichtigste.

Tipp:

Wer diesen Beruf ergreifen will, braucht ein Händchen für Schriften und Sprache. In den Gutachten müssen wir uns nämlich so exakt und verständlich ausdrücken, dass es jeder versteht.

Tatort-Fotograf: Der Fährten-Festhalter

Benedikt van Hasz, 30, sichert Beweise am Tatort - mit der Kamera

Beruf:

Kriminaltechnischer Fotograf

Alltag:

Der sieht ganz unterschiedlich aus, je nachdem, ob ich in unserem Fotostudio bin oder an einem Tatort. Im Studio fotografiere ich unter anderem Schuh- oder Fingerspuren auf Beweismitteln. Fuß- und Fingerabdrücke verschwinden schließlich mit der Zeit, Fotos davon nicht. Außerdem lassen sich Fotos überallhin mitnehmen. Wenn uns aber die Kollegen aus der Kriminaltechnik zu einem Tatort rufen, ist das immer etwas anderes, Außergewöhnliches. Dort machen wir Bilder von Dokumenten, Waffen, Drogen, Fingerabdrücken, Schuhspuren und Patronenhülsen. Jede Spur müssen wir festhalten, sodass die Polizei damit arbeiten kann. Mit speziellen Computerprogrammen zur Bildbearbeitung können wir nach dem Fotografieren sogar Spuren sichtbar machen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Spannendster Fall:

Das ist eine schwierige Frage, denn jeder Fall ist einzigartig. Generell mag ich die kompliziertesten Fälle am liebsten. Hier muss ich oft neue Techniken entwickeln, um gute Ergebnisse zu erzielen. Außerdem ist es jedes Mal ein tolles Gefühl, wenn ich zur Klärung eines Falles beitragen konnte.

Ausbildung:

Ich habe eine ganz normale Ausbildung zum Fotografen in einem großen Werbestudio gemacht. Die kriminaltechnische Fotografie habe ich erst im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) erlernt. Die Arbeit ist so speziell, dass man sie eigentlich nur beim LKA lernen kann.

Tipp:

Wer diesen Beruf ergreifen will, der sollte nicht nur gut und gern fotografieren, sondern sich auch für die technische Seite der Fotografie interessieren und fit in Bildbearbeitung sein.

Auf frischer Tat befragt

Benedikt van Hasz ist Tatort-Fotograf

Fallanalytiker: Der Hinter-den-Spuren-Sucher

Axel Petermann, 59, versucht, ungeklärte Verbrechen neu zu verstehen - und Täter doch noch zu finden

Beruf:

Polizeilicher Fallanalytiker

Alltag:

Meine Kollegen und ich kommen zum Einsatz, wenn es in einem Mordfall nicht weitergeht und neue Ideen nötig sind, um den Täter zu finden. Polizisten hören Zeugen an, nehmen Fingerabdrücke. Fallanalytiker dagegen suchen die Spuren hinter den Spuren. Genau die verraten oft etwas über den Täter. Er trifft ja ständig Entscheidungen - darüber, wen er wann und wie tötet. Ob er die Leiche dann einfach liegen lässt oder sich noch die Zeit nimmt, sie fortzuschaffen in ein Versteck. Das kann dann zum Beispiel dafür sprechen, dass er mit dem Opfer bekannt war oder sich in der Umgebung gut auskannte. Und, und, und! Fallanalytiker schauen sich den Tatort genau an oder die Fotos davon, lesen Berichte, Protokolle, fragen Experten, probieren auch manchmal selbst Dinge aus: wie schnell Schlafmittel wirken oder ob man sich selbst fesseln kann.

Spannendster Fall:

An einem 2. Januar wurde in Bremen eine Tote gefunden. Die Frau war am 27. Dezember zuletzt gesehen worden, zusammen mit einem verdächtigen Mann. Bloß: Bei einer Untersuchung der Leiche, bei der die Körpertemperatur mit der Außentemperatur verglichen wurde, kam heraus, dass die Frau erst am späten Neujahrstag gestorben sein musste. Und sämtliche Zeugen wollten sie Silvester und Neujahr noch gesehen haben. Wir kamen dem Täter nicht auf die Spur. Bis ich mir noch einmal das Ergebnis dieser Temperatur-Untersuchung anschaute und entdeckte, dass der Rechtsmediziner einen Gedankenstrich, den ich vor die Temperaturangaben gesetzt hatte, als Minuszeichen gedeutet hatte! Als der Fehler korrigiert war, konnten wir den Verdächtigen überführen: Er hatte die Frau am 27. Dezember ermordet, weil sie nicht mit ihm nach Hause gehen wollte.

Ausbildung:

Kriminalpolizist, dann Leiter der Bremer Mordkommission, wo ich ab 1999 die Abteilung für Operative Fallanalyse aufgebaut habe.

Tipp:

Wer diesen Beruf ergreifen will, braucht eine klassische Polizeiausbildung. Denn man muss wissen, wie die Ermittler arbeiten - und wie der Tod aussieht.

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