Applaus, Applaus Warum wir Beifall klatschen

Klatschen gehört zu den ersten Klängen, die wir als Kinder selbst erzeugen können. In einer Gruppe wird aus diesem Klang Applaus - ein spannendes Phänomen…
Klatschen

Klatsch, klatsch, klatsch

Das Wunder beginnt nach dem Konzert. Oder nach dem Theaterstück, dem Vortrag, der Ballettaufführung: Applaus brandet auf. Wie ein Gewitterschauer prasselt er hernieder, die Zuschauer klatschen, manchmal minutenlang. Vor allem aber: ohne dass sie sich zuvor abgesprochen haben. Wer angefangen hat? Nicht auszumachen. Kaum verhallen die letzten Töne im Konzertsaal, setzt der Beifall ein. Einfach so. Ein magischer Moment.

Wieso klatschen wir eigentlich?

Natürlich drückt Applaus Lob für die Musiker oder Schauspieler aus“, sagt die Frankfurter Musikwissenschaftlerin Jutta Toelle. „Er ist der Ersatz für ein persönliches Dankeschön. Es kann ja nicht jeder Zuschauer einzeln auf die Bühne laufen.“ Mit dem Beifall sagen die Menschen darum als Gruppe: Super, es hat uns gefallen! Und alle machen mit, obwohl der Einzelne nicht gehört wird. Klatsch, klatsch, klatsch.

Jutta Toelle ist dem Phänomen Applaus schon seit ein paar Jahren auf der Spur. Und kennt noch einen anderen Grund, warum sich die Besucher klassischer Konzerte etwa auf den Schlussbeifall freuen: „Wenn die Menschen die ganze Zeit still gesessen und zugehört haben, wollen sie sich äußern und haben einen gewissen Bewegungsdrang.“ Der Applaus befreit – und ist international verbreitet.

Denn überall auf der Welt drücken die Menschen Anerkennung damit aus, wenngleich unterschiedlich in Lautstärke und Länge. „Ich war mal in China in einer vierstündigen Oper. Bis zum Schluss habe ich nicht verstanden, an welchen Stellen die Zuschauer dort warum geklatscht haben“, erzählt Jutta Toelle und lacht. Die Applausregeln eines Landes muss man also kennen. Bei uns etwa diese: In einem Klassikkonzert ist Beifall zwischen den einzelnen Sätzen nicht erwünscht, bei Pop- oder Jazzkonzerten darf dagegen nach jedem Lied, jedem Solo geklatscht werden. Manche verbitten sich Applaus in der Kirche – außer, ein Gospel- Chor tritt auf.

Bereits in der Antike wurde geklatscht

Vermutlich haben übrigens schon die alten Griechen kräftig in die Hände geklatscht. In ihrer Mythologie jedenfalls findet sich mit der Figur des Krotos sozusagen der Erfinder des rhythmischen Beifalls zur Musik. Sein Name, Krotos, bedeutet übersetzt nichts anderes als klatschen. Auch die Römer spendeten nach Theateraufführungen Applaus und wurden sogar dazu aufgefordert: "Plaudite!“", klatschet, hieß es, sobald eine Vorstellung beendet war.

Heutzutage gibt es vor Fernseh- und Talkshow-Aufzeichnungen Anklatscher: "Warm-Upper" werden sie genannt, Einheizer. Sie stimmen das Publikum ein, an den gewünschten Stellen zu applaudieren, mit den Füßen zu stampfen oder gar zu jubeln. Klatsch, klatsch, klatsch!

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