Luftschiffe Zeppeline: Giganten des Himmels

Vor mehr als 100 Jahren will Ferdinand Graf von Zeppelin Luftschiffe bauen – große, Fluggeräte, die Passagiere und Lasten mit Leichtigkeit transportieren. Wir erzählen die Geschichte der Zeppeline
Zeppeline: Giganten des Himmels

Ferdinand Graf von Zeppelin steht vor seinem Schreibtisch und weint. Vor ihm türmen sich Postkarten und Briefe. Es scheint, als hätte ganz Deutschland zu Papier und Stift gegriffen. Gerührt liest er einen Brief nach dem anderen. Die Absender ermutigen ihn, weiterzukämpfen, schicken Geld, damit er ein neues Luftschiff bauen kann. Und das nach dieser Katastrophe. Seit der Graf im Jahr 1890 mit 52 Jahren aus dem Militärdienst ausgeschieden ist, will er nur eines: Luftschiffe bauen. Obgleich schon einige Erfinder vor ihm gasgefüllte Riesen in den Himmel steigen ließen, steht die Entwicklung der Flieger noch am Anfang. Zeppelin will es besser machen. Er opfert das Vermögen seiner Frau, sammelt Spenden, heuert Ingenieure an. Die Leute tuscheln schon, er sei ein Narr. Ein Adliger, der in die Luft gehen will – wie unschicklich, lächerlich, dumm!

Gefährlich gut brennbar

Zeppelin entscheidet, ein starres Luftschiff zu bauen, mit einem Aluminium-Skelett als Stütze im Inneren. Das „Luftschiff Zeppelin 1“, kurz LZ 1, misst 128 Meter bei einem Durchmesser von 11,25 Metern und erinnert an eine gigantische Zigarre. Zeppelin füllt die Luftkammern im Inneren mit Wasserstoff, einem Gas, das viel leichter ist als Luft – und gefährlich gut brennbar. An der Unterseite sind zwei Gondeln befestigt für Piloten, Passagiere und Motoren. Um vorwärtszukommen, besitzt Zeppelins Luftschiff mehrere motorbetriebene Propeller. Am 2. Juli 1900 startet das Luftschiff zum ersten Mal. Tausende Neugierige säumen das Ufer des Bodensees, als es mit Zeppelin und vier weiteren Personen an Bord tatsächlich aufsteigt. Es fliegt, allerdings nur schlappe 18 Minuten lang, dann muss es notlanden. Die Meinung der Experten: Das Luftschiff sei weder für militärische noch für andere Zwecke zu gebrauchen.

Ein neuer Rekord

Doch Zeppelin gibt nicht auf. Er tüftelt, baut, verwirft, tüftelt neu. Fünf Jahre später hebt LZ 2 ab, muss aber beim zweiten Probeflug ebenfalls notlanden. Baumkronen haben die Hülle aufgeritzt, ein Sturm hat ihm den Rest gegeben. Also von vorn: LZ 3 steigt kaum zehn Monate später in die Luft. Stolze zwei Stunden bleibt das Luftschiff oben. Die Leute sind begeistert, die Regierung in Berlin bewilligt Geld für den Bau eines weiteren Modells, das dann einen ganzen Tag in der Luft bleiben kann. Am 1. Juli 1908 fliegt Zeppelin mit LZ 4 zwölf Stunden am Stück. Die Zeitungen berichten landauf, landab. Bald trägt der helle Gigant seinen Namen: Zeppelin. Drei Tage später fliegt er eine weitere Tour über Basel, Straßburg, Worms und Mainz, schließlich bis nach Echterdingen. Eine Sensation! Doch hier endet der Höhenflug. LZ 4 wird mit Seilen am Boden befestigt. Ein Sturm zieht auf, reißt den Riesen aus der Verankerung. Der Wasserstoff entzündet sich. Das Luftschiff explodiert und brennt völlig aus. Eine Katastrophe!

Das Wunder von Echterdingen

Zum Glück hat der Graf bereits eine Menge Fans. Ebenjene, die nach dem Unfall in Echterdingen säckeweise Briefe schreiben, die ihm Mut machen, ihn rühren, motivieren. Rund sechs Millionen Goldmark spenden Menschen, die an ihn und seine Erfindung glauben. Welch ein Geschenk! Zeppelin gründet damit die „Luftschiffbau Zeppelin GmbH“ – und eine Reihe weiterer Firmen, die sich auf Luftfahrt spezialisieren. Dort arbeiten bald Experten für Ballonhüllen, für Luftfahrzeug-Motoren, für Zahnräder und für Propeller, die auch die Entwicklung von Flugzeugen voranbringen. Bis dahin mussten Flugpioniere ihre Motoren selbst bauen oder Automotoren verwenden, die entsprechend schwer wogen. Fortan fliegen die Luftschiffe so verlässlich, dass das Militär sie im Ersten Weltkrieg zur Überwachung der Gegner und zum Abwurf von Bomben einsetzt. Als Ferdinand Graf von Zeppelin im Jahr 1917 stirbt, gelten seine Luftschiffe als voller Erfolg. Selbst der Kaiser reist zur Beerdigung des Grafen. Und die Entwicklung geht weiter. Bald nach Kriegsende reisen Zeppeline über den Atlantik. In der Stadt New York werden sie mit Hupkonzerten begrüßt, wenn sie über die Wolkenkratzer gleiten. Später nutzen die Nationalsozialisten die Riesen zu Propagandazwecken: Bei den Olympischen Spielen im Jahr 1936 überquert LZ 129, genannt „Hindenburg“, das Stadion – und verbeugt sich. Indem die Insassen im Schiff nach vorn und dann wieder nach hinten laufen, scheint das Luftschiff den Zuschauern zuzunicken.

Das Ende der Zeppeline

Es ist jedoch genau dieses Luftschiff, die „Hindenburg“, das am 6. Mai 1937 die Ära der Zeppeline beendet. Als der 247 Meter lange Riese nach einem Atlantikflug im US-amerikanischen Lakehurst zur Landung ansetzt, entzündet sich der Wasserstoff im Inneren. Der Gigant geht in Flammen auf, 36 Menschen sterben bei der Katastrophe. Von nun an hebt kein Zeppelin mehr ab. Erst Jahrzehnte später, 1993, gründen Luftschiff-Begeisterte die Firma „Zeppelin Luftschifftechnik“ und entwickeln den „Zeppelin NT“. NT steht für „Neue Technologie“. Die Modelle sind jetzt mit dem Gas Helium gefüllt, das nicht brennbar ist. Touristen drehen mit den „dicken Zigarren“ nun die eine oder andere Runde über den Bodensee. Und mehr noch: Weil Zeppeline beim Fliegen nicht so viel Wirbel machen wie Flugzeuge oder Hubschrauber, nutzen Wissenschaftler sie mittlerweile als fliegende Labore zum Erforschen der Atmosphäre oder auf der Suche nach Bodenschätzen. Hätte Ferdinand Graf von Zeppelin geahnt, dass Luftschiffe noch 100 Jahre später am Himmel schweben, hätte ihn wohl auch das zu Tränen gerührt.

GEOlino-Newsletter
nach oben