Literatur Die schönsten Gedichte von Heinz Erhardt

Heinz Erhardt war der große Humorist der Nachkriegszeit. Und auch heute noch lernen Kinder in der Schule seine bekannten Gedichte. Wir stellen die schönsten Gedichte des Entertainers vor
Heinz Erhardt

Die Made

Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.

Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:
„Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!“

Also sprach sie und entwich. -
Made junior aber schlich
hinterdrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde ...

- Heinz Erhardt -

Die polyglotte Katze

Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt: "Da wart nicht lang ich,
die Maus, die fang ich!"

Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
„Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!"

Da plötzlich hört sie - statt "miau" -
ein laut vernehmliches "wau-wau"
und lacht: „Die arme Katze,
der Hund, der hatse!

Jetzt muss sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!"
Doch leider - nun, man ahnt's bereits -
war das ein Irrtum ihrerseits.

Denn als die Maus vors Loch hintritt -
es war nur ein ganz kleiner Schritt -
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft! - -

Danach wäscht sich die Katze die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
„Wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man 'ne fremde Sprache kann...!"

- Heinz Erhardt -

Warum die Zitronen sauer wurden

Ich muß das wirklich mal betonen:
Ganz früher waren die Zitronen
(ich weiß nur nicht genau mehr, wann dies
gewesen ist) so süß wie Kandis.

Bis sie einst sprachen: "Wir Zitronen,
wir wollen groß sein wie Melonen!
Auch finden wir das Gelb abscheulich,
wir wollen rot sein oder bläulich!"

Gott hörte oben die Beschwerden
und sagte: "Daraus kann nichts werden!
Ihr müßt so bleiben! Ich bedauer!"

- Heinz Erhardt -

Kurzgedichte von Heinz Erhardt

Was wär ein Apfel ohne -Sine,
Was wären Häute ohne Schleim?
Was wär'n die Vita ohne -Mine,
Was wär'n Gedichte ohne Reim?
Was wär das E ohne die -llipse,
Was wär veränder ohne -lich?
Was wär ein Kragen ohne Schlipse,
Und was wär ich bloß ohne Dich?

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Es war einmal ein buntes Ding
ein so genannter Schmetterling.
Der flog wie alle Falter
recht sorglos für sein Alter.
Er nippte hier – er nippte dort
und war er satt, so flog er fort.

Flog zu den Hyazinthen
und schaute nicht nach hinten.
So kam´s, dass dieser Schmetterling
verwundert war, als man ihn fing.

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Ein Naßhorn und ein Trockenhorn
spazierten durch die Wüste.
Da stolperte das Trockenhorn,
und’s Naßhorn sagte: "Siehste!"

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Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt,
so fällt er auf den Fuß dir prompt!
So ist es nun mal auf der Welt;
ein Kummer geht, ein Kummer kommt.

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Meine besten Witze hab ich erzählt,
das Publikum lächelte nur leicht gequält.
doch Heiterkeit ohne Maß und Ziel
erregte ich, als ich vom Fahrrad fiel.

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- Heinz Erhardt -

Heinz Erhardt

Heinz Erhardt war ein deutscher Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller, Komponist und Filmproduzent. Er gehört zu den größten deutschen Komikern aller Zeiten.

  • Geboren am 20.02.1909 in Riga, Lettland
  • Gestorben am 05.06.1979 in Hamburg

Nach einer turbulenten Kindheit in Riga beginnt der 17-jährige Erhardt ein Volontariat bei einem Musikalienhandel in Leipzig - auf Wunsch seines Großvaters. Mit wesentlich größerer Leidenschaft studiert er gleichzeitig jedoch auch am Leipziger Konservatorium Klavier und Komposition.

Bald schon hat er seine ersten Auftritte als Alleinunterhalter - mit lustigen Geschichten, Gedichten und Liedern, zu denen er sich selbst am Klavier begleitet. Jahrelang pendelt er zwischen dem Musikaliengeschäft und Bühne hin und her. Er macht sich zusehends einen Namen und erhält Engagements am Theater.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs leistet Heinz Erhardt ab 1941 seinen Kriegsdienst an der Front ab. Danach beginnt er in Hamburg einen Neuanfang und moderiert 1946 die Unterhaltungsendung "So was Dummes" im Radio. Mit der Komödie "Lieber reich, aber glücklich" gelingt ihm am Hamburger Theater schließlich der Durchbruch.

Seine Kinokarriere startet Heinz Erhardt zehn Jahre später mit seiner Hauptrolle in "Der müde Theodor". Insgesamt an 39 Filmen wird er in den folgenden 15 Jahren mitspielen.

Zudem betätigt sich Heinz Erhardt als Schriftsteller und verfasst seine witzigen Reime und Sketche - im Jahr 1963 erscheint sein erstes Buch "Noch'n Gedicht". Seine Bücher und Gedichtbände werden alle zu Bestsellern.

Ein plötzlicher Schlaganfall im Jahr 1971 beendet die Karriere des Humoristen. Zu seinem 70. Geburtstag wird Heinz Erhardt 1971 mit dem Großen Deutschen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Am 5. Juni 1979 stirbt Heinz Erhardt schließlich in Hamburg.

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